Aum̃mer 122 /
ten allgemein zu oal-bren: ebenso jenen Ge.-legenheilearbeitern,
die der Verwaltung gegemüber
verpflichtet sind, sich jederzeit für
Dienstleistungen zur Verfügung zu halten, sofern
sie im Staatsbetrieb in Beschäftigung stehen.
Bei etwaigen künftigen Regelungen dieser
Zulagen darauf zu sehen, daß Beschäftigte mit
niederem Einkommen mit entsprechend höheren
Zulagen bedacht werden. 3. Die Kinderbeihil.
sen für alle Kinder ohne Rücksicht auf Jahl und
Lebensalter zu gewähren, die sich noch in der
Berufsbildung befinden oder durch Krantheiten
die sinanzielle Leistungssähigleit der Eltern belasten.
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Nach dem Antrag Oswald blieb die Frage
ofsen, wie hoch die Beträge sein sollen, die ge
währt werden. Dagegen beantraglen die Sozialdemolraten:
„Die Bestimmungen über die
Gewährung der Teuerungszulagen dabin abzuändern,
daß den ledigen und verwitweten
Staatsbeamten und Staatsarbeitern eine monatliche
Zulage von 3 Mark allgemein, den verheirateten
ein solche von 6 Mark gewährt wird.
unter Beibehaltung der bis jehtt besteh enden Ver
stimmungen hinsichtlich der Kinderzulagen.“ Im
Lause der Beratungen stellte der Referent Adg.
Dr. Schlittenbauer (Z., zum Antrag Oswald
(Zisser 1) folgenden Zusatzantrag: Das Wort
„ allgemein“ sei zu streichen, und hinter „gewähren“
sei einzusetzen: „soweit ihr Gesamt.
jahreseinkommen 1200 Mark nicht übersteigt.“
Der Finanzminister führte aus, daßs den
Wünschen des Antrages Oswald durch die Bekanntmachungen
vom 20½. April und vom 20.
Mai schon tunlichst entgegengekommen sei. Der
Cesamtjahresaufwand der Kriegeleuerungsbei
hilsen und .Unterstützungen berechne sich auf
mindesteno neun Millionen Mark. Bei einem
Arbeitslohne von 3 Mark werde die Zulage noch
gewährt. Für die Pensionißten sei der Weg der
Unterstutzungen mit Ruäsicht auf das Verfahren
in allen größeren Bundesstaaten gewählt worden.
Die Ledigen seien nicht unbeschränkt einbezogen
worden, einmal wegen des hob en Mehr
aufwandes, dam mit Rütsicht auf dad Uer
sahren in den übrigen Staalen und mit Nücksicht
auf ihre geringere Bedürsftigleit. Der e
danke der Ahfstufung der Beihilfen nach de:
Einkommen Serde bei einer etwaigen heiter
notwendig werdenden Regelung besonders ernstlich
erwogen werden. Die Regelung in Bayern
dürfte wohl am weitesien entgegenkommen. Er
bitte, den Amrag Oswald durch das Vorgehen
der Staatoregierung für erledigt zu erklären.
Die Forderung der Petition des Verbandes der
Gemeinde- und Staatsarbeiler usw. würde einen
Auswand von 24 bis 20 Millionen notwendig
machen, auch die Vorilellung des Verlehröbeamtenvereins
und der Petiltion der Arbeilagemeinschaft
bayerischer Slaalsbeamtenvereine lie
sen auf einen fast unerschminglichen Aufwand
ron Sta« Eritteln binaus.
Bei der Abstimmung wurde der Antrag der
Sonialdemokraten mit sehr grob' ftß Mehrheit abaclehnt,
der Antrag Osraald in seinem ersten
Puntte mit der Aenderun des Zusatzantrages
dr. Schlittenbauer mit geringer Mehrbeil, in
den übrigen Punkten einstimmig angenommen.
Mũuchener Neuigkeilen.
