400 Fünftes Buch. Der Zusammenbruch.
getreten wie damals. Eine Darstellung der Schlacht bei Auerstädt,
die er gleich danach aufsetzte, überrascht durch Ruhe und
Objektivität. Er behandelt die Vorgänge, die das Schicksal
seines Staates entschieden, wie ihm ganz fremde, mit einem
an Apathie grenzenden Gleichmut. Er beweist dabei treffendes
Urteil, tröstet sich aber schließlich: „Also brav ist man doch
im ganzen, gottlob, gewesen, allein nicht glücklich.“ Damit
war für ihn die Sache erledigt. Der Krieg, zu dem ihn die
Verhältnisse genötigt, hatte sich als verfehlt erwiesen: also gab
er ihn auf und kehrte zu der so ungern verlassenen Politik
des Friedens und der Freundschaft mit Frankreich zurück. Hatte
er doch am Morgen des 14. endlich eine vom 12. aus dem
Lager bei Gera datierte Antwort auf das am 27. September
an Napoleon gerichtete Schreiben (S. 394) erhalten. Seine
Niederlage, hieß es darin, sei unabwendbar: noch aber könne
er ungeschlagen seinem Range gebührend verhandeln. Er sei
irre geleitet: noch könne er seine Unterthanen vor den Schrecken
des Krieges bewahren und sich den Dank Europas verdienen.
Solche Worte fanden bei ihm jetzt vollends ein offenes Ohr.
Es war ihm aus der Seele gesprochen, wenn der Kaiser Menschenblut
zu sparen wünschte. Es traf den Kern seiner politischen
Ueberzeugung, wenn jener erklärte, seiner geographischen
Lage nach brauche Preußen nicht Frankreichs Feind zu sein.
Noch am 15. Oktober schrieb er an den Kaiser und erbat einen
Waffenstillstand und Mitteilung der Friedensbedingungen: er
wolle allem zustimmen, was ihn mit dem Kaiser dauernd vereinigen
könne. Jenes Seelenadel und Loyalität bürge ihm
dafür, es werde nichts gegen seine Ehre und die Sicherheit seiner
Staaten verlangt werden. So blieb er in dem Streben nach
Freundschaft mit Frankreich und aus Abneigung auch gegen
den gerechtesten Krieg in der Beurteilung Napoleons ein unverbesserlicher
Optimist. Furchtbar sollten ihn die nächsten Wochen
über dessen wahren Charakter aufklären!
Wie dieser die Bedeutung des Doppelsieges übersah,
schweiften seine Pläne alsbald ins Ungemessene. Alle diesseits
der Weichsel gelegenen Lande sollte Preußen verlieren und
110 Millionen Franken Kriegsstenern zahlen. Sachsen zog er