Zwölfter Abschnitt.
Eben so wie der König Friedrich II. sich darauf verließ, daß
er in Zeiten des Krieges gegen das Haus Oestreich wegen des
gemeinsamen Interesses seinen natürlichen Bundesgenossen an
Frankreich haben werde: so legte auch der Hof von Versailles
Gewicht darauf, daß diese rasch aufgewachsene Macht dennoch zu
schwach zu einer eigenen Selbständigkeit sei und deshalb fran—
zösischer Hülfe bedürfe. Es war mithin die Aufgabe der Politik
des Kaiserhauses dem Könige Friedrich diese Hülfe für vorkom—
mende Fälle zu entziehen. Diese Aufgabe stellte sich der Graf
Kaunitz. Kaunitz hatte neben dem Interesse der Kaiserin Marie
Theresia noch ein persönliches. Er persönlich war von dem Könige
Friedrich eben so schwer gekränkt, wie die Kaiserin. Für die Eroberung
Schlesiens hatte Friedrich II. wenigstens Vorwände gehabt,
für die Wegnahme des Erbtheiles, welches Kaunitz in Ostfriesland
in Anspruch nahm, hatte Friedrich II. weder Grund noch
Vorwand. Denn, wie schon bemerkt ist, die Anwartschaft, welche
der Kaiser Leopold dem Hause Hohenzollern dort ertheilt hatte,
schloß ausdrücklich die Aemter aus, welche Kaunitz später beanspruchte.
Friedrich weigerte sich wie gegen Georg von England-Hannover,
so auch gegen Kaunitz jeder rechtlichen Entscheidung