Full text : Kriegführung und Politik.

150  VI.  A.  Innere  Politik  und  Kriegführung  bis  zur  Revolution  von  oben.

des  Hindenburgprogramms,  die  die  großen  Unterschiede  zwischen
Soldatensold  und  Arbeiterlohn  zunächst  in  der  Heimat  scharf  hervortreten
  ließen.  Dadurch,  daß  viele  Stellen  der  Etappe,  um  Mannschaften
  für  die  Front  zu  gewinnen,  mit  Hilfsdienstpflichtigen  besetzt
wurden,  traten  diese  Mißstände  auch  unmittelbar  im  Rücken  des
Heeres  hervor.  Die  Gesamtwirkung  war  bei  den  Ersatztruppenteilen
und  der  Etappe  Steigerung  der  Unzufriedenheit.  Es  bleibt  ein
Ruhmesblatt  der  fechtenden  Truppe,  daß  bei  ihr  schließlich  auch  dies
nicht  ausschlaggebend  war.

Einer  Erwähnung  bedarf  noch  die  Handhabung  der  Reklamationen
  durch  die  militärischen  Dienststellen  der  Heimat.  Vieles
hätte  dort  besser  sein  müssen.  Die  Ungerechtigkeiten,  die  hierbei  vorkamen,
  sind  nicht  zu  entschuldigen.  Sie  sind  aber  nicht  allein  den
militärischen  Dienststellen,  sondern  vornehmlich  anderen  Behörden
und  Arbeitgebern  oder  auch  politischen  Stellen  zur  Last  zu  legen.
Der  Mißmut,  den  sie  erregten,  saß  namentlich  bei  den  fechtenden
Truppen,  die  die  Last  des  Krieges  zu  tragen  hatten  und  über  eine
solche  Günstlingswirtschaft  erbittert  wurden.

Betrachtet  man  die  Verschlechterung  des  Geistes  in  der  Heimat
und  im  Heere  getrennt  voneinander,  so  kann  das  Urteil  nur  dahin
gehen,  daß  der  Geist  des  Heeres  zu  einer  Zeit  noch  fest  war,  als  der
Volksgeist  schon  im  Abnehmen  begriffen  war.

Das  war  eine  natürliche  Folge  der  Zustände  in  Heer  und  Volk:
soweit  das  Heer  in  Betracht  kam,  das  Verdienst  des  Offizierkorps,
vorzugsweise  des  aktiven  Offizierkorps;  soweit  das  Volk  in  Betracht
kam,  die  Schuld  der  Regierung  und  der  Reichstagsmehrheit  vom
19.  Juli  1917  einschließlich  der  Unabhängigen  Sozialdemokratie.
Diese  Abstufung  blieb  bestehen,  als  der  Geist  auch  im  Heere  nachgab
und  im  Volke  sich  weiter  minderte.

Von  einer  nennenswerten  Verschlechterung  des  Volksgeistes
aus  dem  Heere  selbst  heraus  kann  nicht  die  Rede  sein.  Dagegen
ist  unzweifelhaft,  daß  der  Volksgeist  zerstörend  auf  das  Heer  eingewirkt
  hat,  was  dann  wieder  auf  die  Heimat  zurückgeschlagen
haben  kann.  Die  Minderung  der  kriegerischen  Tugenden  lag  in
ihrer  Wirkung  in  der  gleichen  Richtung  wie  die  des  Volksgeistes  in