3
rath von Nachrichten erlaubt hier, so ganz ins Einzelne zu
gehen, und gerade hieraus entspringt der sicherste Unterricht.
Man kann zwar in mancher Ruͤcksicht mit Recht sagen,
daß Kirchengeschichte von dieser Seite betrachtet nichts
anders sey, als ein langes Klagelied über Schwäche und
Verderbtheit des menschlichen Geistes: aber der Unglaubige
und Aberglallbige des siebzehnten Jahrhunderts handelt doch
ganz anders als sein Namensbruder im zwölften und drei,
zehnten Jahrhundert, und wie undankbar würde es seyn,
die großen Fortschritte nicht bemerken zu wollen, welche die
Manschheit wirklich auch hierinn gethan hat.
. 4.
Die Christliche Kirchengeschichte ist eine
Art von Univer salhistoric. Ihr Gegenstand sind
Nationen von den verschiedensten Sprachen und Verfassungen,
welche einander vielleicht sonst kaum in einem andern
Gesichtspunkte berühren als in der Historie der Chrlstlichen
Kirche. Der Begriff einer Universalhistorie bringt es aber
schon mit sich, nicht mit einer gewissen Vorliebe
eine oder die andere Nation gleichsam zur herrschenden
zu machen. Man wird sich also in der Geschichte
des mittlern Zeitalters sehr hüren müssen, die Kirchengeschichte
nicht in eine bloße Geschichte der Päbste und ihrer
Mißhandlungen Teutschlands zu verwandlen. Zwar wird,
ohne Schaden für das Ganze, die Geschichte von Teutschland,
Frankreich und Italien meistens als der Mittelpunkt betrachtet
werden können; aber oft doch nur wegen des größern Interesse
des einheimischen und wegen leichterer Erinnerung der
Begebenheiten, welche am besten in eine sonst schon bekannte
Geschichte eingeflochten werden. Die schwerste Kunst des
pragmatischen Kirchengeschichtschreibers ist, die Abwechslung
"% 1