München. 29. Moi. Zu Ehren der türkischen
Abgeordneten sand heute im Sitzungssaal des
Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten eine
Feslsitzung statt, an der auch mehrere Minister,
das diplomatische Korps, die Staatobehörden
uiw. teilnahmen. Nach einem musikaltschen und
acianglichen Vortrag DBielt Oberbürgermeister
#. Vorscht eine Begrüßungsansprache, die mit
einem Hoch auf den Kaiser der Ollomanen en.
dete. Nach dem Vortrag der türkischen National.
lhymne durch das SZtreichorchefler antwortete
der Vizepräsident der lürlischen Kammer Djalid
Bey mit einer längeren Rede in türlischer
-Sprache, welche von General Hassan Riza
Pascha ins Deutsche übertragen wurde. Er gab
dem Wunsche Auedruck, daß in Deutschland
die Sitten und Gebräuche der Türkei besier
verstanden würden, denn manche falsche Meinung
bestehe noch über sie, bejonders uber die
mohammedanische Religion. Die Rede schloß
mit einem Hoch aufs König 4 Ludwig. Nach der
Sitzung wurde an den Sultan ein Telegramm
abgesandt. Nachmittags unternahmen die tür.
tischen Gäste einen Ausflug an den Chiemsee
zur Besichtigung des Königeschlosses Herrenchiemsee.
münchen, 29. Mai. Wie der Krieg oft
brausam in das Leben des einzelnen greift,
zeigt das Schicksal einer greisen Mitbürgerin,
der in der Landsbergerstr. 65 wohnhaften
hundertjährigen Helene Buchner. Durch drei
Cener-lionen erfuhr die im großen Jahr 1817
geborite Buchner nicht soriel Leid als seit
Kriegsausbruch in wenigen Monaten. Vor dem
Kriege lebte die längst zur Urgroßmutter gewordene
Greisin mit ihrer Tochker, die selbst bereits
Großmutler und außerdem Mutter einer
verheirateten Tochter und von fünf Söhnen
war, in schönster Eintracht msammen. Im Kreise
ihrer Familie hatte die alle Frau um nichts
zu klagen, um so mehr als die fünf Enkel
in Gemeinschaft mit dem Schwiegersohn, lauter
arbeitssame, tüchtige junge Männer alles
daran setzten, ihrer Mutter und einem siebzehn
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El4 7
Mitfchoch, 31. Mäs 7916
die Fr vont!
Pltamiln.
Jahre lang ans Kranlenbett gesessellen Vater
ein auskömmliches Dalein und der geliebten
Urgrokmutter einen sorgenfreien, friedlichen Le
bensabend zu bereiten. Aber da kam der Krieg,
die funf jungen Leute mußtten ins Feld, ebenso
Schwiegersohn. Und nun ging es Schlag
Schlag. eine Hiobspost solgte der anderen
die fünf Enkel starben den Heldentod, der
Schwiegersohn wurde als vermißt gemeldet. Zugleich
erkrankten drei Urenkel, die Kinder des
Schwiegersohns, schwer somie dessen Frau. Auch
deren Mutter, die Mutter der Gefallenen sank
aufs Krantenlager, während die Frau eines der
(Gesallenen unler der Katastrophe zusammen.
brich und in geistige Umnachtung fiel. Schlimmer
tonnte das Schitsal nicht wüten. Solange
alle die Hundertjäh rige allen Schisalsstürmen
getrotzt und in noch ungewöhnlicher Rüstigkeit
und Gesundheit einem friedlich verklärten Lebendoabend
entgegengeharrt. Nun brach auch
nic zusammen unter dem Uebermaß des Grams.
Halbblind und bettlägerig siecht sie hin. Ein
Alter, das sonst im Leben des Menschen zum
staunen- und ehrfurchterregenden Ereignis sich
gestaltet, wurde der Greisin zur bitteren Bürde.
Not und Elend sind an Stelle eines sorgenlosen
Lebensabends eingekehrt, der Wohlfahrtsaus.
schuß sucht zwar, soweit es innerhalb seiner vom
Gesetz gezogenen Schranken möglich ist, zu lindern.
—
—
auf
Bayer. Veteranen- u. Kriegerbund.
München. 29. Mai.
Am Sonntag hielt in München der Kal.
Baverische Veteranen- und Kriegerbund, der bei
Ausbruch des Krieges auf sein 40jähriges Bestehen
zurückblien lonnte, unter dem Vorsitz
des ersten Präsidenten Generalleutnants z. D.
von Winneberger seinen 26. Abgeordnelemag
ab, nachdem der für das Jahr 1914 vorge
sehene. Abgeordnetentag mit Rücksicht auf den
Krieg verschoben werden mußte. Ueber 400
Vertreter von bayerischen Bundesvereinen, da.
runter ergraute Mitstreiter aus dem deutsch
französischen Krieg 1870.71 hatten sich dazu
eingesunden; ferner hatten Vertreter entsandt
das Ministerium des Innern und das Kriegsministerium.
