Full text : Preussisches Hebammen-Lehrbuch.

—  193  —

den  Boden,  die  Folge  sein.  Die  Zerrung,  welche  die
Nabelschnur  dabei  erfährt,  kann  in  einzelnen  Fällen  zum
Abreißen  derselben  oder  selbst  auch  zu  einer  Umstülpung
der  Gebärmutter  führen.

Kreißende,  bei  denen  zu  starke  Wehen  vorhanden  sind,
bringe  die  Hebamme  schon  bei  Beginn  der  Geburt  in  die
Seitenlage  und  entziehe  ihnen  alle  Stützen  für  Hände  und
Füße.  Das  Mitpressen  ist  thunlichst  hintanzuhalten  und
der  Damm  frühzeitig  und  sorgfältig  zu  stützen.  Treibt  der
Kopf  rasch  aus  der  Schamspalte  vor,  so  kann  die  Hebamme
durch  Gegendruck  mit  der  Hand  das  Hervorstürzen  des
Kindes  zurückhalten.

8.  269.

Krampfhafte  Wehen  nennt  man  solche,  bei  denen
die  unteren  Teile  der  Gebärmutter  sich  stärker,  als  sie
sollen,  zusammenziehen  und  dadurch  die  austreibende  Wirkung
der  Wehen  hindern.

Krampfhafte  Wehen  sind  sehr  selten  und  die
Hebamme  sei  nicht  leicht  bereit,  solche  als  vorhanden  anzunehmen.
  Wo  sie  sich  finden,  da  ist  in  der  Regel  rohes
und  ungeschicktes  Untersuchen  oder  Ueberanstrengung  der
Kreißenden  die  Schuld.

Meistens  gleicht  sich  diese  fehlerhafte  Zusammenziehung
im  weiteren  Verlaufe  der  Geburt  wieder  aus.  Die  oberen
Teile  der  Gebärmutter  erreichen  dann  wieder  das  ihnen
zukommende  Uebergewicht  und  die  Wehen  kommen  in  ihrer
austreibenden  Kraft  zur  Geltung.  Durch  Auflegen  von
warmen  Tüchern  auf  den  Unterleib  kann  die  Hebamme
diese  bessere  Zusammenziehung  befördern.

Eine  besondere  Art  krampfhafter  Wehen  ist  der  soge-Preußisches

  Hebammen-Lehrbuch.  13