Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

100.  1611  235

von  dort  kommen  alle  Beschwerungen;  Erzherzog  Maximilian  hat  ge-  März  13.
äussert,  er  wolle  gern  vermitteln,  aber  am  kaiserlichen  Hof  bleibe  bis  23.
alles  bangen;  auch  König  Matthias,  der  bei  den  Ständen  Favor  sucht,
weiss,  wie  68  dort  zugeht.  Das  beste  wäre,  wenn  die  jüterbogker
Handlung  wol  abliefe  und  man  Sachsen  besser  informieren  könnte,
In  Donauwörth  sind  vor  einigen  Wochen  neue  Gewaltsamkeiten  geschehen
  und  ist  flüchtigen  Bürgern  ihre  Armut  um  halbes  ueld  verkauft
worden  ;  man  soll  den  Herzog  von  Baiern  von  weiterer  Beschwerung
abmahnen.  Strassburg:  Der  Administrator  soll  die  gute  Korrespondenz
  mit  Mainz  fortsetzen  und  an  den  Kurfürsten  und  Baiern
eine  Schickung  tun,  um  sie  über  die  Union  aufzuklären.  Wegen
der  Gravamina  soll  man  nichts  anregen,  bevor  man  sieht,  wo  das
Spiel  zwischn  Kaiser  und  König  hinaus  will;  bei  dem  obsiegenden
  Teil  wäre  dann  anzuklopfen.  Donauwörths  könnte  bei
der  Schickung  an  Baiern  gedacht  oder  der  Kaiser,  wenn  die
Sachen  in  andern  Stand  sind,  seines  Dekrets  erinnert  werden.
Nürnberg  sieht  kein  Mittel  zur  Beseitigung  des  Mistrauens,  das
mit  dem  elsässischen  Wesen  anfieng,  billigt  aber  Oettingens  Vorschläge
wegen  Beseitigung  des  Verdachts.  Zur  Abhilfe  der  Gravamina  ist
jetzt  wol  kaum  Zeit.  Wegen  Donauwörth  gibt  es  kein  Mittel
als  Erstattung  der  Kosten;  die  Papisten  haben  schon  erklärt,  dazu
keinen  Heller  zu  geben;  vielleicht  liesse  sich  Baiern  durch  Mainz
zu  einer  Moderation  bewegen;  dann  könnte  man  versuchen,  insgemein
  einige  Monate  bewilligt  zu  erhalten.  Man  schreibe  weder  an
den  Kaiser  noch  an  den  König.  —  Der  Redner  fragt  an,  wie  es  mit
der  Ablehnung  der  „donauwörthschen  Relation“  steht,!  denn  auch
evangelische  Stände  meinen,  sie  enthalte  die  Wahrheit.  Ulm  schlägt
vor,  Erzherzog  Maximilian  um  dessen  Beistand  zu  bitten,  damit  man
aus  den  Beschwerden  komme  und  erinnert,  wie  durch  Eingreifen  verschiedener
  Stände  der  passauer  Vertrag  zu  stande  gekommen  sei.  Speier:
So  lange  die  Jesuiten  ihr  Wesen  treiben,  wird  man  nicht  zur  Ruhe
kommen  ;  denn  die  Papisten  müssen  tun,  was  jene  wollen.  Speier  kann
Baiern  wegen  der  zollernschen  Relation  nicht  trauen,?  eher  Mainz;
aber  die  Liga  wird  bleiben.  Mattbias  wird  am  Hof  eine  Reformation
  tun  müssen.  Die  andern  Städte  votieren  mit  der
Mehrheit.  Camerarius:  Ursache  des  Mistrauens  ist  der  Mangel
an  Justiz.  Die  wahre  Beschaffenheit  der  Union  ist  sowol  Baiern  beim
mänchener  Akkord  wie  Mainz  und  Sachsen  dargelegt  worden.  Der  elsässer
Zug  hat  gezeigt,  wie  ungerecht  die  Unierten  bezichtigt  werden;  denn
sonst  hätten  sie  die  besetzten  Orte  nicht  wieder  geräumt.  Wegen
einer  Verständigung  hat  der  Administrator  mit  Kurmainz  einen

ı  Vgl.  F.  Stieve,  der  Kampf  um  Donauwörth,  8.  420  f.

?  Vgl.  P.P.  Wolf,  Geschichte  Maximilians  1.,  II.,  S.  560  f.;  A.  Gindely,
  Rudolf  II.  und  seine  Zeit,  II.,  8.  125  und  M.  Ritter,  Deutsche
Geschichte  im  Zeitalter  der  Gegenreformation,  IL,  S.  344.