Metadata : Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stettin. 1914. (104)

Die  Akademie  Frievrıcn  Wirnern's  IV,  (1540-1859).  893

Drittes  Capitel.
Die  Akademie  Frırprıcn  Wırurrm  s  IV.  (1840-1859).

Man  kann  von  einer  Akademie  Frirnrıicn  Wirnern's  IV.  sprechen,
  zwar  nicht  in  demselben  Sinn  wie  von  der  Academie  Royale
des  Seiences  et  Belles-Lettres  Frirprıien's  des  Grossen,  aber  doch
von  seiner  Akademie.  Beide  Monarchen  haben  ein  persönliches
Verhältniss  zu  dem  Institut,  dessen  Proteetoren  sie  waren,  besessen  ;
beille  haben  für  dasselbe  nicht  nur  indireet,  sonder  auch  unmittelbar
  und  persönlich  gesorgt;  beide  haben  an  der  Entwicklung  und
der  Blüthe  der  Wissenschaften  in  der  Akademie  den  lebhaftesten
Antheil  genommen  und  sich  über  Entdeckungen  und  Fortschritte
berichten  lassen.  Frır:prıen  der  Grosse  freilich  war  selbst  Akademiker
  auf  dem  Throne;  er  hat  für  die  Akademie  gearbeitet  und  ihr
durch  sein  Genie  Richtung  und  Aufgaben  gegeben:  das  vermochte
Friepricn  Wırnuerm  IV.  nicht.  Er  übertraf  zwar  an  Vielseitigkeit  der
wissenschaftlichen  Interessen  seinen  erlauehten  Vorfahren,  aber  er
lebte  in  ilınen  nicht  so  frei  und  muthig  wie  der  königliche  Philosoph.
  Durch  Liebe  und  Vertrauen  hat  er  die  Akademie  an  sich  gekettet
  und  durch  die  Freiheit,  die  er  ihr  liess!.  Derselbe  Monareh,
unter  dessen  Regierung  das  höhere  Schulwesen  kirchlich-theologisch
eingeengt  und  bevormundet  worden  ist,  hatte  ein  unstillbares  Verlangen
  nach  neuen  wissenschaftlichen  Erkenntnissen  und  eine  lebhafte
  Empfindung  für  die  nothwendige  Freiheit  der  reinen  Wissenschaft.
  Er  selbst  hat  sie  niemals  beeinträchtigen  wollen.  Wie  er
ÄLFXANDER  von  Hungorpt,  dessen  Weltanschauung  der  seinigen  ganz
fremd  war,  zeitlebens  als  seinen  wissensehaftlichen  Berather  um  sich
behielt”,  so  hat  er,  wenn  auch  mit  Seelensehmerz,  jeder  Wissen-I

  In  Sehriftstücken  der  Akademie,  die  nicht  für  die  Öffentlichkeit,  auch  nicht
für  den  König  bestimmt  waren,  wie  in  der  Böckw'schen  Denkscehrift  vom  15.  März
1347  (s.  unten),  spricht  sich  das  dankbare  Bewusstsein  aus,  keinem  Monarchen
nächst  Frienrıcn  dem  Grossen  so  verpflichtet  zu  sein  wie  Frievricn  Wirners  |V.:
»Er  hat  die  Akademie  ausgezeichnet  geehrt,  wie  sie  seit  Frirprien  dem  Grossen
nicht  geehrt  worden,  und  vielleicht  noch  mehr«.  Was  aber  die  Freiheit  anlangt,
so  schrieb  der  König  am  8.  März  1847  der  Akademie:  »Es  ist  mir  wichtig,
dass  auch  die  Akademie  nie  daran  zweifle.  dass  ich  nicht  gemeint  bin,
den  freiesten  Meinungs-Ausserungen  ihrer  Mitglieder  eine  Schranke

zu  stellen«.
2  Frienprich  Wirnersm  IV.  hat  auch  zum  ersten  Mal  einen  Gelehrten  jüdischen
Glaubens  als  ordentliches  Mitglied  der  Akademie  bestätigt,  P.  Tu.  Rırss  —  auf  Vor-