Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

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koͤnnte  doch  nicht  leugnen,  daß  viel  Aberglauben  und  Fehler  in  der  Kirche  durch
die  Nachlässigkeit  der  Lehrer  eingebrochen  wären,  daher  hätte  er  aufrichtige
Lehrer  seiner  Kirche  herstellen  müssen,  wolle  aber  nimmermehr  von  der  Meinung
  und  Zustimmung  der  allgemeinen  katholischen  Kirche,  wie  sie  in  den  prophetischen
  und  apostolischen  Schriften,  alten  canonibus  und  bewährten  Lehren
gefunden  wird,  abweichen.  Er  habe  lange  auf  ein  Concilium  gewartet,  weil
aber  der  Papst  sich  nicht  groß  darum  bekümmert,  habe  er  die  Kirche  seines
Landes  nicht  länger  in  solcher  Verlassenheit  sehen  können.  Er  hoffe  demmach,
der  König  werde  diese  seine  gute  Meinung  nicht  verwerfen,  zumal  da  des  Königs
Tochter,  seine  Gemahlin,  in  diesem  Falle  mit  ihm  einig  wäre.  Ueber  Ceremonien
  wolle  er  mit  Niemandem  streiten“.

Die  Berufung  des  Probstes  Buchholzer  war  der  erste  öffentliche  Akt,
durch  den  Joachim  II.  seinen  Uebertritt  zur  neuen  Lehre  bekundete;  bald  darauf
that  er  noch  einen  entscheidenderen  Schritt,  indem  er  nämlich  nebst  seiner  Gemahlin
  und  dem  ganzen  Hofe  am  1.  November  1539  das  Abendmahl  unter
beiderlei  Gestalt  in  Spandau  und  Tages  darauf  in  Berlin  nahm.

Dem  Kurfürsten  wurde  das  Reformationswerk  dadurch  sehr  erleichtert,  daß
einer  der  drei  Landesbischöfe,  nämlich  der  von  Brandenburg,  Mathias  von
Jagow,  nicht  nur  der  neuen  Ordnung  der  Kirche  sehr  geneigt  war,  sondern
sich  selbst  auch  als  ein  vorzüglich  geeignetes  Werkzeug  zur  Ausführung  derselben
erwies.  Daher  hatte  es  denn  mit  der  Sercularisirung  dieses  Bisthums  gar  keine
Schwierigkeit,  ebenso  wenig  wie  mit  der  Einziehung  der  übrigen  Stifter  und
Klöster.  Man  verfuhr  hierbei  mit  löblicher  Umsicht  und  Milde.  Wer  von  den
Ordensgeistlichen  sich  der  Reformation  zuwendete,  wurde  als  Pfarrer  für  den
Dienst  der  Kirche  beibehalten,  Niemandem  aber  Gewissenszwang  angethan  oder
der  Unterhalt,  den  er  durch  seine  bisherige  Stellung  genoß,  entzogen.  Nur
Novizen  aufzunehmen  war  verboten.  So  verschwanden  die  Mönchsklöster  in
kurzer  Zeit;  länger  bestanden  die  Nonnenklöster,  von  denen  einige  sich  bis
in  spätere  Zeiten  erhielten,  doch  auch  sie  wurden  nach  und  nach  protestantisch.
Gelübde  der  Clausur  und  des  Cölibates  durften  nicht  mehr  abgelegt  werden.

Den  ersten  Segen  aus  diesen  kirchlichen  Neuerungen  genoß  die  Universität
  Frankfurt.  Trotz  aller  Sorgfalt,  welche  dieser  seiner  Schöpfung  Kurfürst
Joachim  I.  bis  an  sein  Lebensende  gewidmet  hatte,  war  die  Anstalt  durch
den  Eifer,  mit  welchem  die  theologischen  Lehrer  daselbst  die  Mißbräuche  der
Kirche  gegen  die  Reformatoren  in  Schutz  genommen  hatten,  fast  ganz  und  gar
in  Verfall  gerathen.  Der  größte  Theil  der  Studenten  hatte  die  Anstalt  verlassen,
  nur  die  Aermeren,  denen  Dürftigkeit  den  Weg  ins  Ausland  verschloß,
waren  zurückgeblieben.  Kaum  aber  hatte  Joachim  U.  sich  der  neuen  Lehre
zugewendet  und  entsprechende  Lehrer  nach  Frankfurt  berufen,  so  kehrte  auch  die
Zeit  der  Blüthe  für  diese  Univerfität  zurück,  besonders  da  durch  die  zweckmäßige
Verwendung  der  eingezogenen  Stifter,  wie  z.  B.  des  Karthäuserklosters  (1537),
ihre  Mittel  bedeutend  vermehrt  wurden.