Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

lieferte  er  die  von  seinen  zahlreichen  Helfern  aufcelauften
  Waren  an  den  Lebensmittelhändler
Stolle  in  Potschappel,  spüter  an  Becker  in
Schwelm.  Eine  Erlauknis  zum  Lebensmittelhandel
  Hatte  er  natürlich  nickt;  seine  Wohnung  haite
Metzler  ständig  im  Hotel  Mettopol.  von  wo  aus
er  samtliche  Geschäste  fast  ein  Jahr  lang  erledigte
und  bale#i  das  Leben  eines  reichen  Mannes  führ-1.
  T  Der  Wert  der  ron  ihm  nach  Norddeutschland
clieferten  Waren  beläuft  sich  am  ctwa  250  000
Mot:  uner  Anklage  slehen  indes  nur  Geschäfte
im  Vetroge  von  100000  Mi.  Gehandelt  wurde
zut  allen  erde  ullichen  und  erreichbaren  Lebenemitlein.
  Welcke  Summen  bei  den  Schiebereien
rerdient  murden,  ergit!  sich  daraus,  dZar  dem
Meler  lei  seiner  Verhaftung  noch  28  0  u)  Mi.
algenemmen  werden  lonnten,  und  daß  !  an
seine  Unterhändler  und  Zulringer  gioße  Beiräge
  zallleu  museie.

Prenner  Urtrieb  die  Geschäfte  ebenfolls  in
erroem  Umsange,  obwohl  auch  er  zum  Handel
leine  Crlaulnis  Dalte;  er  verdiente  in  wenigen
Monaten  21  70  :  MI.  Unter  amerem  hatte
er  ron  der  Münchener  L.  V.  G.  20.,  Zenlner
amerikanicches  Schmeineschmalz  um  29#0  Ml.  für
den  Jentner  he  egen  und  um  30:)  Mk.  weiter-Zerkaust.
  Durch  eine  Agenten  liei  er  „Spartanersuppe“
  herzlen,  momn  er  Geritengrütze,
Maisgries.  und  Dörrgemüse  in  grosen  Mengen
#eferle,  sich  dafür  Lohe  Preise  und  jür  den  JZent-Suppenwürfel
  noch  7.50  Ml.  Vergütung
abien  lief.  Eine  der  Hauptschuldigen  in  ferner
die  Schweinemeßgersstau  Katharina  Schmid-Iuer,
  die  an  Mentler  für  elwa  60  600  Mi.  lieierte
  und  zwar  mariemos  Fleisch  und  Wurstwaren,
  sowie  grobe  Mengen  Mehl,  Teigwaren,
Ceflügel  u.  Marmelade;  die  Schmidbauer  hatle
in  turzer  Zeit  einen  Reingewinn  von  14  585  Mk.
Wa#s-Die

  W  Verg  volderswitme  und
Audrae  baltedgem  Metzler  als  #  ermieierin
iur  etwa  2  /%  M.  Mehl.  Griel  Sago,  Marneiade,

  Samierteise  u.  u.  unter  ethellicher  Verhkruen.
  und  einem  Reingewinn  von  13011  Mk.=uçLebrad,In
  gleicher  Weise  lieferten  an  den
Mesßler  u  bedeulender  Ueberjchreitung  der
Freise  der  Kaufmann  Hans  Hemmeter  Wurst;
waren.  Speck  und  Käse  im  Vetrage  von  etwa
1060  Mtk.,  der  Molermeisior  Andreas  Kamof
und  seine  Frau,  die  Kaiontalwareichändlerin
CElise  Kämpf.  grotMengen  Mehll  und  Hülfsenrüchte
  und  der  Mengermeiner  Andrege  Egen
Rauchfieisch  und  Wurnwaren  um  den  doppellen
Freis.  Genen  Egen  wird  aber  nichi  rerhandell.
daer  sich  Jurieit  beim  Mit  ilär  beiindet.  Zu  den
znchen  und  Kelicnl  ändlern  gel  rlen  seiner
der  Melter  Anton  Danierl.  der  an  Mehler  und
Andreage  Waren  mit  einem  Nugen  von  eima
!'50%  MlE.  rerkaufte.  die  Metzgersirau  Anna

