gegen ins Zeug. Sie nannten es eine dreiste Unwahrheit, daß
nach dem Rücktritt Bismarcks eine Wandlung der deutsch-englischen
Beziehungen erforderlich gewesen wäre, vielmehr wäre seit dem
Amtsantritt Lord Salisburys stets ein von beiden Seiten diskret
und erfolgreich gepflegtes Einvernehmen vorhanden gewesen. Auch
bei der Kritik des Helgolandvertrags hielt Bismarck an dem
Grundsatz fest, daß das Bestreben, mit England auf gutem Fuß
zu bleiben, billigenswert sei.
Auf zehn Bismarckartikel über Rußland kam ungefähr einer
irber England. Zum Teil erklärt sich das daraus, daß Bismarck,
wie die Hamburger Nachrichten bezeugten, an der Festigkeit der
englischen Freundschaft, solange Lord Salisbury im Amte war,
keinen Zweifel hegte. Das Vertrauen war hier ebenso wie beim
Rückversicherungsvertrag ganz auf die maßgebende Person gestellt.
Andere Klänge aus dem Sachsenwalde vernahm man erst zur Zeit
des Krügertelegramms. Die Explosion, die die kaiserliche Glückwunschdepesche
an den Präsidenten der Burenrepublik verursachte,
war dem Fürsten Bismarck überraschend. Sein Hamburger Organ
wollte sich kaum eines Ereignisses aus neuerer Zeit eriunern,
durch das die Unehrlichkeit der englischen Presse so festgenagelt
worden wäre wie in dem zornigen Ausbruch gegen das Telegramm,
in dem der Deutsche Kaiser doch, „genau betrachtet“, nur der sittlichen
Entrüstung der englischen Regierung über den räuberischen
Einbruch in Transvaal den Beistand seiner europäischen
Autorität leistete. „Die russische Politik hat ja auch ihre Strebsamkeiten,
aber ohne christliche Heuchelei und mit geschickterer Beachtung
der äußeren Formen.“
Ende Januar 1896 kam dann noch ein langes Register von
englischen Unfreundlichkeiten gegen Deutschland aus der Vergangenheit,
von der Zeit des Siebenjährigen Krieges ab und seit
dem Wiener Kongresse, hinzu. Das Hamburger Organ stimmte
damit ganz, ohne die sonst gegenüber dem Kabinett Salisbury
beobachtete Schonung, in den allgemeinen Chor der deutschen Presse
wider England ein. Die schon vorhandene Anglophobie in der
deutschen Offentlichkeit nahm nun erst recht zu und unterstützte die
alte Mahnung, nur in der Freundschaft mit Rußland das Heil
gegen den Druck auf die Mitte zu suchen.
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