Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Einundzwanzigster Jahrgang. 1893. (21)

Ausfall  vom  21.  Dezember.  287

und  eröffnete  dann  ein  so  vernichtendes  Schnellfeuer,  daß  die  Fran—
zosen  eiligst  kehrt  machten.  Stains  wurde  nicht  gefährdet.

Seit  dem  frühen  Morgen  war  auch  gegen  die  Posizionen  der
Garde  ein  wüthendes  Feuer  aus  den  schwersten  Geschützen  unterhalten
worden.  Ununterbrochen  wurden  riesige  Granaten  geworfen,  das
Gedonner,  welches  das  Platzen  derselben  begleitete,  war  so  ungeheuer,
daß  bei  einigen  Soldaten  der  Glaube  entstand,  es  fänden  Spren—
gungen  von  Minen  statt.  Bei  der  großen  Entfernung,  aus  welcher
die  Projektile  geworfen  wurden,  richteten  sie  nur  wenig  Schaden  an.
Gefährlicher  wurden  10  französische  Feld=  und  3  Mitrailleusenbatterien,
welche  nördlich  von  Drancy  aufsgestellt  waren  und  ein  starkes  Feuer
unterhielten,  von  welchem  auch  die  Reserven  der  Garde  berührt
wurden.  Gegen  sie  gingen  6  preußische  Batterien  bis  auf  2000  Schritt
heran,  und  brachten  kurz  nach  Mittag  die  französischen  Batterien
völlig  zum  Schweigen.  Als  der  Abend  dämmerte,  schwieg  der  Kampf
auf  allen  Punkten  und  die  preußische  Garde  stand  genau  in  ihren
alten  Stellungen.

Ohne  Zweck  waren  wieder  eine  nicht  unbedeutende  Anzahl  Soldaten
  gefallen,  das  geflossene  Blut  mußte  allein  den  verstockten  Führern
  in  Paris  zur  Last  gelegt  werden,  welche  den  schweren,  patriotischen
  Muth  nicht  besaßen,  die  bittere  Wahrheit  zu  erkennen  und  bekannt
  zu  machen,  und  die  sich  verächtliche  Popularität  und  leichten
Ruhm  damit  erwarben,  daß  sie  den  Gelüsten  einer  irregeleiteten
Menge  bis  zum  letzten  Augenblicke  fröhnten.  Das  Ziel,  welches  die
französische  Eitelkeit  sich  setzte,  die  Bewunderung  von  Europa  zu  erregen,
  wurde  nicht  erreicht,  und  unter  den  entsetzlichsten  Opfern  verblutete
  Frankreich  im  Selbstmorde  ohne  Ehre  und  ohne  Ruhm.

Solche  Gesinnungen  der  französischen  Führer,  die  immer  wiederholten
  Opfer,  welche  deutsche  Truppen  der  Eitelkeit  der  Machthaber
in  Paris  zu  bringen  genöthigt  wurden,  forderten  endlich  auch  auf
deutscher  Seite  den  schonungslosesten  Ernst  heraus.  Von  einem
Bombardement  der  belagerten  Hauptstadt  hatte  der  milde  Sinn  des
Königs  Wilhelm  bisher  Abstand  genommen,  nach  dem  Ausfall  vom
21.  Dezember  aber  befahl  der  König,  das  Bombardement,  zu  dem