Oberstrichterliche Eutscheldungen. 169
coupons im Nominalbetrage von 3099 Mt. 43 Pf. zur
Sicherheit als Pfand behändigte, welche zur Zeit der
Hingabe noch nicht fällig waren, sondern erst am 1. April
1892 und später verfielen. Die Pfarrpfründe C. verlangt
von B. Herausgabe dieser näher bezeichneten Coupons
als ihr Eigenthum, während der Beklagte auf Grund
gutgläubigen Erwerbs derselben nach Art. 307 HGB.
die Herausgabe mit der Behauptung verweigert, daß er
bei deren Erwerb nicht wußte, daß der Verpfänder A.
bei der Verpfändung derselben nicht Eigenthümer, also
zu dieser Verpfändung nicht befugt war, und daß er
nach den Umständen des Falls auch keine Veranlassung
hatte, die Berechtigung des Verpfänders zu bezweifeln.
Gemäß GHB. Art. 306 Abs. 2 kann in dem Falle,
wenn Waaren oder andere bewegliche Sachen von einem
Kaufmann in dessen Handelsbetrieb verpfändet und übergeben
worden sind, ein früher begründetes Eigenthum 2c.
an den Gegenständen zum Nachtheil des redlichen
Pfandnehmers nicht geltend gemacht werden, ausgenommen
(Abs. 4 a. a. O.) wenn die Gegenstände gestohlen oder
verloren waren. In Art. 307 ist dann bestimmt, daß
die in Art. 306 enthaltenen Bestimmungen bei Papieren
auf Inhaber auch dann Anwendung finden,
wenn die rc. Verpfändung nicht von einem Kaufmann
in dessen Handelsbetrieb geschehen ist und wenn die Papiere
gestohlen oder verloren waren.
Demgemäß kommt hier in erster Linie zu untersuchen,
ob die Popiere, welche von der Klagspartei vindicirt
werden wollen, als Inhaberpapiere rechtlich
zu qualificiren sind. Zwar ergibt sich aus adhibirten
Acten ꝛc., daß die Grundrent deren Zinsabschnitte
A. sich widerrechtlich angeeignet hat, auf den
Namen dieser Pfründestiftung ausgestellt sind, wie
dieses auch bei derartigen Stiftungscapitalien notorisch
die Regel bildet, und es könnte hienach allerdings die
Frage sich aufwerfen, ob die solchen auf Namen lautenden