240 I, 13. Fürst Bismarck und die Parteien. „Frittionen.“ (1871—78.)
Arnim hier der Büste des Grafen Arnim vor den Augen der Welt zum Kranze flocht.
Denn nachdem der Verfasser den hohen Geist und den Scharfblick Arnims in vorausschauender
Beurteilung der Verhältnisse im Verlaufe der Schrift wiederholt hatte bewundern
lassen, sagte er am Schlusse:
„Graf Arnim hat sich während seiner dreißigjährigen Dienstzeit durch gewissenhafte und
geschickte Amtsführung die Anerkennung des Monarchen, der Regierung, des Landes und, bevor
seine Verdienste össemlich gerühmt wurden, sogar die des Reichskanzlers erworben. Wie sich aus
der vorstehenden Darstellung ergibt, hat er Anspruch auf die geistige Urheberschaft mancher politischen
Maßregel, welcher der Herr Reichskanzler grosen Ruhm verdankt. Von vielen wurde
er als Nachfolger des Reichskanzlers bezeichnet.“ — „Golt, welch ein Mann, welch ein Aleinod!“
mußte der Leser ausrufen. „Mancher Erblasser“, fügte der bilderliebende Verfasser, der
auch diese Vorliebe mit dem Grafen Arnim teilte, hinzu, „haßt seinen Erben, zumal wenn
er Ungeduld in ihm argwöhnt. Von dem Angenblicke an, wo der Reichskanzler in dem Grafen
Arnim einen Erben vermuten lonnte, hastte er ihn, tral die Versuchung an ihn heran, den
Erben zu beschädigen, zu vernichten und beiseile zu schaffen.“ Nicht unabsichtlich offenbar
halte der Verfasser die Ausdrücke gewählt, welche in den Strafgesetzbuchparagraphen süch sinden,
auf Grund deren Graf Arnim verurteilt worden war. Also Eisersucht auf einen dem Fürsten
Bismarck gewachsenen oder, wie die Schrift nachzuweisen sich bemühte, ihm sogar überlegenen
Nachfolger im Amte hätte Bismarck veranlaßt, den Grafen aus Paris zu enkfernen und gericht,
lich verfolgen zu lassen. „Nicht bloß ist die Verurteilung Arnims rechtswidrig gewesen“, sag! die
Schrift, „sondern das Gericht hat auch denjenigen freigesprochen, der dem Valerlande einen
Mann entzogen, welcher befähigt und berusen war, dem Lande die größtten Dienste zu leisten.“
Je grenzenloser diese Selbstberäucherung, mu so grenzenloser ist auch der Bismarckhaß
des Versassers. Dieser Haß füllt ganze Seiten, sehlt auf keiner Seite ganz
und steigert sich zuweilen bis zu Delirien. Daß Fürst Bismarck gegen Arnims höfische
Ränke mit rücksichtsloser Strenge und Festigkeit seine Stellung als allein verantwortlicher
Reichskanzler und damit das konstitutionelle Prinzip für die auswärtigen Angelegenheiten
des Deutschen Neiches zur Geltung gebracht und gegen die auf absolntistische
Behandlung derselben abzielenden Bestrebungen Arnims zum Siege geführt
hat, das neunt der Verfasser der Schrift „Ministerialdespotismus“. Die Schrift enthält
auch schon die bübische Verlenmdung, daß Fürst Bismarck seine amtliche Stellung
zu Geldgeschäften mit Bleichröder mißbraucht habe.
Weiter wird vom Fürsten Bismarck gesaglt: „Er findet die Mehrheit nicht, er schafft sie.“
„Er will alle Regierungen und Nalionen in chanvinislischem Stile hofmeistern, und die Welk, die
früher seiner Politik herzlich wohlwollie, betrachtel ihn jetzt mit dem Gefühl, mit welchem man
einen unliebenswürdigen Mann auf einem durchgehenden Pserde sieht. Er ist, näher besehen,
oft gegen seinen Willen und eigentlich nur durch ungemeines Glück groll geworden.“ Er wurd
„mit dem nüchternen, phantasielosen Elefanten“ verglichen, „der mit demselben Rüssel Zenner
hebt und Nadeln vom Boden aufliest“. Unter den Nadeln verstand der Verlasser in einem
Durchbruch von Selbsterkenntnis den Grafen Arnim und „kleine Politiker", wie Gerlach, Windt.
horst, Virchow v. Alle Parteien werden gegen den unerträgtichen Despoten Bismarck ausgeheyl,
vor allem aber die Konservaliven gegen die Liberalen, „zur Rcttung der von Bismarck mut
Füßen getretenen Freiheit“. Auch mit dem Zentrum und selbst mit Sonnemonn liebängel! der
Versasser. Wo sich nur immer eine einflußreiche Persönlichleil in den Zusammenhang hereinzieben