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Es soll nicht so schlimm sein, meint der Steuermann. Die
Massen da draußen im weiten Kranz werden ungeduldig, ihr
Rufen schwirrt durch die Luft. Ein Uhr ist längst vorbei. Da
ertönt plötzlich das Anschlagen der Glocke in der hinteren Gondel
und wird schnell vom Steuermann zurückgegeben, zum Zeichen,
daß er es verstanden hat. Der Steuerhebel, eben noch auf
„Stopp“ stehend, fliegt auf „Voraus“ herum, die Maschinen
setzen ein, die Musik der Flügelschrauben schwirrt mit hellen
Tönen durch den Raum, die Steuer gehen in die Höhe — —
es steigt! „Glückab!“ Hurral Hurral Hurral — Maschinenlärm,
Schraubengeräusch, Musik, Menschenstimmen, ein Gemisch von
Tönen, so sonderbar, wie man es sonst nirgends hören kann.
Wir steigen, wir fahren. Unter uns wird der Riesenkreis
der Zuschauer nun erst in seiner ganzen gewaltigen Größe
sichtbar, Menschen stürzen uns nach, Taschentücher wehen,
Schirme werden zum letzten Gruß geschwenkt. Vorbei! Schon
dreht der Körper des Schiffes, das bald 200 m Höhe erreicht,
Düsseldorf zu. Rath wird überflogen. Auf Straßen, auf
Feldwegen, auf Dächern, überall rennt es, jagt es; die Menschen
da unten sind aubßer sich vor Freude. Sie sehen „ihn“;
sie müssen das Schiff in dieser mäßigen Hôhe deutlich erkennen.
Ich winke, sofort erwidern weiße Tücher den Gruß. Die Jugend
zumal ist wie närrisch; sie will den Genuß recht lange haben,
rennt hinter dem schnellen Segler der Lüfte her, querkeldein,
bis die ungleichen Renner auseinandergeraten. Denn 2 III
fährt schon mit über 40 km Geschwindigkeit, da ist nicht mitzukommen.
Jetgt nähern wir uns Düsseldorf, überqueren die
bunte Zeltstadt der Landwirtschaftlichen Ausstellung und kreuzen
den Zoologischen Garten. Noch ein kleiner Bogen in die
Stadt hinein, eine schlanke Kurve, und der Weg geht nunmehr
genau nordwärts, Duisburg zu. Noch einige Vorstädte,
vereinzelte Siedlungen, Bauernhäuser — das ländliche Gebiet
ist erreicht, In der Ferne winkt der Duisburger Wald. Die
Menge der Menschen nimmt ab. Hinter uns liegt im weißen
Nebel die niederrheinische Hauptstadt. Ich fühle fast körperlich,
wie sich jetzt 300 000 Augenpaare auf jenen Riesen richten,
der in kühnem Fluge dem Weichbilde der Stadt entschwebt.
Nach den Aufregungen der Abreise, dem Wirbel der Bilder
über der Großstadt wirkt die Stille wie Balsam. In den
Bäumen, die wie ein grünes Feld unter uns liegen, wiegt sich
ein leiser Wind. Sie neigen ihre Kronen vor dem Segler der
Lüfte. Auf den Weiden, die von einzelnen rotgededreten Häu-