Metadata : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

Sechstes  Buch.

Erniedrigung  und  Wiedergeburk.
1806—1312.

I.  Der  Friedr  zu  Tilsit.
21.  Movember  1806  —  12.  Juli  1807.

Die  Entscheidung,  die  am  21.  November  1806  in  Osterode
fiel,  eröffnete  eine  neue  Epoche  in  der  preußischen  Geschichte.
Sie  löste  den  Bann,  der  bisher  auf  dem  Fridericianischen  Staate
gelegen  und  ihn  zu  einem  Schatten  feiner  selbst  gemacht  hatte,
bis  ein  Zusammenbruch  sondergleichen  die  Lüge  seines  Daseins
offenbarte.  Die  Franzosenfreunde,  die  Anbeter  des  Erfolges,
die  Friedensschwärmer,  alle  Halben  und  Faulen  fahen  ihre
Hoffnungen  getäuscht.  Der  kleine  Kreis  der  Patrioten  mit  militärischem
  Ehrgefühl  und  politischem  Sinn  durfte  hoffen,  nun
doch  noch  durchzudringen  und  durch  eine  große  Anstrengung  die
Zukunft  zu  retten.  Nur  lag  für  einen  folchen  Fortgang  in
der  Persönlichkeit  des  Königs  keine  Gewähr.  Ihn  zu  sichern,
galt  es  den  augenblicklich  gebrochenen  Einfluß  der  Männer
dauernd  zu  beseitigen,  die,  am  Amte  hängend  und  ohne  den
Mut  einer  eigenen  Meinung,  ihm  immer  zum  Munde  geredet
hatten.  Dazu  mußte  die  Geschäftsführung  an  der  obersten
Stelle  im  Staate  so  gestaltet  werden,  daß  die  Ansichten  der
wirklich  Sachkundigen  auch  bis  zu  ihr  durchdrangen  und  gewissenhafter
  Prüfung  sicher  waren.  Es  galt  das  Kabinett  zu
beseitigen  und  durch  eine  wirklich  staatliche  Instanz  zu  ersetzen.
So  führte  die  Krisis  der  auswärtigen  Politik  sofort  zu  einer
solchen  der  inneren.  Hatte  jene  der  König  persönlich  hervor-