Metadata : Demokratie und Kaisertum.

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Und  was  sie  ihm  dann  werden  geben  müssen,  ist  Liberalismus:  das  volle
freie  Kecht  im  Staat,  nichts  anderes,  nichts  besonderes,  aber  eben  dieses.
Irgendwann  wird  der  Kaiser  sagen  müssen:  ich  will,  daß  ohne  Rücksicht
auf  Duartei,  von  allen  Staats=  und  Mlilitärbehörden  und  Gerichten  ein
Arbeiter  behandelt  wird  wie  jeder  andere  Staatsbürger!  Wieviel  ein
solches  Wort  ausmachen  würde,  kann  nur  der  ermessen,  der  in  den
Arbeiterblättern  verfolgt,  wie  die  verschiedenartige  Behandlung  heute  wirkt,
und  wie  ausgedehnt  sie  vorkommt.

Bis  aber  dieses  Wort  eimmal  gesprochen  wird,  ist  der  Kaiser
gezwungen,  trotz  Hrotestantismus,  Handelspolitik,  Modernität  der  Wirtschaftsauffassung,
  sich  mit  dem  Sentrum  gut  zu  stellen.  Die  Gründe  dazu
sind  früher  ausgeführt  worden,  und  Bülows  Dermittlerrolle  zwischen
Berlin  und  Rom  ist  bereits  dargestellt.  Es  blieb  dem  laisertum  nichts
anderes  übrig,  als  seine  protestantische  Tradition  für  eine  Heriode  zu
unterbrechen.  Dohenlohe  hat  die  Wege  geebnet,  jetzt  fährt  der  Wagen
fast  von  selbst.  Wenn  der  Schwerpunkt  der  deutschen  Staatsleitung
von  rechts  nach  links  verlegt  werden  soll,  so  muß  er  eine  Weile
auf  die  Mitte,  auf  das  Sentrum  gestützt  werden.  Der  Landesbischof
der  größten  evangelischen  Landeskirche  muß  in  einer  früher  unerhörten
Weise  dem  Katholizismus  sich  nähern.  Die  religiöse,  innere  Seite  des
Vorganges  geht  uns  hier  nichts  an,  auch  sind  wir  überzeugt,  daß  gerade
bei  Wilhelm  II.  der  Drotestantismus  innerlich  unzweifelhaft  fest  bleibt;
aber  zum  Gesamtbilde  des  jetzigen  Kaisers  gehört  es,  ihn  in  Maria
Laach  zu  sehen,  wo  er  den  Benediktinern,  die  das  landwirtschaftlich  und
künstlerisch  wunderbar  feine  Erbstück  der  Jesuiten  einstweilen  verwalten,
einen  Dochaltar  schenkt.  Dieser  Dochaltar  erinnert  in  merkwürdiger  Weise
an  frühere  Reden  in  Wittenberg,  besonders  wenn  man  hinzunimmt,  daß
Abt  Benzler  zum  laiser  sagte,  jetzt  stehe  er  „an  der  Glanzstätte  der
christlichen  Kultur  deutscher  Lande“.  Oder  man  höre  die  Worte  des
Drälaten  Dr.  Bellerheim  in  Aachen,  der  im  Juni  1002  zum  aiser  sprach:

Für  Kaiser  und  Reich  beten  wir  hier  Tag  für  Tag  im  Kreislauf  des
Jahres.  Diese  Gebete  werden  begonnen,  wenn  das  Morgenrot  dem  Schoße
der  Frübe  entsteigt,  sie  setzen  sich  fort,  wenn  die  Sonne  ihre  Höbe  erreicht,
und,  Ulajestät,  sie  ersterben  erst  dann  auf  unseren  Lippen,  wenn  die  Schatten
des  Abends  empordämmern.