Vorschlag einer Waffenruhe. 599
oder mehr zu haben sein werde, konnte man sich endgültig darüber entschließen,
wie man sich weiterhin gegenüber der französischen Vermittlung
verhalten wolle.
Begreiflicherweise wollte der König, bevor er auf eine Waffenruhe einging,
auch die Meinung seiner militärischen Ratgeber hören; der Kriegsrat,
der am 12. Juli auf der Terrasse des Schlosses Czernahora abgehalten
wurde, sollte diesem Zwecke dienen. Da nun auch von militärischer
Seite betont wurde, daß die Armee eine kurze Waffenruhe sehr gut
gebrauchen könne, so entschloß sich der König, ein entsprechendes Angebot an
Ssterreich gelangen zu lassen. Preußen wollte danach drei Tage lang nicht angreifen,
wenn die Österreicher vorher das linke Ufer der Thaya vollskändig
räumten, alle Truppenbewegungen sistierten und dem Verkehr auf der Prager
Eisenbahn keine Hindernisse in den Weg legten. Oieser Vorschlag wurde in
der Nacht vom 12. zum 13. Juli durch Lefebore an die österreichischen Vorposten
gebracht. Es war immerhin ein Erfolg Benedettis; allerdings waren
die hinzugefügten Bedingungen derartig, daß es von Anfang an zweifelhaft
erscheinen mußte, ob Osterreich sie annehmen werde.: Auch hielt Bismarck
streng daran fest, daß damit keineswegs ein förmlicher Waffenstillstand be-1
S. Rothan a. a. O. Sybel 266. Tel. Bismarcks an Goltz vom 13. Juli: Er
habe Benedetti, der auf Stillskand dringe, wiederholk, daß ein solcher ohne Justimmung
Italiens und Garantien guter Friedensbedingungen nicht geschlossen werden könne. Er
brauche also vor dem Abschluß eine Erklärung aus Florenz und Rückäußerung von Goltz
auf seine Eröffnung vom 9. Um beide abzuwarten, habe Preußen, um auf Andringen
Benedettis dem Kaiser gefällig zu sein, sich bereit erklärk, die Osterreicher drei Tage lang nicht
anzugreifen, wenn sie den Abschnitt nördlich der Thaya räumten. Erfolge bis dahin nicht
Zustimmung Italiens zu einem Waffenstillstand, nebst befriedigenden JZusicherungen Frankreichs
über die Friedensbedingungen, so werde man den Krieg mit aller Energie fortsetzen.
Ferner Bismarck an Werther 13. Juli: Der König würde auch auf dieses Arrangement nicht
eingegangen sein, wenn die Armee nicht dringend einer wenigstens zweitägigen Ruhe und
namentlich der Versorgung mit neuem Schuhwerk bedurft hätte, welches durch die angestrengten
Märsche und schlechten Wege der letzten Tage bedeutend gelitten habe. Auch die
Verpflegungsmittel seien durch den raschen Vormarsch in Rückstand geraten und würden
auf diese Weise die Möglichkeit haben, nachzukommen. Diese Erwägungen hätten entscheidend
mitgewirkk, um den König zu dem Abkommen geneigt zu machen. Es sei jedenfalls daran
festzuhalten, daß dies Abkommen sich schon durch die Kürze der Zeit nicht als ein Waffenstillstand,
sondern nur als ein augenblickliches Arrangement charakterisiere, welches Preußen
durch die Räumung des Abschniktes bis zur Thaya einen militärischen Vorteil gewähre,
dessen Gewinnung durch aktive Operationen mindestens ebensoviel, wo nicht mehr Feit
gekostet hätte, und vielleicht nicht ohne Opfer zu erkaufen gewesen wäre. Ob dasselbe österreichischerseits
angenommen werde, darüber fehle noch Nachricht. — Die Erlaubnis zum
Verkehr mit den öfterreichischen Truppenführern erbat Benedetti schriftlich am 12. Juli.
: Rothan erklärt sie für nicht ernst gemeinte Scheinbedingungen. Vgl. Bismarcks Außerungen
in der vorigen Anmerkung.