Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zweiter Band. (2)

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bei  vermuthlich  zutreffenderer  Gruppirung  der  Todesursachen  18,56  %  betrug.  Die
Säuglingssterblichkeit  war  hier  noch  etwas  niedriger  als  in  den  beiden  ersteren  Bezirken.
Verhältnißmäßig  hoch  war  die  Zahl  der  tödtlichen  Magen=  und  Darmkatarrhe  2c.  mit
19,9  %  aller  Todesfälle  in  Berlin:  von  je  100  Todesfällen  der  Säuglinge  waren  49,8
durch  Magen=  und  Darmkatarrhe  rc.  herbeigeführt.  Ueber  500%  stieg  ihre  Zahl  in
Ober-,  Niederbayern,  in  der  Oberpfalz,  in  Schwaben,  in  der  Kreishauptmannschaft
Dresden,  im  Neckar-,  Donaukreise  und  in  Hamburg.

Die  zweithäufigste  unter  den  Todesursachen  war  die  Tuberkulose,  welche  a)  in  die
der  Lungen  und  b)  in  die  anderer  Organe  unterschieden  ist.  Die  Erläuterungen  besagen,
  daß  der  letzteren  Untergruppe  alle  Fälle  von  Tuberkulose  anderer  Organe  als
der  Lungen,  insbesondere  also  von  Kehlkopf-,  Darm-,  Knochentuberkulose,  zuzuzählen
sind  und  weiter,  daßz  Kehlkopfsschwindsucht  mit  Kehlkopfstuberkulose,  Darmschwindsucht
(tabes  mesaraica)  mit  Darmtuberkulose  als  gleichbedeutend  angesehen  werden.  Die
Bezeichnung  „Lungentuberkulose"  deckt  sich  im  Sinne  dieser  Statistik  vollständig  mit
der  volksthümlicheren  „Lungenschwindsucht“;  auch  die  Todesfälle  in  Folge  von  Lungenblutsturz,
  Bluthusten  sollen  als  einschlägig  gelten.  Die  Aufnahme  der  Gruppe  „Tuberkulose“,
  welche  nach  dem  Vorbilde  der  bayerischen  Statistik  erfolgt  ist,  gewährt  den
Vorzug  der  Zusammenfassung  sämmtlicher  Fälle  von  Tuberkulose.

Tuberkulösen  Leiden  erlagen  insgesammt  122  152  Personen  oder  25,0  auf
je  10  000  Einwohner,  10,7  von  je  100  überhaupt  Gestorbenen.  Hiervon  kamen  85  906
oder  70,3%  sämmtlicher  Fälle  von  Tuberkulose  auf  die  Altersklassen  von  15  bis
60  Jahren,  18  110  betrafen  noch  ältere  Personen,  14  037  das  ingendliche  und  4091  das
Säuglingsalter.  Die  Bedentung  der  Tuberkulose  für  das  letztere  erscheint  noch  geringer,
wenn  man  die  Todesfälle  desselben  zur  Gesammtzahl  aller  gestorbenen  Sänglinge  in
Beziehung  setzt.  Alsdann  nämlich  erlagen  der  Tuberkulose  1,1  %  der  gestorbenen  Säuglinge,
  während  sich  bei  entsprechender  Berechnung  für  das  jugendliche  und  höhere  Alter
eine  Sterblichkeit  von  6,9  und  6,3,  für  die  vorwiegend  erwerbsfähigen  Altersklassen  eine
solche  von  32,1  %%  ergiebt.  Für  Bayern  liegen  nur  die  Ergebnisse  der  Todesfälle  an
Tuberkulose  im  Gangen  vor.  Die  Zahl  derselben  war  etwas  höher  als  im  Mittel  des
Reiches,  was  durch  eine  höhere  Sterblichkeit  in  Oberbayern,  in  den  drei  fränkischen  Bezirken
  und  in  der  Pfalz  veranlaßt  ist.  Den  Altersklassen  nach  fiel  der  Mehrbetrag  in
Bayern  wesentlich  auf  das  1.  bis  15.  Jahr,  denn  11,1  %½%  (Reich  6  9)  der  in  diesem  Alter
überhaupt  Gestorbenen  sind  der  Tuberkulose  erlegen.

Unter  Ausschluß  Bayerns  verbleiben  104  650  Fälle  von  Tuberkulose,  von  denen
der  weitaus  größte  Theil,  97  599,  durch  Tuberkulose  der  Lungen,  7051  durch  Tuberkulose
  anderer  Organe  veranlaßt  waren.  Das  Verhältniß  der  Todesfälle  in  diesen
beiden  Untergruppen  zu  einander  war  nicht  in  allen  Altersklassen  dasselbe,  vielmehr
starben  an  Lungentuberkulose  im  Alter  von  15  bis  60  und  von  60  Jahren  und  darüber
erheblich  mehr,  in  jüngerem  Alter  entsprechend  weniger  Personen,  als  nach  den  Gesammtziffern
  zu  erwarten  war.  Im  Vergleich  zur  Zahl  der  in  jeder  Altersgruppe  Gestorbenen
  war  die  Sterblichkeit  an  Tuberkulose  anderer  Organe  am  erheblichsten
im  1.  bis  15.  Jahre  (1,6%),  sodann  im  15.  bis  60.  Jahre  (1,2),  während  das  jüngste
und  höchste  Alter  unter  dieser  verhältnißmäßig  ziemlich  seltenen  Todesursache  nur  in
ganz  geringem  Maße  (0,3  und  0,2%)  zu  leiden  hatten.  In  Sachsen,  Württemberg,
Hessen,  Bremen,  Hamburg  und  Elsaß-Lothringen  führte  die  Tuberkulose  anderer  Organe
gegenüber  der  Lungentuberkulose  häufiger  als  im  ganzen  Reiche  zum  Tode.  Das  Nämliche
  traf  dort  im  Vergleich  zur  Gesammtzahl  der  Todesfälle  zu,  besonders  in  Bremen
und  Hessen,  wo  4,  und  2,7%  aller  Gestorbenen  gegen  O0,6  %  im  Reiche  aus  dem  fraglichen
  Anlaß  zu  Grunde  gingen.  In  beiden  Staaten  tritt  hauptsächlich  die  Sterblichkeit