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trocken Brot oder eine Kartoffel; die Verwundeten
und Kranken aber lagen auf den harten Pritschen
in der städtischen Malzdarre und warteten sehrsüchtig
auf das Wassersüpplein, das ihnen die mitleidigen
Bürgerfrauen schickten.
Auch von Schill erzählte sie umd seinem Freikorps,
das auf seinen Streifzügen von Kolberg aus
oft auch unser kleines Landstädtchen passterte und
dabei nicht weniger rücksichtslos wie die Franzosen
verfuhr, keine Ausrede gelten ließ, Lebensmittel requtrierte
und dem Ackerbürger das letzte Pferd aus
dem Stalle nahm. Noch immer lebte in den sechziger
Jahren die Erinnerung an die Schillschen Husaren
in einem kleinen Sprüchlein, das uns der
Bater wohl in halbem Ernst zurief, wenn wir irgendeine
Unart zu beschönigen versuchten: „Macht
mir keine Wippchen vor!“ Wir wußten, daß die
Fortsetzung lautete: „Denn ich bin vom Schillschen
Korps!“ —
Wenn's Winter geworden war und wir gegen
Dun werden mit blaugefrorenen Nasen und steifen
Fingern vom Schlittenfahren oder vom Schneeballen
heimkamen, dann drängten wir uns vor dem
dicken Kachelofen um die Mutter zusammen. Ach,
was war das gemütlich! Das ganze Zimmer hinter
uns versank in Dunkel, vor uns zeigte uns der
Ofen, der für die Nacht noch einmal mit Holz und
Torf gespeist war, durch die gzittevartig dunchbrochene
eiserne Tür die Zähne, hinter denen die
Glut auf= und niederflammte. Dann wurden die
Tageserlebnisse besprochen, Geschichten erzählt und
Lieder im Volkston gesungen: „Hier sitz ich auf
Nasen mit Beilchen bekränzt“, „An der Quelle saß
der Knabe"“, „Du hast Diamanten und Perlen“ und
ähnliche aus der Zeit, als der Großvater die Großmutter
nahm. Noch mehr als diese schwärmerischweichen
Lieder gefielen uns Buben aber die Vaterlandslieder,
die noch immer dieselben waren, die
einst die Väter in und nach dem Freiheitskampfe
begeistert hatten: „Was blasen die Trompeten? Husaren,
heraus!“ und bssonders eins, in dem die
Völlerschlacht bei Letpzig mit der großen Leipziger
Messe verglichen wurde, auf der Napoleon durch den
Marschall Blücher alles einbüßte. Es wurde nach
der Melodie des Krambambuli-Liedes gesungen; den
kräftigen Rhytmus pflegten wir zur Erhöhung der
dreude mit Händen und Füßen noch mehr zu be—
onen.
O Leipzig, beine große Messe,
Die hat mich ganz labet“) gemacht.
Die Nachwelt wird dir's nie vergessen,
Du hast mich um mein Reich gbebracht.
Glaub ich im besten Schlaf zu sein,
:„: Fällt mir der Marschall Blücher ein. :#
*) Gewöhnlich sagt man jetzt beim Kartenspiel
„bet machen“ aber auch in dem Krambambuli=Liede
heißt es in der fünften Strophe „hat mich
das Spiel labet gemacht“. Faire la bete heißt
Unser Deommerland
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Noch unmittelbarer lernten wir Kinder den Ernfi
und die Not der Franzosengeit kennen, wenn die
Eltern gelegentlich über die teuren Zeiten und die
hohen Steuern klagten. Dabei erwähnten sie auch
wohl die Kriegsschulden aus jener Zeit, zu deren
Tilgung das arme Landstädtchen noch immer jährlich
Tausende von Mark aufzubringen hatte. Erst
viel später, im Jahre 1892, wurde die letzte Rate
bezahlt. — —
1870. Das Jahr fing böse an. Eines Tages
nahm der Vater mich an der Hand und führte mich
zum Gymmasium. Ich weiß es noch wie heute, wie
unsäglich bang mir ums Herz war, als ich vor dem
Herrn Direktor stand, dessen hohe Gestalt mir damals
übermenschlich erschien. Doch gütig beugte sich
sein von langem, schon ergrautem Haar umwalltes
Gesicht zu mir hernieder, er schloß mein zitterndes
Händchen in die seine — ich war Vorschüler, und
der Ernst des Lebens begann. Aber noch konnte
ich nicht lesen, da ging ein Raunen durchs Land,
ernst blickte der Vater, wenn er mittags heim kam
und der Mutter erzählte von Spanien und Frankreich,
und plötzlich war der Krieg da.
Meine Eltern wohnten damals auf einem der
vier kleinen Gütchen, die ursprünglich hart an den
Ecken der Altstadt gelegen hatten und auch jetzt noch
gewisse Sonderrechte genossen, obwohl sie äußerlich
völlig in der Stadt aufgegangen waren. Eines
Tages kam der Sohn des Besitzers heim, um Abschied
von seinen Eltern zu nehmen. Er ließ ihnen
einen mächtigen schwarzen Neufundländer da, der
seinem Namen „Treu“ alle Ehre machte; wochenlang
heulte er Nacht für Nacht nach seinem Herrn, und
am Tage lag er traurig vor seiner Hütte, wenn wir
Kinder uns nicht mit und auf ihm herumbalgten.
Die ersten Nachrichten vom Kriegsschauplatz: die
Franzosen haben Saarbrücken besetzt!! Jammernd
standen die Nachbarinnen zusammen, und die Kinder
im Kreise um sie. Aber bald kamen Siegesbotschaften,
und die bange Sorge wich froher Zuversicht.
Da stürzte eines Morgens unsere Hauswirtin —
ich seh' sie noch vor mir — zu meiner Mutter in
die Küche mit wirrem Haar und verzerrten Zügen
und schrie wie von Sinnen, daß wir Kinder uns
ängstlich hinausdrückten: ihr Einziger war bei St.
Privat gefallen. Darum hatte auch, so wurde uns
gesagt oder so sagten wir uns selbst, sein „Treu“
in der letzten Zeit so besonders anhaltend und
kläglich geheult. Bald wurden nun aus dieser, bald
aus jener Familie (man kannte sie in dem lleinen
Städtchen ja alle) ein Verwundeter, ein Toter gemeldet.
Aber wir Kinder lebten ja in dem glückeigentlich
„einen dummen Streich machen“ oder „stch
dumm stellen““ es wird aber von den Deuttschen
beim Spiel in der Bedeutung „zum Dummen machen“
gebraucht, so wie bete auch die Strafe bezeichnet,
die „der Dumme“ zu zahlen hat. — Wer
kennt obiges Lied vollständig?