Metadata : Zu Bismarcks Gedächtnis.

J.

Vier  Briefe  ũber  Bismarcks  sorialpolitische  und  volkswirtschaftliche
  Stellung  und  Bedeutung.

1.  Die  Persönlichkeit.

Als  die  Nachricht  von  Friedrichs  des  Großen  Tode  sich  verbreitete,
fragte  ein  schwäbisches  Bäuerlein  naiv:  Wer  wird  denn  nu  aber  künftig
die  Welt  regieren?  Als  der  Telegraph  die  Kunde  von  Bizmarcks  Tode
in  alle  Winkel  der  Erde  trug,  erklärte  die  deutsche  Geschichtsschreibung:
Das  Zeitalter  Bismarcks  geht  zur  Rüste!  Es  ist  beidesmal  der  Ausdruck
  desselben  berechtigten  tiefen  Gefühls  für  den  staatenbildenden,  weltbehertschenden
  Genius.  Aber  während  damals  die  sogenannten  Gebildeten
es  dem  Mann  aus  dem  Volke  überließen,  das  rechte  Wort  zu  sagen,
und  in  thörichter  Selbstüberhebung  sich  kopfüber  in  andere  Wege  und
damit  Jena  entgegenstürzten,  hat  die  höhere  politische  Bildung  und
vielleicht  auch  etwas  die  Entlassung  Bismarcks  vor  acht  Jahren  es  zuwege
  gebracht,  daß  ihn  heute  das  deutsche  Volk  viel  besser  versteht  und
dankbarer  verehrt,  als  unsere  Vorfahren  vor  100  Jahren  dies  Friedrich  II.
gegenüber  thaten.  Freilich  die  abweichenden  Stimmen  und  die  verletzten
Interessen  fehlen  auch  heute  nicht.  Wie  könnten  sie  ganz  im  Chore  der
bewegten,  sich  stets  widersprechenden  öffentlichen  Meinung  der  Welt  und
des  Vaterlandes  sehlen:  Auch  diese  Briefe  wollen  nicht  zu  den  vielen
patriotischen  Hymnen  eine  weitere  jügen,  sie  wollen  gar  nicht  von  Bismarcks
  eigentlicher  Größe,  von  dem  Wiederhersteller  des  deutschen  Vaterlandes
  und  der  deutschen  Macht  reden,  sondern  wollen  nur  versuchen,
seine  socialpolitische  und  volkswirtschaftliche  Stellung  und  Bedeutung
kurz  zu  charakterisieren,  wie  es  diesen  Blättern  geziemt  und  wie  ich  ohne
besondere  Vorbereitung  und  eingehende  Studien  vermöge  meines  Berufes
und  meiner  Lebenserfahrung  wagen  darf,  meine  schwache  Stimme  zu
erheben.  Ich  glaube  Bismarck,  seine  Person,  seine  Anfichten  und  Thaten