Dillier,  die  an  Sgen  einen  heniner  Rauchfleisch
um  100.  Mil.  ar  gab,  die  *  **  nialwarenhängierin
Karoline  Geier,  die  an  Vrenner  N  elgerite,
Maemelade,  Teigwaren  lieferte.  und  der  Darmi
  indier  Mar  Trin  *Wl’  der  gleichfalis  an  Brenner
NRauchsteisch.  Schinlen.  Spe  .  Zunnen  und  Fett
narlensrei  und  mit  Uedrerichreitung  der  HSöch'tproiĩe
  lieferte

 

lier

Ländlerin  Anna

 

 

 

Der  Reisende  Paul  Stuarn  war  für  Menzler
und  Vrenner  ale  Vermitltier  und  Auftäufer  tii##g.
  mofür  er  10.:  Mi.  erhielt:  in  gleicher  Weise
Urtatigte  sich  auch  der  Kaufmiann  ZFelo##o
Lammermann.  Ter  Holeiprrlier  Michael  Bach
hojer  war  inmoferne  an  den  Geschäf  ten  botziliat.
als  er  um  die  M  achenichaflen  des  in  jeinem  55.
ie!  wolluenden  Mcct#zler  muse,  ihn  aber  nach
Kräften  unierslützte,  bei  Erledigung  der  Sendun
reint  hulf  und  Lier#ür  re  smittel  und  große
Trinkg  relder  erb  ielt.  r  Lat  dogel  ilje  Hans
EEEIEEIIEIIt
wulte  ron  den  Geĩchaften  Meklers  und  der  falden
  Mezeich  nung  der  Krachlüriefe,  gab  aber
nohdem  die  Güter  des  Wĩezler  nach  Norddeulichiand
  frei,  ohne  seine  Firma  ausmerlsam  zu  machben;
  ausrdem  machte  er  mit  Menter  noch  sehr
gewinnbringende  Karloffelgeschäfte.

Die  Verhandlung,  di:  schon  am  Montag  beuounen
  hät,  dauert  noch  an.

Kosenheimer  Eichepiellheaker.

Jm  Stadtkinematograph  wird  an
den  tommenden  Tagen  ein  Scheufpiel  in  vier
Abteilungen  „Die  Tat  des  braven  Mannes“
##rsichen  Büdern,  seiner  spannenoen  Handvorgefuhrt.
  Der  Film  mit  seiner  Fülle  von
lung  und  dem  in  sieigender  Dramatik  fort-Kofucheien
  Koiflilt  wird  sicher  von  unserem
Publikum  mit  Beifall  aurgenommen  werden.
Die  Handlung.  aus  dem  Leben  gegrifsen,  ist
so  schickfalsreich  und  so  eindrucksvoll  dramatisch
in  den  Hauptseenen,  daß  sich  wohl  niemand  dem
cewaltigen  Eindruck  entziehen  lann,  den  dieser
Film  auf  den  Zuschauer  ausübt.  Das  Programm
  wird  durch  die  neuesten  Aufnahmen“  von
den  Kriegsschauxlätzen  und  ein  dreialtiges  Lust-"piel
  vervollständigt.

Kesianrafion  Harchansel.

Schönster  Ausslugsort
¾¼  Std.  v.  Bad  Aibling  ¼  Std.  v.  Holbermoor.
Kaffee  mit  Kuchen,  Apteiwein.  eigene  Kelterel.
Sremdenzimmer,  Moorbader.
besitzer  Delatron

-

Lei
—

De

 

 

 

1182

 

Lelalus  chcichlen.

Rosenheim,  16.  Juni.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Ceorg  Krempl,  Säger  aus  Nosenheim,  Unteroffisier
  in  einem  preukischen  Inf.  Deg.;  ;  Nilolaus
Vrumer,  Bauerssohn  aus  Surbrunn  bei
Schnaitse.,  Soldat  in  einem  Iuf.  Reg.,  Inha-Ter
  des  Militärverdienstireuzes  3.  Kl.  mit
Schwertern.

