110 Die galatischen Kelten. Kap. XUI.
die Analogie des Gauheerwesens und die Natur der Sache die
zweite Auffassung zu verlangen.
Der jüngste Einheitsstaat.
Auf die Stammverfassung folgt die Umwandlung des Bundesstaats
in den Einheitsstaat. Stammkönige versuchten es,
sich zu Herrn der drei Stämme zu machen. Der Versuch des
Orteogon misslang. Dann scheinen zwei der Stämme, vielleicht
die Tektosagen und Trokmer, die im Jahr 189 zusammen
gekämpft hatten, vereinigt zu sein, so dass Strabo von
nur noch zwei Hegemonen reden kann. Weiter erfolgte die Erhöhung
des Dejotarus, deren einzelne Stadien zu verfolgen sind.
Vorab ist hier zu bemerken, dass in Galatien wie anderswo die
Ausdrücke zerpapxia, rerpapxns die ursprüngliche Bedeutung eines
von vier Gauen und eines von vier Gaufürsten verloren, und den
Sinn einer Stammherrschaft und eines Stammkönigs angenommen
hatten (Mommsen V 503). Dejotarus hatte (nach Strabo XII
3, 13) zunächst „die väterliche Tetrarchie, nämlich die Tolistobogier,“
d.h, hier also die Herrschaft in deren Stammgebiet inne,
Exovra 179 Narpaay rerpapyiav ra» Talarav, tovg Toduoroßwylovs, und
war später (nach Hirtius 67) tetrarches Gallograeciae paene totius,
bis durch das Wort des Pompejus die Herrschaft über die
drei Stämme und Nachbargebiete an den einen, den rex Dejotarus
überging, dem Amyntas folgte.
Der gallische Typus der Verfassung.
Die Verfassung der drei Stämme unterscheidet sich in ihrem
Aufbau (von Tetrarchie, Tetrarch, Stamm, Stammkönig, Bund,
Tetrarchen- oder Fürstenrat, Senat) von den Verfassungen der
übrigen kleinasiatischen Stämme. Sie ähnelt aber den gallischen
Formen, wie sie Caesar aus seiner Zeit schildert. Die Tetrarchie
ist COaesars pagus; der Tetrarch, rpöros dvyze ist sein princeps,
primus; &9vog, populus, civitas ist seine civitas; der nysuwv, Baoıkevg,
regulus, rex, dux ist sein rex; die Tetrarchen (als Fürstenrat) sind