Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

300  Geschichte  der  Akademie  unter  Frieprien  WirseLm  1.  (1786-1797).

HrErTzBere’s  Absicht,  der  Akademie  neues  deutsches  Blut  zuzuführen,
  war  vortrefflich,  aber  Alles  kam  darauf  an,  dass  er  die
rechten  Männer  fand.  Die  fünfzehn  neuen  Mitglieder  waren  RanLer,
SELLE,  CASTILLON  jun.,  Enger,  Bone,  MEIEROTTO,  ERrMAN  sen.,  An-CILLON
  SEN.,  \WVOELLNER,  SILBERSCHLAG,  LELLER,  TEMPELHOFF,  FERBER,
Morisex  und  Mayer.  Drei  von  ihnen  gehörten  der  Colonie  an';
HErTzBERG  bewies  mit  ihrer  Wahl,  dass  er  die  Halbfranzosen  keineswegs
  prineipiell  auszuschliessen  gesunnen  war.  Die  zwölf  übrigen
waren  Deutsche.  Einige  von  ihnen,  nämlich  Bope,  MEIEROTTO,
TFMPELHOFF,  FERBER,  MoEHsEeN  und  MaAavER  waren  mit  Recht  geschätzte

  Fachgelehrte”;  aber  RAmLER,  SFLLE,  CAsTILLoXx,  ENGEL,

....  »Die  Anekdote  von  der  Akademie  ist  beissender,  als  ich  in  meinem  letzten
Bericht  erzählte.  Einer  von  der  Akademie  mit  Namen  Scnürz  (—  einen  solchen
gab  es  nicht;  es  ist  wohl  J.  C.  Scuurze  gemeint  —)  hat  einen  sehr  heftigen  Brief
über  Hrn.  v.  Herrzuers  an  den  König  geschrieben,  und  zwar  über  seine  Art,  die
Akademie  willkürlich  zu  beherrschen.  Der  König  hat  den  Brief  an  Hrn.  v.  Her'rz-BERG
  geschickt,  ein  sehr  deutliches  Zeichen  der  Missbilligung  in  diesem  Lande.
An  eben  diesem  Tag  schlug  Büscaıseo  (der  Geograpl)  die  Stelle  in  der  Akademie
aus,  wenn  man  nicht  eine  Pension  von  1000  Thlr.  damit  verbinden  wollte.  Statt
aller  Antwort  auf  die  Klagen  des  ScaÜrz  ernannte  lIr.  v.  Hrrrzeers  den  Erman.
ohne  Jemand  desswegen  zu  fragen,  und  der  König  setzte  zu  der  Ernennung  ohne
Schwierigkeit  sein  Ja.«

!  CasrıLLos  war  ein  sehr  unbedeutender  Philosoph,  Ersan  Prediger  und
ein  zwar  nicht  hervorragender,  aber  doch  um  die  Geschichte  der  Hugenotten  in
Berlin  verdienter,  m  seines  Charakters  willen  geschätzter  Historiker  (er  wurde
aufgenommen,  nachdem  Büscaıns  abgelehnt  hatte),  Axcıron  war  Prediger  und
Philosoph  (BarrnorL.sess  hat  ihn  in  seiner  »Histoire«  einen  eigenen  Abschnitt  gewidinet).
  Sie  alle  sind  im  Jahre  1814  gestorben,  nachdem  sich  CasrıLLon  als  der
hartnäckigste  Gegner  einer  Reform  der  Akademie  im  Sinne  Huxnorvr's  und
SCHLEIERMACHER  S  erwiesen  hatte.

®2  Bope  (1747  —-ı826)  war  bereits  seit  14  Jalıren  für  die  Akademie  thätig  und
trat  nun  erst  als  ordentliches  Mitglied  ein.  Als  Director  der  alten  Sternwarte  (an
der  Dorotheenstrasse),  die  im  Jahre  1800  auf  seinen  Antrag  umgebaut  wurde,  hat
er  sich,  namentlich  durch  seine  Sternkarten,  hohe  Verdienste  erworben  (s.  oben
S.439f.).  —  Meırrorro  (1742-1800),  erst  Professor,  dann  Director  des  Joachimsthalschen
  Gyınnasiums  (vox  ZEvuLrrz  und  MERIAN  gebührt  das  Verdienst  dieser  Wahl),
hat  nicht  nur  seine  Anstalt  reorganisirt,  sondern  sie  zum  Muster  für  die  preussischen
  Gyinnasien  gemacht  und  auf  das  höhere  Schulwesen  in  Preussen  im  Oberschulcollegium
  den  segensreichsten  Eintluss  ausgeübt.  —  TEMPELHOFF  (1737  —1807),
Mathematiker,  ausgezeichneter  Artillerie-  Officier  und  Geschichtsschreiber  des  Siebenjährigen
  Krieges,  der  umfassendst  gebildete  Militär,  den  Preussen  am  Ende  des
vorigen  Jahrhunderts  besass,  starb  als  General  -  Lieutenant  und  Ritter  des  Schwarzen
Adlerordens.  —  FERBER  (1743-1790),  von  den  besten  schwedischen  Chemikern  und
Bergbau-Technikern  ausgebildet,  war  aın  Ende  des  ı8.  Jahrhunderts  einer  der  verdientesten,
  ja,  neben  WERNER  vielleicht  der  hervorragendste  Geognost  und  Mineralog
  in  Europa.  Umsonst  hatte  es  Frırprıcn  der  Grosse  schon  im  Jahre  1777  auf
von  Heyntr2’  Anregung  versucht,  ihn  in  preussische  Dienste  zu  ziehen;  erst  1786