Ausreichnungen  im  Felde.  Mit  dem
Cisernen  Kreuz  1.  Kl.  wurde  der  Leutnant  und
Pioniereug  fülrrer  Willi  Jordan  ausgereichnet;
er  ist  lereits  im  Besitz  des  Eisernen  Kreuz:s  2.
Kl.  und  des  Mililärverdienstordens  d.  Kl.  mit
##wertern.  Leutnant  Jordan  steht  seit  Kriegslem
  in  einem  Matrosen-Regiment  in  Flandern
  und  hat  auch  an  den  letzten  heißen  Kämpsen
  teilgenommen.  Er  ist  ein  Sohn  des  Kommeriienrates
  Jordan,  Vorstand  der  Baumwoll.
spinner  ei  Kolkermoor.  Der  Infanterist  Joseph
Daminger  aus  Kiesersfelden,  der  seit  Kriegsbegim
  im  Felde  steht,  wurde  mit  dem  Mililärverdienstlreuz
  3.  Klasse  mit  Schwertern  aus-Lezeichnet.


Die  Auffü  brungen  der  „Rabensteinerin“,
  die  belanmiich  Zu  Gunfsten  der  U-Voots.
  Spende  gegeben  werden,  sind  ron  dem
Cisenbahnunglück  in  Karolinenjeld  in  Mitlei
denichaft  gezogen  worden.  Ein  Teil  des  Personals
  bejand  sich  im  rerunglückten  Ballanzu
Die  anderen  konten  injolge  des  Unglüdks  erst
rerspätet  hier  eimtreffen,  sodaß  die  für  heute
nachmiltags  angesetzte  Schulervorstellung  ausfal-I.
  mus  te;  sie  wird  am  lommenden  Montag,
nachmitlags  &1  Uler,  nachgeb  olt  werden.  Auck.
das  Geräck  der  „Feldgrauen“  ist  infolge  des
Unasücks  noch  ausfländig.  Doch  dürite  es  bis
abende  Uier  eingetroffen  sein,  sodaß  die  Abendorilellung
  heule  stattfinden  wird.  Uleberakt,
wo  die  „Feldgrauen“  mit  ihrer  „Nabensteinerin“
auftraten,  in  Augsburg,  Kempten,  Landeobhut
n#iw,  erieiten  ihre  Aufführungen  die  grötten
rfolge,  sodaß  fast  durchwegs  eine  Nerläng:.
rung  des  Gastipfels  eintreten  mußte.  Wir  hoi
sen,  den  gieichen  Erfolg  auch  in  Rosenheim  ver-Für
  Sonntag  sind  imel  Vornachmitiags

  und  abende:
Vorsftellung

g#eichnen  zu  lönnen.
slellungen  angesetzt,
auch  für  Montagabend  ist  noch  eine
rorgesehen.  "6  1

Strafgefangene  für  Kulturarbeinen.

  Wegen  »des  Mangels  an  Arbeitern  wurden
  schon  im  Jahre  1915  Kriegsgefangene  in
großer  Anzahl  zu  Kulturarbe  iten  verwendei,  wodurch
  der  Lanirtscht.  ein  großer  Dienst  erwiesen
  wurde.  Leider  mußten  jedoch  diese  Arleiten
  allmah-ich  eingeschränlt  werden,  weil
immer  Nierr  AKr#esgefangene  zu  lundwwern

