Full text : Europäischer Geschichtskalender. Elfter Jahrgang. 1870. (11)

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Hie  süddeutschen  Staaten.

kaum  noch  Interesse  hat,  wurde  uns  von  Preußen  zunächst  eine  Mittheilung
nicht,  und  zwar  um  deßwillen  nicht,  weil  früher,  als  es  möglich  war,  daß
uns  eine  Erwiderung  zuging,  von  Seite  Württembergs  im  Haurtauartiere
der  Antrag  gestellt  worden  ist,  nunmehr  die  Verhandlungen  in  Versailles
wieder  aufzunehmen  und  dort  mündlich  zu  Ende  zu  führen.  Darauf  hin
wurde  auch  die  bayerische  Regierung  eingeladen,  soferne  es  ihr  zusagte,  nach
Versailles  Abgeordnete  zu  senden,  um  dort  an  den  Verbandlungen  Theil  zu
nehmen.  Man  ließ  es  uns  aber  doch  auch  frei,  wenn  wir  es  vorzögen,  die
Rückkehr  des  Hrn.  Staatsministers  Delbrück  hieher  abzuwarten.  Wir  glaubten,
  daß  es  richtiger  wäre,  gemeinschastlich  mit  den  andern  Staaten  vorzugehen,
  und  so  wurde  der  Beschluß  gefaßt,  einen  Theil  der  Staatsregierung
nach  Versailles  zu  weiteren  Verhandlungen  abzuordnen.  Dort  trat  alsbald
gegen  die  von  uns  gehegten  Erwartungen  eine  Trennung  der  Verhandlungen
ein.  Nicht  allein,  daß  der  Bundeskanzler  den  Vorschlag  machte,  es  sollte
Staatsminister  Delbrück  zunächst  mit  den  Abgeordneten  der  einzelnen  Staaten
die  Angelegenheit  durchsprechen,  sondern  auch  in  der  Weise  ward  eine  Trennung
  vorgenommen,  daß  man  die  sogenannten  civilen  Angelegenheiten,  wenn
Sie  mir  den  Ausdruck  gestatten,  von  den  militärischen  abgetrennt  hat.  Es
wurde  im  Reichstage  gesagt,  Bayern  habe  die  Trennung  der  Verhandlungen
gewünscht.  Nun  ja,  meine  Herren,  dieses  ist  insoferne  auch  richtig,  als  von
den  bayerischen  Vertretern  bei  einer  Gelegenheit  geäußert  wurde,  wir  hätten
die  Absicht  und  den  Wunsch  nicht,  störend  in  die  Verhandlungen  mit  den
übrigen  Staaten  einzugreifen  und  den  Abschluß  derselben  zu  verhindern.  Sie
erlassen  es  mir,  nun  noch  auf  die  weiteren  Einzelnheiten  des  Verhandlungsstadiums
  einzugehen.  Manches  davon  entzieht  sich  jetzt,  wo,  wie  ich  glaube,
ein  gedeihliches  Ende  erzielt  ist,  der  Mittheilung  und  der  Oeffentlichkeit;  nur
so  viel  darf  ich  noch  beifügen,  daß  die  Bewegung,  welche  durch  die  Presse
ging,  von  der  auch  wir  aus  mehrfachen  Mittheilungen  zu  Versailles  Kenntniß
bekamen  und  deren  Inhalt  dahin  ging,  daß  mit  uns  nichts  zu  erzielen  sei
und  der  Abbruch  der  Verhandlungen  mit  uns  bevorstehe,  auch  uns  in  hohem
Grade  überrascht  hat.  Wir  wußten  von  einem  solchen  Stande  der  Dinge
nichts.  Nachdem  mit  den  übrigen  Staaten  die  Verträge  theils  abgeschlossen,
theils  dem  Abschlusse  nahe  gebracht  waren,  sind  auch  mit  uns  die  Verhandlungen
  rasch  zu  Ende  geführt  worden.  Die  Verträge,  die  dabei  abgeschlossen
wurden,  sind  nun  folgende  ..“  Der  Minister  zählt  die  Verträge  auf  und  erörtert
  einzelne  besonders  hervorragende  Punkte.  So  bemerkt  er  über  die  Niedersetzung
  eines  diplomatischen  Ausschusses  im  Bundesrathe:
„Dieser  Ausschuß  hat  vielfach  Anfechtung  gefunden,  und  ich  bekenne  Ihnen,  ich
habe  eigentlich  nicht  begriffen,  weshalb  man  sich  diesem  Institute  gegenüber  so
feindselig  verhalten  zu  müssen  glaubt.  Ist  es  wirklich  etwas  Unberechtigtes,
daß  die  deutschen  Staaten,  die  in  einem  Bunde  zusammengefaßt  sind,  auch
mindestens  Kenniniß  davon  haben  wollen,  wie  sich  die  Politik  gestaltet,  welche
sie  schließlich  in  ihren  Consequenzen  mittragen  müssen,  die  Politik,  die  zu
Kriegen  führen  kann,  welche  wir  mit  unserm  Gut  und  Blut  mitzuführen  berufen
  sind?  Sicherlich  nicht!  Es  handelt  sich  hier  nicht  um  eine  Maschine
zum  Intriguiren,  sondern  ledlich  darum,  daß  die  Bundesregierung  den  Bundesgliedern
  in  Aufrichtigkeit  Rechenschaft  gebe  über  ihre  Beziehungen  zum
Ausland,  und  daß  diejenigen  Bundesglieder,  welche  nicht  in  der  Lage  sein
können,  activ  theilzunehmen  an  der  Handhabung  der  Politik,  doch  auch  in  die
Lage  versetzt  werden,  ihren  Empfindungen  rechtzeitig  Ausdruck  zu  verleihen.
Daß  der  erste  deutsche  Staat  nicht  im  Ausschusse  vertreten  ist,  das  ist  lediglich
eine  Conseguenz  der  Aufgabe,  welche  man  dem  Ausschusse  gesetzt  hat.  Der
Ausschuß  soll  Mittheilungen  entgegennehmen.  Von  wem?  Gerade  von  der
Bundesregierung.  Er  soll  Ansichten  mittheilen.  Zu  welchem  Zweck?!  Damit
die  Bundesregierung  sie  kennen  lernt.  Er  soll  aber  nicht  störend  eingreifen,
und  Beschlüsse  zu  fassen  hat  der  Ausschuß  nach  unserm  Vertrage  nicht.  Ob