— 485 —
Reichstage selbst erwarte. Statt dessen brachte dieser dann doch
nur die Vertröstung auf die Zukunft. Immerhin war es schon
etwas, dals diese Vertröstung auf die Zukunft in eine bestimmte
Form gekleidet war. Der Reichstag hatte wenigstens
einen Weg betreten oder zu betreten vereinbart, welcher eine
friedliche einheitliche Lösung in nicht allzu ferne Aussicht stellte.
Mit dieser Aussicht mochte der heimkehrende Reichsstand seine
Unterthanen einstweilen trösten; sie mochten in derselben dafür
Entschädigung finden, dafs der unfertige, unentschiedene Zustand,
aus dem sich ein jeder heraussehnte, nun doch noch bis auf
Weiteres erhalten blieb, ja, dafs vom Reichstage nicht einmal die
beschwerlichsten Mifsbräuche abgethan oder gebessert worden
waren. Aber um dafür sich entschädigt zu fühlen und noch länger
in jenem unbehaglichen Zustand ausdauern zu können, mulste die
Nation dann auch sehen, dafs man Anstalten treffe, um das Beschlossene
auszuführen und die Aussicht auf Besserung, welche der
Reichstagsschlufs eröffnete, näherzurücken und zu verwirklichen.
Wenn in der That jetzt die projektierte Gesandtschaft sich nach
Spanien in Bewegung setzte und dem Kaiser die Nöte der deutschen
Nation klagte; wenn dann der Monarch sein kaiserliches Wort
dafür verpfändete, dals er denselben abzuhelfen Sorge tragen, dals
er zumal, was das Reich von ihm verlangte, thun und den Zusammentritt
eines freien Konzils oder einer allgemeinen Nationalversammlung
in deutschen Landen innerhalb der ihm gesetzten
Frist von einem oder aufs längste anderthalb Jahren veranlassen
werde; und wenu dann in der That der Kaiser diese Sache in die
Hand nahm; wenn man die erforderlichen Schreiben ausgehen und
einen jeden zu der entscheidenden Versammlung sich rüsten sah;
oder wenn sonst was immer für Schritte gethan wurden, um die
ersehnte Lösung näher zu rücken: dann — aber auch nur dann —
war es möglich, inmitten einer Gährung sondergleichen, das Provısorium,
welches der Reichsabschied von Speier statuierte, solange
wenigstens einigermafsen aufrechtzuerhalten. Aber statt dessen
erscholl die Kunde, dafs die Gesandtschaft nach Spanien vereitelt
sei — niemand erfuhr so recht, wodurch —; es kam noch einmal
zu einem Reichstag, im Frühjahr 1527, der sich aber fast nur mit
der Türkensache beschäftigte, während es von der Glaubensfrage
an den mafsgebenden Stellen gänzlich still blieb; zumal von dem
Konzil oder der gemeinen Versammlung deutscher Nation ver-