sch  aillichen  Arteiten  abgenellt  werden  mutten
Um  unnn  an  den  dringend  notwendigen  rarbeilen
  weiter  arbeilen  zu  können,  erfolgen  jetzt
Abücllungen  von  Strasg  efangenen.  So  wurde
die  Kriersgesa  ugenei  zunterlunjt  in  Aurach  für
20  weilliche  Strafgejangene  aus  Aichach  eingericil.
  die  vor  einigen  Tagen  dort  e  eimrafen
und  die  Regulierung  der  Auracha  den  Gemeinden
  Fischbachau  und  Schliersee  ausführen.  In
den  nächien  Tagen  wird  die  für  Pürgerlich:
Gesangene  cus  dem  Lager  Traustein  eingerichi#te
  und  jelt  umgebaute  Unterlunft  .  Pavolding
  mit  25  Juchthausgesangenen  aus  Strauhum
  belegt:;  es  handelt  sich  dort  um  die  Re-Lulierung
  der  Ischler  Achen  in  den  (Geme#inde#n
Cagstatl.  Pittenhart  und  Secon.  Auch  bei
Amerang  wurde  die  ursprünglich  für  Kriegsgefangene
  hergestellte  Untertunn  Frieberting  umcebant,
  um  50  weibliche  Strasgesangene  aus
blichach  aufmmnehmen,  die  die  Regulierung  des
Abflusses  des  Ullhammer=  und  Ameranger-Sec
  aus  führen.  Dem  Vernehmen  nach  sollen  im
Herde  nach  Beendigung  ron  jetzt  in  Ausführung
  besindlichen  rordringlichen  Arbeiten  noch
Erôffere  Mengen  von  Strafgesangenen  zu  Kulturarbeiten
  abgestellt  werden.

Mit  der  Einziehung  der  Nickel=  und
Silbermünzen  wird  es  ernst.  Einitweilen
sind  die  Post=  und  Telegraphenanstalten  beaustragt
  worden,  bis  auf  weiteres  Nickelmünzen
auck  über  den  zulässigen  Betrag  von  einer  Mark
in  Zahiung  zu  nehmen  und  angesammelte  Bestände
  von  Silber=  oder  Nickelmünzen  gegen
Reichsbanknoten,  Reichskassenscheine  und  Darlehenskassenscheine
  umzutauschen.

—  Korolinenseld

Der  Balkanzug  entgleist.
Rosenhe#im,  16.  Juni.  Gegen  11  Uhr  ereignete
  sich  heute  bei  Großlarolinenseld  ein
Cisenbahnungluck,  von  dem  der  um  10,37  Uhr
fahrplanmäßig  in  Rosenheim  fällige  Balkanug
  Münchon  Wie##sonstantinopel  betroffcht

wurde.  Soweit  bis  jeht  festiteht,  ilt  dem  Balkon

 

zug  ein  Güterzug  in  der  Nichtung  nach  Rosenheim
  vorausgesabren.  Non  einem  mit  Baumslämmen
  beladenen  Wagen  dieses  Zuges  ging  ein
Stamm  rerloren,  der  sich  auf  den  Bahnkörper
legte.  Als  der  Balkanzug  in  gleicher  Nichtung
daherfuhr,  wurde  der  Stamm  von  der  Lolomotire
  ersaßt  und  ein  Stück  mitgeschleift.  Die
Folge  war,  daß  dann  die  Lokomotive  entgleiste.
Ueder  die  weitere  Wirlung  der  Entgleisung  ist
uns  einstweilen  nur  gemeloct,  daß  die  Lolomotive
  und  der  Packwagen  umstürzte,  während  der
hach  folgende  Personenwagen  stark  zur  Seite
neigl.  Der  Vallanzug  war  gut  besetzi;  Menschenleben
  sind  erfreulicherweise  nicht  zu  bellagen,
doch  sollen  infolge  des  flarken  Ruckes  bei  der
Tutgleisung  Passagiere  Verletzungen  und  Prellungen
  darongetragen  haben.  Das  Unglück  ereignete
  sich  in  der  Station  Karolinenfeld.

