Full text : Weltkrieg und Gottesreich.

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sich  mit  Begeisterung  über  den  Westfälischen  Frieden
aussprach:  „Er  hat  die  Freiheit  Europas,  die  Unabhängigkeit-)
  der  kleineren  Staaten  Deutschlands  und
den  Ruhm  Frankreichs  begründet.  Oank  diesem
Frieden  steht  Europa  befreit  da,  befreit  durch  Frankreich,
  und  Frankreich  selbst  ist  bedeckt  mit  Ruhm.
Die  von  der  französischen  Diplomatie  in  Münster
und  Oenabrück  betätigte  Klugheit  trug  ihre  Früchte:
Das  Deutsche  Reich  war  und  blieb  eine  Zammergestalt.
  Der  größte  deutsche  Dichter  läßt  im  folgenden
  Zahrhundert  die  Sumpfbühner  in  Auerbache
Keller  ein  Spottlied  auf  das  Reich  anstimmen:

„Dae  liebe,  heil'ge  Röm'sche  Reich,
Wie  hält's  nur  noch  zusammen?“

*)  Diese  Unabhängigkeit  und  Freibeit,  für  die  Dhiers
schwärmte,  ist  vermutlich  identisch  mit  der  Freibeit,  mit  welcher
setzt  Edward  Grey  unb  Lloyd  George  das  arme  geknechtete  Deutschland
  beglücken  möchten.  Es  ist  rührend  und  fast  überwältigend,
wie  Edward,  der  kleinere,  in  der  Unterredung  mit  dem  amerikanischen
  Zournalisten,  (Mai  1916)  redet:  „Wir  wären  glücklich,
  das  deutsche  Volk  frei  zu  sehen,  wie  wir  auch
wünschen,  daß  dies  alle  andern  Nationen  Europas
und  der  ganzen  Welt  seien.“  Und  Lloynd  George  hat  einem
Korrespondenten  der  „Humanité“  geoffenbart:  „Dem  preußichen
  Nilitariemus  muß  ein  Ende  bereitet  und  damit
duch  dem  deutschen  Volk  die  Freiheit  wiedergegebden
werden.“  (Prosch  a.  a.  O.  S.  294).  Edward  Grey  und  Lloyd

orge  meinen  vermutlich  die  „schöne  Freihcit“  von  anno  dazumal,
  meinen  die  kaiserlose,  die  schreckliche  Zeit  vom  17.—19.  Jahrundert,
  in  der  jeder  tat,  was  er  wollte  und  das,  allerdings  von
keinem  Militariamus  bedrückte  Reich,  zur  Ohnmacht  verdammt
war.  Meinen  sie  aber  wir  kliche  Freibeit,  dann  sollen  sie  zunächst

rland,  Ostindien  u.  a.  Untertanenländer  damit  beglücken  und
Deutschland,  das  seine  „Knechtschaft“  ohne  Seufzen  erträgt,
mit  der  Bescherung  verschonen.“

Bolliger,  Weltkrieg  und  Gottesreich.  7