im Parke von Meudon, daun bei Clamart und bei Bagneux, letztere flankiert von Nebenbatterien bei Chevilly,
nahmen 98 Geschütze auf. Ihnen stellten die Forts und die Umwallung der Stadt fast 700 entgegen; jeht
hatte auch die deutsche Belagerungsartillerie den Parisern ihre Kunst zu beweisen. Am 5. Januar, einem leidlich
hellen und windstillen Tage, krachte, von den harrenden Truppen jubelnd begrüßt, um 8 1/8 Uhr bei Elamart
nach einem Hoch auf den König von Preußen der erste Signalschuß. Die dortigen Geschüthe stimmten ihren Sang
an, die französischen von Forts und Stadtumwallung antworteten sofort; später flelen die anderen deutschen
Batterien ein, und auch die Feldartillerie des 2. bayerischen und des 6. Korps mischte ihre bescheidene Stimme
in den Donner der mächtigeren Geschwister. Die Erde erzitterte, die Luft rauschte. Allmählich verstummte auf
französischer Seite die Entgegnung.
Wechselnd, je nachdem das oft nebelige Wetter sichern Schuß erlaubte, ging der Geschützkampf weiter. Es
waren bewegte Tage, denn die Pariser suchten durch Ausfälle die Arbeiten zu stören und die Vorposten durch
lebhaftes Gewehr-= und Geschützfeuer zurückzudrängen; unnnterbrochen dauerte die Gesechtsbereitschaft.
Auch die stolze Stadt da unten bekam ernste Warnungen. Einige Geschütze, deren Rohre künstlich über das
gewöhnliche Erhebungsmaß gebracht wurden, schleuderten täglich 300 bis 400 Granaten 8000 m weit nach
Paris hinein; oft genug konnte man sehen, wie dort Feuer aufgingen. Der Zweck war, zu schrecken, denn der
angerichtete Schaden bedeutete nicht viel; nach französischen Angaben sind während der ganzen Beschießung von
der Zivilbevölkerung 97 Personen getötet, 278 verwundet worden. Die Franzosen und ihre Freunde schrieen über
deutsche Barbarei, aber Paris hatte sich selbst zur Festung gemacht, und seine gesamte männliche Bewohnerschaft
war aufgeboten, die Deutschen zu vernichten.
Von den deutschen Batterien erlitten mehrere beträchtliche Verluste; sehr viel größere Beschädigungen trugen
die Forts, namentlich Issy, davon. Die französische Regierung, die wachsende Not vor Augen, hätte gern günstige
Nachrichten von außen abgewartet; lediglich die Furcht vor den fortwährenden Anschuldigungen der Unthätigkeit
und die Sorge vor neuen Unruhen in der Stadt trieben zu rascherem Handeln, obgleich die Führer sich im
Herzen gestanden, daß ein Durchbruch jetzt ganz undenkbar war. Die Zeitungen forderten durchaus einen Ausfall,
einen „Gießbach“ der Nationalgarde, wie die kühne Redewendung lautete, der den Feind durchreißen müsse.
Die Regierung that dem Volke den Willen, in dem Gedanken, ein Aderlaß würde vielleicht das Fieber mindern;
die Schreier waren am besten zu beruhigen, wenn ihnen der Tod den Mund schloß.
Der Ausfall am 19. Januar richtete sich unter dem Schutze des Mont Valérien von der Halbinsel Gennevilliers
aus auf Versailles, wo am Tage vorher König Wilhelm von Preußen feierlich den Titel eines deutschen
Kaisers angenommen hatte. Gegen 90,000 Mann, darunter 40,000 der besten Mannschaften aus der Nationalgarde,
sollten die Generale Ducrot, Vinoy und Bellemare in drei Kolonnen gleichzeitig auf den Feind werfen;
Trochu leiteie das Ganze vom Mont Valérien aus. Schon der Anmarsch mißlang, so daß Vinoy allein den
Angriff auf dem linken Flügel beginnen mußte; erst allmählich entwickelte er sich auf der ganzen Front von
St. Cloud bis Malmaison. Die Artillerie verzögerte sich, weil das zum Regen umgeschlagene Wetter den Erdboden
tief aufgetaut hatte. Der Anprall, durch dichten Nebel verhüllt und nicht wie sonst von einer Kanonade
verkündigt, veranlaßte die Feldwachen des 5. Korps zurückzugehen; die Franzosen bemächtigten sich der ersten
Häuser von St. Cloud, der Schanze Montretout und drangen in Garches und den Park von Buzanval ein. Als
man in Versailles schnell erkannte, daß es sich um einen ernstlichen Kampf handelte, griff das ganze Korps unter
General v. Kirchbach ein. Die Franzosen vermochten nicht, die errungenen Vorteile zu überschreiten, obgleich ihre
Ingenieure mit Todesverachtung die Parkmauern durch Dynamit zu sprengen versuchten. Die kleine Besatzung
von La Bergerie, eine Kompanie der 5. Jäger, behauptete den ganzen Tag unerschütterlich ihren wichtigen, in der
Mitte vorgeschobenen Posten. Schon gegen Mittag erlangte die deutsche Artillerie das offenbare übergewicht.
Nochmals stürmten die Franzosen vor und kamen bis auf 200 Schritt heran; dann war ihre Kraft zu Ende,
Verwirrung und Flucht rissen ein, und Trochu brach den Kampf ab. Gegen Abend nahmen die Preußen alle