Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1841. (18)

Abschnitt  IX.  Strafgesetzbuch.  Bankerutt.  633

Vierundzwanzigster  Abschnitt.  Bankerutt.

(Durch  8.  3  Nr.  3  Einf.  Ges.  zur  Konk.  O.  10.  Febr.  1877  sind  die  §§.  281—283
R.  Str.  G.  B.  aufgehoben  und  die  hier  folgenden  ös.  209—214  Konk.  O.  an  deren
Stelle  gesetzt  worden.)

S.  209.  Schuldyner,  welche  ihre  Zahlungen  eingestellt  haben  1),  oder  über
deren  Vermögen  der  Konkurs  eröffnet  worden  ist,  werden  wegen  betrüglichen
Bankerutts  mit  Zuchthaus  bestraft,  wenn  sie  in  der  Absicht,  ihre  Gläubiger  zu
benachtheiligen

I.  Vermögensstücke  verheimlicht  oder  bei  Seite  geschafft  haben,

2.  Schulden  oder  Rechtsgeschäfte  anerkannt  oder  aufgestellt  haben,  welche
ganz  oder  theilweise  erdichtet  sind,

3.  Handelsbücher  zu  fübren  unterlassen  haben,  deren  Führung  ihnen  gesetzlich
  oblag,  oder:)

4.  ihre  Handelsbücher  vernichtet  oder  verheimlicht  oder  so  geführt  oder
verändert  haben,  dass  dieselben  keine  Uebersicht  des  Vermögensstandes  gewähren.


Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,  so  tritt  Gefängnissstrafe  nicht  unter
drei  Monaten  eins).

S.  210.  Schuldner,  welche  ihre  Zahlungen  eingestellt  haben,  oder
über  deren  Vermögen  das  Konkursverfahren  eröffnet  worden  ist,  werden
wegen  einfachen  Bankerutts  mit  Gefängniss  bis  zu  zwei  Jahren  bestrakt,
wenn  sie

1.  durch  Aufwand  h),  Spiels)  oder  Differenzhandel  mit  Waaren  oder  Börsenpapieren
  übermässige  Summen  verbraucht  haben  oder  schuldig  geworden  sind,

2.  Handelsbücher  zu  führen  unterlassen  haben,  deren  Führung  ihnen
gesetzlich  oblag,  oder  dieselben  verheimlicht,  vernichtet  oder  so  unordentlich
geführt  haben,  dass  sie  keine  Uebersicht  ihres  Vermögenszustandes  gewähren,
  oder

3.  es  gegen  die  Bestimmung  des  Handelsgesetzbuches")  unterlassen  haben,
die  Bilanz  ihres  Vermögens  in  der  vorgeschriebenen  Zeit  zu  ziehen.

211.  Schuldner,  welche  ihre  Zahlungen  eingestellt  haben  oder  über
deren  Vermögen  das  Konkursverfahren  eröffnet  worden  ist,  werden  mit  Gefängniss
  bis  zu  zwei  Jahren  bestraft,  wenn  sie,  obwohl  sie  ihre  Zahlungsunfähigkeit
  kannten,  einem  Gläubiger  in  der  Absicht,  ihn  vor  den  übrigen  Gläubigern
zu  begünstigen,  eine  Sicherung  oder  Befriedigung  gewährt  haben,  welche  derselbe
  nicht  oder  nicht  in  der  Art  oder  nicht  zu  der  Zeit  zu  beanspruchen  hatte.

8.  212.  Mit  Zuchthaus  bis  zu  zehn  Jahren  wird  bestraft,  wer

1.  im  Interesse  eines  Schuldners,  welcher  seine  Zahlungen  eingestellt  hbat,
oder  über  dessen  Vermögen  das  Konkursverfahren  eröffnet  worden  ist,  Vermögensstücke
  desselben  verheimlicht  oder  bei  Seite  geschafft  hat,  oder

2.  im  Interesse  eines  solchen  Schuldners,  oder,  um  sich  oder  einem
Anderen  Vermögensvortheil  zu  verschaffen,  in  dem  Verfahren  erdichtete  Forderungen
  im  eigenen  Namen  oder  durch  vorgeschobene  Personen  geltend  gemacht
  hat.

Sind  mildernde  Umstände  vorhanden,  so  tritt  Gefängnissstrafe  oder  Geldstrafe
  bis  zu  sechstausend  Mark  ein.

1)  Wirkliche  Zahlungsunfähigkeit  braucht  nicht  vorzuliegen,  E.  Crim.  III.  294.

2)  Vergl.  Art.  10,  28  H.  G.  B

3)  Der  betrügerische  Bankerutt  ist  vollendet:  a)  wenn  die  auf  Benachtheiligung
der  Gläubiger  gerichtete  Handlung  der  Zahlungseinstellung  oder  Konkurseröffnung
nachgefolgt  ist,  mit  Vornahme  der  Handlung;  b)  wenn  sie  ihr  vorangegangen  ist  oder
mit  ihr  zusammentrifft,  mit  Eintritt  der  Zahlungseinstellung  oder  Konkurseröffnung,
E.  Crim.  II.  340.  Die  Verjährung  kann  daher  vor  der  Zahlungseinstellung  oder
Konkurseröffnung  nicht  beginnen,  E.  Crim.  XVI.  188.  ½!

4)  Begriff  des  Aufwands:  Alle  das  Nothwendige  oder  Uebliche  in  den  Lebensverhältnissen
  des  Schuldners  übersteigende  Aufwendungen,  E.  Crim.  XV.  309.

6)  Darnnter  ist  nicht  das  sog.  Börsenspiel  zu  verstehen,  E.  Crim.  XV.  277.

6)  Art.  29  ff.  H.  G.  B.