Metadata : Bismarck Die gesammelten Werke. Band 4. (4)

Angebliche  Außerungen  Bismarcks  zu  Baron  Quaade.  227

*181.  Erlaß  an  den  Gesandten  in  Kopenhagen  von  Balan.

[Konzept  von  der  Hand  des  Vortragenden  Rats  Abeken.)
Nach  einem  Berichte  des  Gesandten  in  Kopenhagen  von  Balan  vom  4.  Dezember  hätte  der
dänische  Minister  Hall  dem  russischen  Gesandten  Baron  Nicolai  gegenüber  sich  sehr  verwundert
  darüber  ausgesprochen,  daß  Preußen  neuerdings  solches  Gewicht  auf  die  am

sich  nach  den  Berichten  des  dänischen  Gesandten  in  Berlin  Baron  Quaade  und  nach  Briefen

Sir
A.  Paget  früher  ganz  anders  geäußert  habe.  Minister  Hall  gab  sogar  m  verstehen,  daß  jene
früheren  Auherungen

Berlin,  den  8.  Dezember  1863.

Ew.  pp.  haben  in  dem  gefälligen  Bericht  Nr.  293  vom  4.  d.  M.  der  Darstellung
erwähnt,  welche  der  Minister  Hall  mehreren  öhrer  Kollegen  von  angeblichen  Außerungen
von  mir  gegen  den  Königlich  Dänischen  Gesandten  Herrn  von  Quaade  gegeben  hat,  und
für  welche  er  eine  Bestätigung  auch  in  den  Briefen  Sir  A.  Buchanans  an  Sir  A.  Paget
zu  finden  geglaubt.  Danach  soll  ich  mich  damit  einverstanden  erklärt  haben,  daß  Holstein
in  möglichster  Unabhängigkeit  und  Isolierung  als  Bundesland  einem  durch  die  neue  Verfassung
  eng  verbundenen  Dänemark-Schleswig  gegenübergestellt  werde.  Der  Königlich
Dänische  Minister  hat  darin  sogar  eine  Rechtfertigung  des  übereilten  Vorgehens  mit  der
Votierung  und  Sanktionierung  der  neuen  Verfassung  finden  wollen.

Diese  Auffassung  meiner  Äußerungen  widerspricht  so  sehr  der  ganzen  von  mir  in  dieser
Angelegenbeit  eingenommenen  und  festgehaltenen  Stellung,  daß  sie  eigentlich  keiner  Widerlegung
  bedarf;  ich  will  indes  diese  Gelegenheit  nicht  vorübergeben  lassen,  ohne  Ew.  pp.
durch  eine  getreue  Wiedergabe  meiner  Außerungen  zu  einer  zuverlässigen  Berichtigung  in
den  Stand  zu  setzen.

Als  Sir  A.  Buchanan  mir  auf  Grund  der  von  Sir  A.  Paget  erhaltenen  Nachrichten
mitteilte,  daß  das  dänische  Kabinett  zur  Abwendung  der  Exekution  bereitwillig  sein  werde,
auf  den  Holsteinschen  Anteil  an  den  gemeinsamen  Ausgaben  einstweilen  ganz  zu  verzichten,
bis  derselbe  den  Forderungen  des  Bundes  gemäß  von  den  Holsteinschen  Ständen  in  allen
gesetzlichen  Formen  votiert  sei,  habe  ich  mich  bereit  erklärt,  diesen  Vorschlag  nach  Frankfurt
  m  übermitteln,  und  habe  es  als  meine  Ansicht  ausgesprochen,  doß  der  Bund,  wenn
dieser  Verzicht  sofort  erklärt  und  faktisch  ausgeführt  würde,  darin  allerdings  eine  Nachgiebigkeit
  auf  föderalem  Boden  erblicken  könnte,  welche  zur  Sistierung  der  Exekution  führen
dürfte,  wenn  Befriedigung  der  internationalen  Forderungen  in  betreff  Schleswigs  der
Mediation  vorbehalten  bliebe.:  Mit  Rücksicht  auf  diese  Mediation  (welche  natürlich  voraussetzt,
  daß  der  status  quo  einstweilen  nicht  alteriert  wird),  könne  man  dadurch  einen
provisorischen  Zustand  herbeiführen,  dessen  Unerträglichkeit  für  beide  Teile
dann  vielleicht  beide  zu  einer  billigen  Ausgleichung  geneigt  machen  würde.  Unannehmbar
sei  dieser  Zustand  auf  die  Dauer  für  Holstein  wegen  der  völligen  Isolierung  und  des  Abschneidens
  der  ihm  so  natürlichen  und  notwendigen  Verbindung  mit  dem  Nachbarlande
Schleswig;  unannehmbar  aber  auch  auf  die  Dauer  für  Dänemark,  weil  es  während  desselben
  die  Holsteinsche  Quote  m  den  Gesamtausgaben,  welche  es  nach  den  Außerungen
Sir  A.  Pagets  und  Sir  A.  Buchanans  von  der  Bewilligung  der  Holsteinschen  Stände

1  Der  Erlaß  wurde  gleichzeitig  nach  London,  Petersburg  und  Wien  mitgeteilt.
2  Vgl.  Nr.  144.  145.