Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1917 (4)

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12.  Schlußbetrachtungen.

Die  Reihe  der  zurzeit  in  Deutschland  bestehenden
  politischen  Parkeigebilde  ist  mit
den  von  uns  genannten  Parteien  geschlossen.
  Dem  aufmerksamen  Beobachter
wird  es  leicht  sein,  den  Grundcharakter  der
einzelnen  Parteien  und  die  trennenden
Punkte  zwischen  ihnen  zu  erkennen.  Wenn
man  daraufhin  die  Frage  aufwirft:  „Welcher
Partei  soll  sich  nun  der  deutsche
Staatsbürger  anschließen?“  so  muß
man  zunächst  volle  Klarheit  darüber  gewinnen,
  welchen  vernünftigen  Zwecken  das
ganze  politische  Parteiwesen  überhaupt  dienen
kann  und  soll.  Nach  seiner  geschichtlichen
Entwicklung  erstrebt  es  die  Anbahnung
solcher  Zustände  in  dem  Staate,  bei  welchen
einerseits  die  nationale  Selbständigkeit,  Eigenart
  und  Blüte  sowie  die  Vervollkommnung
aller  Glieder  der  Volksgenossenschaft  in  der
menschlichen  Gesittung  und  Kultur,  anderseits
  die  freie  Betätigung  des  einzelnen
Staatsbürgers  oder  einzelner  solidarisch  verbundener
  Gesellschaftskreise  aur  Wahrnehmung
ihrer  Sonderinteressen  am  sichersten  gewährleistet
  ist.  Das  politische  Parteiwesen  steht
also,  wie  schon  sein  Name  besagt,  in  untrennbarem
  Zusammenhange  mit  einer  bestehenden
  Staats-  und  Gesellschaftsordnung.
Nur  innerhalb,  nicht  außerhalb  derselben
kann  es  sich  entfalten  und  betätigen.  Daraus
folgt,  daß  es  dort  am  besten  gedeihen  wird,
wo  der  Staat  auf  unerschütterlichen  Grundlagen
  ein  freies  Dasein  zu  führen  vermag,
und  die  Erhaltung  und  Erweiterung
seiner  Machtstellung,  seiner  Ehre,
einer  Kulturgüter  wird  für  alle  auf
vaterländischem  Boden  stehenden  Parteien
  eine  unmittelbareeigene  Lebensbedingung.


In  Deutschland  schätzen  wir  in  dem  aus
langen  Kämpfen  hervorgegangenen  nationalen
Bundesstaat,  wie  er  in  der  heutigen  Reichsverfassung
  begründet  ist,  die  vollkommenste,
zurzeit  erreichbare  Reichs=  und  Staatsordnung.
  Sie  sichert  dem  ganzen  deutschen
Volke  und  den  Einzelstaaten  im  Reich  die
freie  Existenz.  Sie  beruht  auf  einer  kraftvollen
  Regierungsgewalt  mit  monarchischer
Spitze,  verkörpert  in  dem  Kaiser  als  Repräsentanten
  der  verbündeten  souveränen

Fürsten.  Sie  ist  begründet  auf  der  geschichtlich

entwickelten  Rechtsordnung,  nach  welcher  sich
das  gesamte  wirtschaftliche  und  gesellschaftliche
Volksleben  regelt.  Sie  fußt  auf  den  vom
christlichen  Geist  teils  direkt  geborenen,  teils
wesentlich  geförderten  Kulturerrungensch  chesten
der  Jahrhunderte.  Die  höchsten  Volksideale:
Freibeit.  hnderte  r  eachte  Gottesglaube,
önigstreue,  Vaterlandsliebe,  Kullurfortschritt
sind  durch  sie  der  deutschen  Nation  gewährleistet.
  Alle  deutschen  in  dem  vaterländischen
Boden  wurzelnden  Parteien  stehen  daher  in
einem  unzertrennbaren  Zusammenhang  zu
dem  verfass  ungsmößig  begründeten  deulschen
Nationalstaat.  Die  Erhaltung  seiner
Macht,  Ehre  und  Kulturgüter
sowie  aller  Grundlagen  der  bekh.a
  Gesellschaftsordnunung
ist  au  für  sie  die  erste  Voraussetzung
  des  eigenen  Daseins.
Vinschiedenhekten  in  ihren  Bestrebungen
ergeben  sich  erst  über  die  Frage,  in  welcher
Form  sich  am  besten  die  staatlichen  Zustände

gestalten  lassen,  damit  der  weitere  Zweck  des
Parteiwesens,  die  Förderung  der
großen  onderinteressen  des

Staatsbürgers,  bezw.  einzelner  Gesellschaftskreise
  möglichst  vollkommen  erreicht  wird.
Bei  dem  ewigen  Widerstreit  der  großen
Lebensinteressen  der  einzelnen  Bürger,  der
verschiedenen  Berufsklassen  und  Erwerbsstände
  werden,  da  täglich  neue  Bedürfnisse
und  Wünsche  rege.  Die  in  den  Tiefen  des
Volkslebens  schlummernden  Kräfte  werden  unablässig
  mobilisiert  und  zu  einem  Ringen
mit  den  in  den  Daseinskämpfen  rivalisierenden
  Elementen  und  Strömungen  getrieben.
Aus  diesen  Quellen  entstehen  die  vielartigen
Parleien,  die  wir  in  Deutschland  kennen,
und  entnehmen  immer  wieder  neue  die  Bedingungen
  zu  einem  Sonderdasein.  Jede
Partei  glaubt  die  Voraussetzungen  am  besten
erkannt  zu  haben,  von  denen  der  Erfolg  in
den  mernschlichen  Bestrebungen  nach  vollkommenen
  Zuständen  abhängt.  Daraufhin
formuliert  sie  ihr  Programm  und  auf  diese
Weise  sind  auch  die  vielarligen  Parteisatzungen
entstanden,  deren  wir  vorstehend  gedacht
haben.  Sie  erfreuen  sich  einer  übergroßen
Reichhaltigkeit  und  stehen  oft  schroff  einander
  gegenüber.  Das  wird  mancher  für
einen  Ubelstand  halten,  zumal  die  dem