In seiner Begrüßungsansprache wies Präsident
Generalleutnam von Winneberger auf die
bisherigen Siege der deutschen Truppen und
ihrer Verbündelen hin und hob dabei hervor,
dah gerade die bayerischen Truppen auf allen
Schlachtfeldern und in allen Gesechten Hervylragendes
geleistet haben, wofür ihnen der herz.-lichste
Dank gebühre. Es heiße aushallen und
Durchhallen bie zur völligen Besiegung des
Cegnere. Die Flaumacher sollten daran den.
ten, wie es aussehen würde, wenn der Feind
im Lande wäre. Es sei eine dankbare Auf.-hobe
der Angehörigen des Bundes, draußen
lustlärung zu schaffen. Da es eine Cerechtig.
leil in der Weltgeschichle gibt, läßt jie uns den
deulschen Sieg erhosffen. Das Hoch des Redners
r König und Kaiser fand begeisterten Widerhall.
Zur Erörterung ftand eine Reihe von An.
trägen, die mit dem Veteranenwesen zusam.
menhängen. Es wurde u. a. beschlossen, es den
einzelnen Bezirken zu überlassen, Bezileaus“
schüffe mit eigener Kompetenz zu errichten. Wei-
ter wurde auf die unbedingte Pflicht hingemie
sen, auch jetzt in der Kriegszeit, wenn auch mit
Migliederabgängen zu rechnen sei, die „Bayeri
iche Kriegerzeitung“ zu halten. Begüch eines
Antrages des Bezirkes Neuftadt a. H. und
des Bezirkes Würzburg, „dahin zu wirken, daß
die Organisation der militärüchen Jugendorganisalion
sobald als moglich aus einer freiwilligen
in eine Pllichtorganisation auf gesetz.
licher Grundlage umgewandelt werde“, Uurde
müsgeteilt, daß das Präsidium des Bundes, bei
der nächsten Vorstandssitzung des Kyffhämerbundes
den Antrag siellen werde, daß seitens
des Kusshäuserbundes eine Eingabe in dieser
Hinsich: an den Reichskanzgler gemackt werde.
Mehrere Anträge wurden fur den näusten Ab
gecronelentag zuruckgestelll, so die Enlccher
dung, od Mitglieder der freiw. Sanitatelolon
nen, die im Felde jlanden, als Mitglieder der
Vunderereine aꝛ genommen werden konnen und
die Frage ermäbh igter Fahrpreise für die Bun
desmitglieder zu den Abgeordnetentagen. Abgelehut
wurde ein Antrag, die Abgeorduetenlage
abwechflungoweite auch in Provinsstadien
abzuhalten. Di: Festsenzung der nächiten Tagung
wird dem Präsioium überlassen.
Von echt lameradsch aftlichem Geist und so
zialem Empfinden zeugte ein Entichluß des
Ehrenmitgliedes Kommerzienrates Morgenstern.
Fürth, der dem Präsidium einen Betrag von
20.000 Mt. zur Linderung der Not von Ange-Dhörigen
des Bundes und weilere 50001!) Mt. zu
Eunsten der Ausstattung und Sicherung der
Vetekanen, und Kriegerheime zur Verfügung
steilte. Mit lebhaftem Beifall wurde diese
Schenkung bedankt.
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Das wohlgenährte München.
Unter diesem Tilel wendet sich die „Münchner
Zeitung“ gegen eine eifersüchlige Pressestimme
aus Berlin (V. .), in der darüber gellagt
wurde, daß Bayern im Vergleich zum Norden
allzu reichlich mit Lebenemitteln bedacht werde.
Indem nun die „Münchner Zeilung“ einiges
über die grundsätlich werichiedene Lebensmittel
organisalion zwischen Süd und Norddeutschland
sagt, weist sie auck darauf hin, daß es in Norddeutschland
viele Leute gibt, die sich um jeden
Preis Lebenomittel um teures Geld beschaffen
wollen, weil sie es haben, was aber wieder da
zu führt, das, Eier, Hühner, Kalbfleisch und
andere von den Wohlbabenden gesuchte Wa
ren doppelt so teuer als bei uns geworden find.