Wie  wir  weiter  noch  ersahren.  ist  es  nur  der
Weistesgegenwart  des  Lolomotir  Iührer:  des
BValianzues  zu  rerdanten,  daß  das  Unglück
nicht  schlimmere  Gilgen  angenommen  hoet.
In  letzter  Minute  bemerlle  er  den  Baumilamm,
und  er  lennte  dann  den  Zug  noch  bremsen  lassen.
  Durch  den  scharsen  Ruck  wurde  jedoch  die
Maschine  umgeworsen.  Leider  in  der  Soiomolirführer
  rersetzt.  Er  erlitt  einen  Armbuch  und.
Verictzungen  an  einem  Bein.  Eine  an  Ort  und
Stelle  zu  Gunsien  des  waderen  Mannes  uler
den  Passagieren  r#anstaltel:  Sammilung  erzab
den  Belra.  von  etwa  601½  Marl.  Im  Zuge  dejand
  sich  auch  ein  Teil  der  „Feldgrauen“,  welche
  in  Rosenheim  bei  der  Auführung  der  .,„##„
bens.einerin“  milwilen.  Glücklicherweise  fino  die
Passagiere  alle  mit  heiler  Haut  davongel##  #imen,
  dock  il  der  Materialschaden  ziemlich  qro.
Der  Buumamm,  der  da  Unglück  verschulecte,
ilir  zte  eimm  30½  Meier  an####lM
au:  das  Celzis  und  wurde  dann  vom  Aschenia
iten  der  Loiomotire  bis  in  die  Stalion  Kar?)
linenseld  mitgeschlerpt.  Dort  llemmte  sich  der
Stamm  fesi.  Trotz  des  Bremsens  und  der  Cutisung
  der  Maschine  fulhr  der  Zug  noch  etwa
60)  Meter  weiter;  ingolgedessen  wurden  zwei

—

 
 
 
 

  

—

Weichen  röllig  zerstört  und  die  narken  Schwellen

  dürchschlagen.

Diese  Mitteilungen  über  das  Eisenbahn-Unelnd
  konnten  wir  von  privater  Seile  erfahren,
U.  u.  auch  von  einem  Mitreisenden  des  Ballan.
ure.  Die  Tincill#silen  seien  indessen  roreril  mit
Vorlehan  wiedergegeben.  Ein  amtlicher  Be
richt  lag  und  bei  Nedattionsschluß  noch  nicht
vor.

 

Muf#k  und  Thealer

Die  Rabensteinerin.
Zum  Gaüspiel  der  „Feldgrauen“  in  Rosenheim.
Im  Jabre  1007,  zwmei  Jahre  vor  seinem  Hinicheiden.

  vollendeie  Wildenbruch  „Die  Nabensleinerin“.
  Jehl  erleben  wir  ihre  Auffuhrung  in

Nosenkeim,  zu  Gunsten  der  U-Boot-Spende.
Die  Handlung  liegt  im  16.  Jahrhundert.  Hilpold

  Jeronimus,  der  Rilier  von  Rabenstein,
I  aun  mitl  seiner  Tochter  Bersabe  auf  Burg
Waldiein.  Er  isl  ein  Kind  seiner  Zeil,  ein

Schnapphahn,  der  den  vorüberziebenden  Kaufleuzen
  und  sonftigen  Reisenden  die  Taschen  leert.
Für  iln,  wie  für  alle  seinesgleichen  in  eine
schmere  Zeit  angebrochen.  In  den  Slädten  bat
man  es  gelernt,  „die  Kartaunen,  die  Böllische!
Dinger“  zu  gieß  en.  mit  denen  Fürsten  u.  Eiabi
die  Raubburgen  der  Niller  brechen:  „Die  Furiten
  ron  oben,  von  unten  die  Städte  wie  zuei
Müllsleine  mallt  das  aufeinander.  Wir  Ritterbürtigen
  dazwischen,  wir  sind  das  Korn,  das
zerrieben  wird!“  meint  der  alte  Nabensteiner
düsleren  Sinnes.  Bersabe,  das  echte  Wildenbruchsche
  Prachtmädel,  sucht  ihm  die  Schatten
von  der  Stirn  zu  scheuchen.  Heute  gibt's  wieder
einen  Zug,  der  reiche  Benle  verspricht;  ein
Späler  hat  die  Nachricht  gebracht,  daß  einer
der  reichen  Augsburger  Welser,  Barkolme  Welser
  (der  junge)  seiner  Braut,  der  Ursula  Melber
aus  Nürnberg,  emgegenzieht.  Sein  Weg  muß
ihn  an  der  Rabensteinerburg  vorbeiführen.
Vergeblich  such!  Dietburg  von  Agawang,  des
Ritters  Schwester,  den  alten  Rabensteiner  vom
Zug  zurüclzuhallen.  Sie  erwartet  Unheil  von  dewm.
Zug  und  behält  recht.  Der  junge  Welser  will!
sich  nich:  gutwillig  seiner  Konbarlejten  berauben
lassen.  Zwar  schlägt  ihn  der  alte  Nabensteine:
noch  zu  Boden,  aber  nicht,  ohne  selbst  eine
schwere  lödliche  Wunde  davonzutragen.  Der
junge  Welser  wird  bewußtlos  in  die  Burg  geschafft,
  wo#  Jungser  Bersabe  sich  in  ihn  verliebt,
  und  der  junge  Welser,  der  in  seinem  getrübten
  Bewußtsein  in  ihr  seine  Braut  zu  sehen
vermeint,  verrät  Gegenliebe.  fiae  die  Nürnberger
  sind  kurze  Zeit  nach  dem  K  auf  dem
Pla#  enigetroffen,  und  Ursula  Melber,  die  den
schwerverletzten  Bräutigam  auf  der  Nabensteinerburg

