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sondern namentlich habe die Sozialdemokratie allein das Sozialistengesetz
zu Fall gebracht. Auf dem Kongreß zu Halle hatte sich dieses
Wahngebilde in Herrn Liebknecht's Haupt bereits so verdichtet, daß
er dort (am 15. Oktober 1890, Protokoll S. 180) den Muth fand
zu den Worten:
„Wenn das Sozialistengesetz ein eiserner Reif war, dann war unser
Programm“ (von Gotha) „ein diamantenes Band für uns. Mit unserem
Programm haben wir das Sozialistengesetz, diesen eisernen Reif,
zerbrochen; es hat sich also stärker erwiesen."“
Nachdem Herr Liebknecht mit der Prophezeihung der Zukunft
allezeit überaus schlechte Geschäfte gemacht hatte, zog er sich auf
das wesentlich sicherere Geschäft zurück, die Vergangenheit zu prophezeihen,
d. h. unbestreitbare Thatsachen so auszulegen, wie es ihm
zur Prophezeihung des „Sieges“ seiner Parteibestrebungen paßt.
Dieses Geschäft ist sicherer als jenes, wenn man sich an die Wahrheit
hält. Aber wenn man das nicht thut, so hat es einen nicht
unerheblichen Nachtheil für die Herren Vergangenheitspropheten,
welchen Herr Liebknecht einst (1876, Sten. Ber. S. 1087) im Reichstag
in den Worten aussprach: „Zeigt man uns, daß die thatsächlichen
Verhältnisse anders sind, als wir sie schildern,
dann ist die Sozialdemokratie nichts, dann sind wir ddie
Lügner“, „die Betrüger“, als welche man uns hinstellt.“ Nun
weiß aber Herr Liebknecht sehr wohl, daß das Programm von
Gotha, mag es nun aus Diamant oder aus Blech bestehen, mit
dem Erlöschen des Sozialistengesetzes nicht das Geringste zu thun
hat, sondern daß dieses Gesetz einfach und allein aus dem Grunde
am 1. Oktober 1890 abgelaufen ist, weil unseres Kaisers Majestät
es ablaufen lassen wollte. Daß dies die Wahrheit ist und nichts
Anderes, das haben auch Herr Liebknecht und alle sozialistischen
Redner auf dem Kongresse in Halle dadurch unbedingt zugegeben,
daß sie die gesammte neue Organisation der Partei so einrichteten,
daß eine Erneuerung des Sozialistengesetzes — welche keiner der
Herren für unmöglich hielt, trotz des „diamantenen Programmes“
mit seiner ungeheuren „Stärke“ — dieser Organisation nichts anhaben
könne.
Die Herren Führer bedurften aber auf diesem Kongresse freilich
eines selbst in den Kreisen ihrer Partei ungewöhnlichen Maßes
von Ruhmredigkeit und — sagen wir von Berichtigung der Thatsachen
zu Gunsten dieser Führer, um die tiefe Mißstimmung in der
Partei selbst mit der Parteileitung zu vertuschen und sich
vor den Massen den Schein der Unfehlbarkeit und Unüberwindlichkeit
zu wahren, welchen die offene Auflehnung der „Jungen“
und die scharse Kritik einiger namhafter Parteiblätter, wie der
„Berliner Volkstribüne“ von Max Schippel“, der „Sächsischen