Full text : Der Weltkrieg. I. Band. (1)

Die  Etappen  zum  Weltkrieg

 

wirklich  unter  allen  Umständen  den  Frieden  durchhalten
wolle.  Ich  antwortete,  nach  meiner  Überzeugung  wollten
in  Deutschland  alle  verantwortlichen  Leute  ernsthaft  den
Frieden.  Graf  Berchtold  entgegnete,  mit  einem  sehr  ernsten
Hinweis  auf  die  immer  stärkere  Zuspitzung  der  Gefahr,
dıe  der  Monarchie  und  damit  dem  Deutschtum  vom  Südosten
  her  drohe:  er  besorge,  daß  auf  die  Dauer  die  große
Auseinandersetzung  zwischen  Germanen  und  Slawen  sich
nicht  werde  vermeiden  lassen.  Ich  erinnerte  an  Bismarcks
Wort,  daß  man  der  Vorsehung  nicht  in  die  Karten  sehen
könne;  aber  auch  wenn  eine  solche  Auseinandersetzung
sich  als  unvermeidlich  erweisen  sollte,  so  sei  nach  meiner
Ansicht  jedes  Jahr,  in  dem  der  Friede  erhalten  bleibe,  für
Deutschland  gewonnen,  das  fortgesetzt  an  Bevölkerung,
wie  an  wirtschaftlicher  und  finanzieller  Kraft  zunehme.

Es  ist  mir  bei  dieser  Unterhaltung  völlig  klargeworden,  wie
sehr  die  großserbischen  Bestrebungen  in  der  Auffassung
der  Staatsmänner  unseres  österreichisch-ungarischen  Verbündeten
  sich  zu  einer  Lebensgefahr  für  die  Monarchie
zugespitzt  hatten.  Zwar  ist  bald  darauf,  im  März  1913,
der  akute  Konflikt  zwischen  Österreich-Ungarn  und  RußBland
  beigelegt  worden.  Aber  ich  konnte  in  dieser  Beilegung
nur  eine  Atempause  sehen.  Ich  habe  seit  jener  Zeit  die
VorgängeaufdemBalkanmitverdoppelterSorgebeobachtet,
in  der  Überzeugung,  daß  die  Beziehungen  zwischen  Österreich-Ungarn
  und  Serbien  einer  neuen  starken  Belastung
nicht  gewachsen  seien  und  daß  bei  der  Haltung  Rußlands

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