Metadata : Demokratie und Kaisertum.

gezogen,  hat  aus  Untertanen  Staatsbürger  gemacht  —  in  der  Tat,  es
wäre  ein  Unrecht,  deshalb  den  demokratischen  Harlamentarismus
  für  nichtsnutzig  zu  erklären,  weil  er  in  seiner  ersten
Deriode  nicht  sofort  fertig  und  souverän  auftreten  konnte.

Es  liegt  nahe,  darauf  hinzuweisen,  daß  der  demokratische  Harlamentarismus
  in  Deutschland  mehr  geleistet  haben  würde,  wenn  er  nicht
durch  militärische  Monarchie,  aristokratische  Derfassung  der  Einzelstaaten
und  dergleichen  gehindert  gewesen  wäre.  In  diesem  Hinweis  aber  steckt
ein  Denkfehler.  Daraus,  daß  es  dem  demokratischen  Sedanken  nur
gelang,  einen  Teil  der  Souveränität  zu  gewinnen,  ersieht  man  eben,  daß
er  noch  nicht  stärker  ist.  kann  sogar  sagen,  daß  er  bereits  mehr
erhalten  hat,  als  er  vor  50  Jahren  zu  erkämpfen  imstande  war  und  als
er  heute  für  sich  allein  zu  verteidigen  in  der  Lage  ist.  Die  geschichtlichen
Umstände  der  Jahre  1864  bis  66  haben  der  Demokratie  eine  günstigere
Alöglichkeit  geboten,  als  es  im  reinen  Kräfteverhältnis  an  sich  begründet
war.  Bi#smarck  gab  aus  Gründen  der  äußeren  Dolitik  dem  von  ihm
unterschätzten  demokratischen  Gedanken  mehr  Spielraum,  als  es  nach
innerpolitischen  Entwickelungsgesetzen  damals  nötig  gewesen  wäre.  Erst
im  Laufe  der  Jahrzehnte  entsteht  die  Bevölkerung,  die  das  damals  gegebene
  Recht  prinzipiell  verwerten  kann.  Eine  Demokratie  also,  die  auf
eigener  Kraft  steheen  will,  wird  sich  hüten  müssen,  über  Zenachteiligung
zu  klagen.  Was  sie  nicht  erreicht  hat,  dazu  ist  sie  eben  zu  schwach.
Wenn  sie  stärker  werden  wird,  wird  sie  mehr  erreichen.  Sie  tritt  doch
zugestandenermaßen  als  Kämpferin  auf  ein  bereits  besetztes  Terrain  und
es  steht  ihr  übel  an,  darüber  zu  jammern,  daß  das  Terrain  vor  ihr
besetzt  ist.  Sie  kann  nichts  anderes  sein  als  eine  politische  Macht  zwischen
anderen  älteren  Mächten.  Eine  theoretische  Konstruktion,  wie  es  sein
könnte,  wenn  sie  kampflos  als  Derrin  auftreten  dürfte,  hat  praktisch  gar
keinen  Zweck.

Eins  aber  soll  trotz  der  langsamen  Erfolge  und  des  schweren  geschichtlichen
  Kampfes  die  Demokratie  nicht  tun:  ihr  politisches  Drinzip
als  solches  aufsgeben.  Der  Leser  wird  später  sehen,  mit  welchem  Nach—-—
druck  wir  für  die  Stärke  und  Notwendigkeit  des  aisertums  eintreten.
Er  soll  aber  nicht  daraus  folgern,  daß  wir  prinzipiell  für  das  „kon-