  trifft,  glaubt  nicht  allzu  sehr  an  die  Geschichte,
  daßh  die  Burginsassen  an  dem  Ueberfall

unschuldig  seien  und  läßt  den  Schwerverletzten
nach  Augsburg  schaffen.

Der  2.  Alt  spielt  im  Hause  der  Welser  in
Augoburg.  Der  alte  Barlolme  Welser  hat  es
durchgesetzt,  daß  die  Augsburger  ausziehen  werden,
  um  das  Raubnest,  den  Waldstein,  zu
brechen.  Der  junge  Welser  ist  als  Feldhauptmann
  bestimmt.  Da  lommt  Bersabe,  um  das
von  ihrem  an  seiner  Wunde  geslorbenen  Vater
geraubte  lostbare  Schmuckstück  dem  Eigentümer.
dem  jungen  Welser,  zurückzubringen.  Ursula,
an  dem  Schmuck  mehr  liegt,  als  an  der  Liebe
ilres  Werlobten,  schmäht  in  hämischem  Haß  die
Tochter  des  Schnapphahns,  und  wird  von  ihrem
  Verlobten  zurechtgewiesen.  Bersabe  nimmt
die  Kunde,  daß  der  Wrtailin-  gebrochen  werden
soll,  mit  Trotz  auf.  Als  der  alte  Welser  sie  als
Gefangene  zurückkalten  will,  tritt  ihm  sein  Sohn
entgegen,  der  sich  als  Feldhauptmann  nicht  eineso
  billigen  Sieges  erfreuen  will.  Jungser  Ursula
aber  bedingt  sich  aus,  auf  der  Rückreise  nach
Nürnberg  sich  die  Bezwingung  der  Raubburg
anzusehen.  Ihr  Verlobter  lann  sie  nicht  hindern,
aber  er  rief  ihr  zu:  „Wen  es  lüstet  nach  solchem
Schauspiel  hindern  tann  ich  ihn  nicht.  Eines
aber  sei  im  gesagt:  wenn  der  Waldstein  zerbricht,
  und  das,  mas  in  dem  Waldstein  ist
lam  sein  noch  etwas  anderes  geht  daun  in
Stücke!  Noch  etwas  anderes!“

Im  drilien  Akt  zerbricht  der  junge  Welser  den
Waldislein.  Bevor  ihm  dies  gelingt,  hat  aber
Versabe  die  verhafte  Nelenluhlerin  durchs  Fen  :
sier  an  der  Seite  des  Geliebien  erblidt  und  sie
mit  der  Armbrutit  erschossen.  Sie  gibt  sich  dem
jungen  Welser  gefangen.  Als  die  Nürnberger  sie
als  Gefangene  für  Nürnberg  begehren,  schlägt  es
ihnen  der  Feldhauptmann  ab;  nach  Augsburger
Recht  soll  die  Mörderin  gerichtet  werden.

