Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1841. (25)

Einen  geradezu  tragischen  Eindruck  gewährt  die  Erzählung
  eines  deutschen  Arztes,  der  bei  Ausbruch  des  Krieges
in  Brasilien  weilte  und  am  4.  August  auf  einem  holländischen
  Dampfer  seine  Heimat  zu  erreichen  suchte.  Seine  Erzäahlung
  entnehme  ich  der  „Post“.

Der  Dampfer  wurde  unterwegs  von  einem  englischen
Kreuzer  angehalten  und  alle  Deutschen  in  wehrpflichtigem
Alter  verhaftet.  Dasselbe  Schicksal  mußte  auch  der  deutsche
Arzt  teilen,  obwohl  ihn  der  Genfer  Vertrag  in  seiner  Eigenschaft
  als  Arzt  vor  einer  Verhaftung  hätte  schützen  sollen.
Er  wurde  mit  seinen  Leidensgefährten  in  den  Rennställen  zu
Newbury  untergebracht.  Erst  nach  Wochen  des  Leidens  wurde
er  in  seine  Heimat  enrlassen.  Im  „Hamburger  Fremdenblatt“
  berichtet  er  jetzt  über  seine  Erlebnisse  u.  a.  folgendes:

„Der  Rennstall  ist  ein  geschlossenes  Gebäudeviertel  mit
einigen  Quergebäuden,  in  denen  sich  weit  über  hundert  Einzelställe
  für  Pferde  befinden,  und  in  je  einem  solchen  Sralle,
der  für  ein  Pferd  berechnet  war,  wurden  von  uns  acht  bis
zehn  Mann  untergebracht;  in  Summa  etwa  1200  Menschen
aller  Klassen  und  Stände.  Mit  in  London  aufgegriffenen
dunklen  Existenzen  wurden  hier  Großkaufleute,  Matrosen,
Gelehrte,  Arbeiter,  Trzte  und  Offiziere,  Knaben  und  Greise,
Kruppel  und  Kranke,  sowie  verwundete  Soldaten  zusammengeworfen,
  indem  man  ihnen  als  einzigen  Komfort  etwas
Stroh  und  zwei  Decken  bewilligte.  Sonst  enthielt  die  Bor
nichts!  In  Olympia  hat  man  den  Gefangenen  in  den  ersten
Tagen  auch  dies  noch  nicht  einmal  bewilligt,  sondern  sie  auf
dem  blanken  Boden,  ohne  Decke  und  Stroh  schlafen  lassen.
Unter  diesen  befanden  sich,  wie  eben  gesagt,  Leute  der  höchsten
  Gesellschaftsklassen,  denen,  wie  mir,  zugemutet  wurde,

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