Full text: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Gespanntes Verhältniß der Großmächte. 351 
wisse Bedingungen vorbehielt. Spanien wollte seinen ganzen Einfluß 
anwenden, daß Don Carlos zum römischen Könige gewählt würde. — 
Ungeachtet dies Bündniß sehr geheim gehalten wurde, war es doch 
England und Frankreich bekannt geworden und wie immer in solchen 
Fällen noch gefahrdrohender geschildert, als es wirklich war. Nament- 
lich wurde England in hohem Grade aufgeregt, da man wissen wollte, 
daß auch die Zurückführung des Prätendenten nach England beabsich- 
igt würde. 
Dadurch fand sich König Georg I. veranlaßt, sich enger an 
Frankreich anzuschließen, und zugleich suchte er seinen Schwiegersohn, 
den König Friedrich Wilhelm, in dies Bündniß hineinzuziehen, da 
man die Wichtigkeit Preußens vollkommen würdigte. Als deshalb 
Friedrich Wihelm 1725 seinen Schwiegervater in Herrenhausen (bei 
Hannover) besuchte, wurden die desfallsigen Verhandlungen angeknüpft, 
und viele Umstände machten den König geneigt, in dies Bündniß ein- 
zutreten. Er fühlte sich insbesondere zur Aufrechterhaltung des Pro- 
testantismus in Deutschland verpflichtet, der durch jenes spanisch- 
österreichische Bündniß, wie man sagte, in hohem Grade bedroht sein 
sollte. Bei den Streitigkeiten Preußens mit der Aebtissin von Qued- 
linburg, wegen Limburg rc. hatte der Kaiser entschieden Partei gegen 
den König genommen und ihm nicht geringe Kränkung zugefügt. Die 
Gespanntheit zwischen dem kaiserlichen und dem preußischen Hofe ließ über- 
dies befürchten, daß die Ansprüche Preußens auf die Jülich'sche Erb- 
schaft vom Kaiser nicht anerkannt werden würden, und gerade damals 
war diese Angelegenheit von großer Wichtigkeit geworden. Der regie- 
rende Kurfürst von der Pfalz nämlich war voraussichlich der letzte 
aus der Linie Pfalz-Neuburg, da er keine Söhne hatte und seine 
Brüder bejahrt und geistlichen Standes waren. Er war deshalb 
gewillt, seinem Schwiegersohn Joseph Karl Emanuel aus der nächst 
verwandten Linie Pfalz-Sulzbach nicht nur die Kurpfalz als Erbtheil 
zu hinterlassen, sondern auch den pfälzischen Antheil an der Jülich'schen 
Erbschaft. Hiergegen protestirte Friedrich Wilhelm ganz entschieden, 
da er behauptete, nur an Pfalz-Neuburg habe Brandenburg einen 
Theil der Jülich'schen Lande abgetreten; nach dem Absterben dieser 
Linie müsse dieser Theil an Preußen fallen. Dieser Auffassungsweise 
war König Georg I. schon 1723 im Vertrage zu Charlotten- 
burg beigetreten; er hatte das bestimmte Versprechen gegeben, nicht 
zu dulden, daß Preußen beim Aussterben der Neuburger Linie Unrecht 
angethan würde, und auch Frankreich zeigte sich zu ähnlicher Erklärung 
geneigt. Dazu kam endlich noch, daß die Königin Sophia Dorothea 
emsig darauf hinarbeitete, durch Wechselheirath eine neue enge Ver- 
bindung zwischen der englischen und preußischen Königsfamilie zu 
Stande zu bringen. Kurz alle diese Umstande bewogen Friedrich 
Wilhelm, am 3. September 1725 zu Herrenhausen ein Bünd- 
niß, zunächst auf 15 Jahre, mit England und Frankreich abzuschließen. 
Die Verbündeten gewährleisteten sich gegenseitig ihre Besitzungen und 
Rechte; sie verpflichteten sich zu gegenseitigem Beistand, falls einer