Betriebsamkeit. 911
Händlern gesucht. Der Pferdeschlag ist groß und stark, und erinnert in
seinen guten Exemplaren an die Formen der Brabanter Pferde. Sobald
man das Thal verläßt und höher auf die Ausläufer des Jura kommt, wird
der Boden schwer, lettig und naßgallig, und bietet der Bearbeitung große
Schwierigkeiten. Wiesen findet man nur noch in den kleinen Fluß= und
Bachthälern. Die Höhen liegen theilweise öde, blos von Schafen benützt,
das Vieh ist klein und wird mager gehalten.
Nur im Kesselthal um Bissingen ist in den letzten Jahren durch Kreuzung
mit Simmenthaler Farren ein bedeutender Fortschritt in der Viehzucht
gemacht worden.
Den gleichen Charakter wie diese Gegend zeigt der übrige bergige Theil
unseres Kreises nördlich der Donau von Höchstädt über Donauwörth abwärts.
Es ist der Jura, der überall auftritt. Die guten Felder sind selten. Sie
finden sich nur, wo die abgeschwemmte Erde sich sammeln konnte, in den
Thälern und da, wo die Berge sich gegen die Thäler verflachen. Allenthalben
wird das kleine rothe Vieh im Herbste ausgetrieben, und muß sich
mit geringer Nahrung begnügen. Ausnahmen davon bilden die einzelnen
meistens arrondirten großen Güter. Auf ihnen wird bei besserem Feldbau
auch auf die Vieh= und Schafzucht viel gehalten. Ebenso hat das Landgericht
Monheim durch Benützung der guten Viehstämme des Grafen Arco
in Tagmersheim und Stepperg seine Viehzucht verbessert. Namentlich gilt
dieß von den Schafheerden, welche mit ihrer guten Kammwolle zum Theil
den Charakter der Tagmersheimer Heerde nicht verleugnen.
Das rechte Ufer der Donau zeigt in seinem Boden, in seinen
Produkten und in seiner Bewirthschaftung durchaus den Charakter seiner
Alluvialböden. Neben fruchtbaren Feldern liegen Riede, welche nur zur
Weide dienen; neben den üppigsten Anschütten tritt der Kies zu Tage. Die
Dörfer und Weiler liegen bei den wenigen fruchtbaren Strichen weit auseinander.
Die Zwischenräume füllen Bauernhöfe aus, die sich den Rest des
landwirthschaftlich Nutzbaren ausgesucht haben. Es sind gute Hoöfe diese
„Schwaigen“ trotz der Ueberschwemmungen?), von denen sie von Zeit zu Zeit
heimgesucht werden. Auf ihnen hausen reiche Bauern, weiche ihren Stolz
darein setzen, fette Viergespanne im Stalle zu haben. Der Ackerbau wird
lässig betrieben, Schweine und Schafe weiden zusammen. Das Geringste
der Weiden und das Schlechteste des Futters erhält das kleine genügsame
rothe Rindvieh.
Die Höfe vererben nach dem Erstgeburtsrecht, was wohl die Wohlhabenheit
der Familien sichert, aber auch wahre Fortschritte ferne hält. Der
Hofbesitzer hat genug, und kümmert sich deßhalb selten um Verbesserungen.
1) Seit den großartigen in den letzten Jahren ausgeführten Donaucorrectionen
kommen diese viel seltener und sind nicht mehr so verheerend wie früher.