Vierter  Alt:  Bersabe  sint  im  Kerler  zu  Augsburg
  und  soll  am  nächiten  Morgen  ingerichtet
werden.  Der  Stadtvogt  Frenberg  liest  ihr  das
Urleil.  Sie  hat  leine  Bitte  für  sich;  nur  ihre
Mannen,  die  il  rem  Vuter  und  ihr  treu  gedient,
laßt  sie  dem  jungen  Welser  empfeblen.  Dieser
aber  ist  unbemerkt  eingetreten  und  hat  ihre  Bilte
gehört.  Er  will  eine  Unterredung  mit  Bersabe
allein  und,  der  Stablwogt  gewährt  sie
ihm,  woüingleich  er  es  nicht  durfte.  Und  da  brich
das  Gefühl  in  beiden  durch.

Am  htachiten  Tag  gebt  der  traurige  Zug  zum
Schafort.  Das  Armenfunderglockch  en  lautet,  die
Verurteilte  sitzt  auf  dem  Stull,  schon  will  der
Stadtvogt  den  Stab  über  die  Verurteilte  brechen

das  Zeichen  für  den  Henker,  seines  Amtes  zu
walten  da  tritt  der  junge  Welser  vor  und  begel
  t  Gnade  für  die  arme  Sünderin,  wic  es  Alt-Augoburger
  Rccht  erlaubt.  Damit  ist's  nicht  gelan:
  er  muß  auch  noch  versprechen,  daß  die  urme
Sünderin  sein  Weib  werden  soll.  So  will's  dar
Necht.  Und  er  versprichts.  Zwar  widerstrebt  der
alte  Welser,  aber  gegenüber  dem  se.en  Sinn
des  Sohnes,  der  die  Dankbarkeit  ins  Feld  führt.
die  er  sciner  Lebensrelterin  zollt,  muß  er  nachgeben.
  Und  somit  findet  das  Schauspiel  den  romantischen
  Schluß,  den  Wildenbruch  gelsucht

Der  Weltkries.

oabtbericht.)
Weiter:  UBoot  Beute-WITB.

  Berlin,  16.  Juni.  Amtlich.  Durch
die  Tätigkleit  unserer  U.  Boote  auf  den  nördlichen
  Seekriegsschauplätzen  sind  weilere  19  50
Bruttoregistertonnen  rernichtet  worden.

Unter  den  Schiffen  befanden  sich  u.  a.  cin
englischer  Tanidampfer  vom  Ausselien  der  „Ko
nairy“  mit  Oel  nach  Tugland,  ferner  ein  gro
ser.  tief  beladener  bewassneter  Erzdampfer  und
zwei  unbelannte  Frachtdampser,  die  im  Dop- 



reischuf  vernichtet  wurden.  »
Dus  Ende  von  „L.  43“.

Amüerdam.  16.  Juni.  Die  englische  Admiralität
  leilt  mit:  Der  Zeppelin  „L.  33“  iit
gestern  seüh  in  der  Nordsee  von  englischen  Seestreillrästen
  vernichtet  worden.  Kurz  nachdem
er  angegrissen  worden  war,  brach  er  entzwei  und
Kurzte  ins  Mcer.  Man  konnte  niemand  von  der
Besatzung  retten.  Bonar  Lam  erllärte  im  Unterhaus,
  das,  das  Buftschiff,  bevor  cs  entzwel
brach,  vorne  und  hinten  in  Brand  geraten  sei.

Die  russischen  Deserteure.

BVern,  16.  Juni.  Die  Zahl  der  russischen  De
serteure  keläuft  sich  auf  mehrere  Millionen.  Die
russische  Front  ist  infolgedessen  derartig  enn
klöst  und  geschwächt,  daß  die  Alliierten  schwer
lich  eine  russische  Ossensive  erwarten  können
Die  russische  Regierung  ist  völlig  au#erstande
dem  immer  grötzer  werdenden  Uebel  abzuhelfe

Neue  Gewaltakte.

Berlin,  16.  Juni.  Wie  verschiedene  Blät
ter  aus  Athen  melden,  werden  die  Angehörige
der  Mittelmächte  durch  Oterkommissar  Jonna
dus  Eriechenland  ausgewiesen  werden.  Ue
Atben  und  über  Piräus  hat  der  Ministerr
den  Belagerungszustand  verhängt,  um  volitiss

—

 

 

Kuyndgebungen  zu  verhinvern.