262 Geschlechtsleben.
wenigsten störende Schutzmittel bleibt dann also wohl das Schutzhütchen zum
vorübergehenden Gebrauch.
Als ein „natürliches“ Schutzverfahren wird seit einigen Jahren die künstliche
Verlängerung der Stillungsperiode angepriesen. Die Erfahrung hat
erwiesen, daß bei stärkerem Zufluß des Blutes zu den Brüsten und bei
Füllung der Milchdrüsen die Menstruation ausbleibt. Die Ausstoßung der
Eizellen unterbleibt in solchen Fällen meist auch, und es kann daher keine
neue Befruchtung eintreten. Durch Suggestion und Massage der Brüste,
sowie durch tägliches Saungen an den Brustwarzen kann sogar bei Frauen,
die nicht soeben ein Wochenbett überstanden haben, ein so starker Säftezufluß
zu den Brüsten entstehen, daß sich Milch einstellt und die Menstruation aussetzt.
Saugt man die Brüste täglich gründlich aus, so kann man die Milchperiode
beliebig lang ausdehnen. Das Allgemeinbefinden der Frauen soll sich dabei
wesentlich heben und das Liebesleben der Gatten verschönern. Das hat viel
Bestechendes für sich, allein der Gesundheitszustand mancher Frau wird dieses
Verfahren recht oft unmöglich machen, und dann wird die jahrelange Ausdehnung
dieser künstlichen Milchperiode auch beschwerlich werden. Ob sie
nicht schließlich auch zu krankhaften Reizzuständen der Milchdrüsen führt,
muß erst noch abgewartet werden. Diejenigen schwächlichen Frauen aber,
die das Stillen überhaupt nicht ertragen, oder schon nach zwei bis drei
Monaten die Menstruation wieder bekommen, oder schmerzhafte Zusammenziehungen
des Uterus haben, wenn die Brustwarzen gereizt werden, diese
sind hier ganz auszuschalten, für diese bleiben daher die vorher besprochenen
Schützmittel in voller Gültigkeit.
Von Frauenärzten werden neuerdings auch Behandlung der Hoden
durch Röntgenstrahlen und Bestrahlung der Ovarien mit Radium empfohlen,
sowie Unterbindung der Eileiter, um Unfruchtbarkeit zu erzielen. Daß solche
Verfahren viele Gefahren und große Unsicherheit in sich bergen, wenn man
radikales Vorgehen scheut, wird man uns gerne glauben.
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