Ein weiterer Grund für die noch verhällnis
mäsig billige Lebenshaltung in München liegt
in den besseren behördlichen Maßnalmen, wie
Preisaushang und kontrolle, Belämpfung des
Wuchers usw., sowie endlich in der Tatjache,
daß das Leben in Norddeutschland schon im
Frieden viel üppiger ist als im Suden, wo in.
folgedessen die Lebenomittelknaxpheit nicht so
stark preistreibend wirkl. Hierzu kommt, daß
Bapern, vor allem die Großitädte, jtärlere be
lordliche Einschränkungen des Verbrauchs tra
sen als Berlin, in dem es z. B. keine allgemeinen
Fleisch und Milchkarten gibt. München hat
in Hotels nur tondensierte Milch, Berlin noch
immer frische. Bei uns erhalten die in den
Hotels übernachtenden Fremden an den feitlosen
Tagen keine Butter, in Berlin schon. Von
Fleischknappheit ist in den dortigen Hotels nichts
zu spüren, da diese infolge der unzureichende?
Berliner Organisation gemeimam mit den Nechen
das Fleisck, den Armen und dem Minestande
vor der Nase weglaufen.
7 Unsere Leistungen find enorm wegen der
gros en Einschrankungen, die sich die banerische
Berollerung auferlegt. Gewaltige Viehmengen
liefert Bayern an das Heer, wohl an die =
bis Sil OnO Stuck Grokvieb im Monat, beden
tende Gelreidemengen geben nach Norddent!i1
land. Käse wandert noch heute über die Gren
„en, während die Bumerliejerungen erst seit
etwa zwei Monaten eingeieilt zind. Solche Aur
fuhrrerbote lhaben nur den Zwet. Bayerne.
Biehmand und andere Lebensmittelquelien voder
Auerauberung. und volligen Zeri#orun:
durch mirten und norddeutiche Händler #.
schutzen, die riel hohere Preise bieten, als ie
in Bayern zu erzirlen find. Ohne die Aus
juhrbeichranlungen mare der VBiebftand, die
Milck, Butter- und Kaseerzeugung langst ver
nichtel, nit#t zuletzt zum Schaden des Reiche-Bayern
hatte dann dieselben Lohen Preise me
Norddeutschiand.
Banern und vornehmlich Munchen hat un
Großen gehamstert, wird uns vorgeworfen. War
entipricht nun den Tatiacken: An I Teigware:
Hülsemruck ten und Reis hat Bayern hochten
so viel erhalten wie die anderen Landeoteile
Lobei wiro über die Gute der nach hier gefalle
neu Hulienjruchte noch in Friedenszeilen
reden sein. An vielen der auf das Reich von
den Berliner Zentralnellen zu verteilenden Wa
ren betraf aber Bayerns Anteil eine viel ge
ringere Menge als die, die auf andere Reichleile
lamen, wo allerdings die Hilfe, so in den
groben Industriezentren, weit dringender war
Was zum Schluß den Vorwurf angehl, daß
à2° Nack#lager in den Munckener Hotels bir
zur Hälfle billiger gemorden, so mun dicic fur
das Hotelgewerbe betrübliche Erscheinung zu
gegeben werden. Munchene Fremdenverlehr
durch den Kireg lahmgelegt und mancher Gast
hofbesitzer uberlegt, ob er mit der Schließung
seiner Betriebes nicht mehr verdient als mit
der Weiterfuhrung. Berlin lat einen Verlehr
wie mindesiens in Friedenzszeilen.
Bewerische Nachrichlen.
Ingolstadt, 29. Mai. 10 CM Stück Clcr.
melche dem Sladimagistrat Angolstadt auf An
suchen von der banerischen Eierversorgungsstelle
Müncken zum Verlauf auf dem Eiermarkie und
zur Äbgabe an den Kleinhandel Zugewieien
und angeblich von den beauftragten Firmen ver
frachtet worden sind, konmen ungeachtet aller
Bemuhungen bei den Bahnbehörden nicht ermittelt
werden.
Tandsbut, 29. Mai. Das Gemeindeko!
legium genet migte den Gemeindel aushaltplan
fur 1916 mit emer Umlage von 15/17 Prozent
aus einem Staatssteuersoll von 308 505 Mark.
die 462 757 Ml. ergibl, der Reservefonds de
tragt 240.0 Mil.
Kempten, 29. Mai. Von einem furchtbaren
Unwetter wurde unsere Stadt heimgesucht. Eine
volle Viertelstunde sielen die Hagelkörner, oji
weit uber die Größe eines Taubeneies, ein Vild
völliger Verwüstung und Vernichlung zurück
lassend. Am verderblichsten hauste das Unwetier