Mai 1902. 317
Stellung zu den Fragen der Kontingentierung und der Betriebssteuer
werden Ihnen von dem Herrn Staatssekretär des Reichsschatzamts dar—
gelegt werden.
Die Brüsseler Konvention ist am 5. März unterzeichnet worden.
Wir haben Ihnen diese Konvention so rasch als möglich unterbreitet.
Wir wollen sie weder übers Knie brechen noch durchpeitschen, wie durchaus
unbegründeterweise uns imputiert worden ist.
(Heiterkeit.)
Aber von einer Verschleppung dieser Vorlage würden wir im Interesse
des Landes dringend abraten müssen. Eine solche Verschleppung wird
aber meines Erachtens von keiner Seite tatsächlich bcabsichtigt.
(Heiterkeit links.)
— Nein, meine Herren, das kann ich mir wirklich nicht denken; denn eine
solche Verschleppung würde niemandem zu gute kommen, wohl aber würde
sie den Gedanken aufkommen lassen, daß wir uns schenten, auf dem von
uns betretenen Wege weiter vorzugehen. Es würde dadurch eine Benuruhigung
entstehen, die auf die ganze weitere Behandlung der Materie
im Inland und Ausland ungünstig einwirken, die Mißtrauen gegen unsere
Absichten hervorrufen, und die in jeder Richtung und auf jedem Gebiete
schädlich wirken würde.
(Sehr wahr! links.)
Meine Herren, die internationale Beseitigung der Zuckerprämien ist
seit Jahren angestrebt worden. Zahlreiche Konferenzen — auf deren
Ursprung, auf deren Gang, auf deren Ausgang ich hier nicht näher eingehen
will, die Vorgeschichte der Brüsseler Konvention ist Ihnen ja sehr
wohl bekannt — haben sich mit dieser Frage beschäftigt, bisher ohne
Ergebnis. Schon vor sechs Jahren — ich wiederhole es — hat dieses
hohe Haus an die verbündeten Regierungen den Appell gerichtet, die
Beseitigung der Zuckerprämien, wie es in jener Resolution heißt, „in
tunlichster Bälde“ herbeizuführen. Dieses Ergebnis ist nunmehr erreicht
worden, wenn auch nicht vollständig, so doch im wesentlichen. Denn
wenn auch Rußland, die Vereinigten Staaten und die englischen Kolonien
der Brüsseler Zuckerkonvention bisher nicht beigetreten sind, so ist dieselbe
doch einerseits unterzeichnet worden von unserem bisherigen Hauptkonkurrenten
auf dem Weltmarkt, und andererseits hat uns Großbritannien,
unser Hauptabsatzgebiet, hinsichtlich der Gleichstellung seines Kolonial-=zuckers
mit dem Zucker der Vertragsstaaten wichtige Zugeständnisse gemacht.
Deshalb haben die verbündeten Regierungen geglaubt, die Verantwortung
für ein Scheitern der Brüsseler Konferenzen nicht übernehmen