1. Der Staat des Deutschen Ordens in Preußen. 1#3
Burg Kulm wieder aufzubauen, schenkte er ihm einen Teil des
Kulmer Landes, 23 Burgen nebst den zugehörigen Dörfern, mit
allen herzoglichen Rechten und fügte dann noch 100 Dörfer und
Güter hinzu mit allem, was ihm selbst in jenem Gebiete gehörte.
Auch verzichtete auf des Herzogs Bitten der Bischof und
das Kapitel von Plock zu gunsten Christians auf alle Güter
und Rechte im Kulmer Lande. Christian gewann also für die
eine Burg eine umfängliche Territorialherrschaft. Auch sollte
von dem Ertrage der in anderem Eigentum verbleibenden Güter
daselbst ihm in Zukunft ein Teil zufallen. Doch thaten von
den benachbarten Fürsten und Großen manche Christian geflissentlich
Abbruch, indem sie die Heiden heimlich aufreizten.
Außerdem mischte sich im März 1224 Kaiser Friedrich II. ein,
indem er die neubekehrten Preußen unter Bestätigung ihres
Besitzes, ihrer Rechte und Freiheiten, von jeder anderen fürstlichen
Hoheit erimiert, den freien Unterthanen des Reiches
gleichstellte, so daß sie nur diesem und der römischen Kirche
gehorchen sollten. Dagegen erklärte Papst Honorius III. durch
eine Bulle vom 3. Jannar 1225, sie seien allein Christus und
der römischen Kirche Gehorsam schuldig. Gewinn aus diesem
Streit der höchsten Gewalten hatten natürlich nur die Preußen.
So sah Bischof Christian bald seine Erfolge gefährdet. Da
errichtete er, wiederum nach dem Vorbild des Schwertbrüderordens,
den der Rigaer Bischof zur Bekämpfung der Heiden
gestiftet hatte, einen geistlichen Ritterorden. Nach der Burg
Dobrin benannt und bestimmt, Masowien zu schützen, wurde
dieser auch von Herzog Konrad und dem Bischof von Plock mit
Land beschenkt und erhielt wie die älteren Genossenschaften der
Art das Recht, Kirchen zu bauen, Pfarrer zu ernennen und
vom Zehnten freie deutsche Kolonisten anzusiedeln.
Wie co nun aber kam, daß Herzog Konrad um dieselbe
Zeit auch den Deutschen Orden herbeirief, vermögen wir nicht
zu sagen. Nach dem Mißgeschick, das er eben im Burzenlande
erfahren hatte, ging Hermann von Salza gern auf den Antrag
ein, sobald er durch ausge sandte Ordensbrüder von den Verhältnissen
des Landes einige Kunde erhalten hatte. Mit dem
Herzog war er schnell einig; auch Bischof Christian machte keine