Metadata : Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

122                                        Deutschland.

28.  Juni.  Armee  des  Kronprinzen  von  Preußen:  Steinmetz  nimmt  Skalitz
gegen  den  Erzh.  Leopold,  der  das  erschöpfte  Corps  Rammings  ersetzt
  hat.

„  „  (Hannover).  Der  König  capitulirt  mit  seiner  von  allen
Seiten  vurch  überlegene  preuß.  Streitkräfte  eingeschlossenen  Armee.
Proclamation  des  Königs:

Capitulationsbedingungen:  a)  Se.  Maj.  der  König  von  Hannover
  und  Se.  k.  Hoheit  der  Kronprinz  und  beliebig  auszuwählendes  Gesolge
  nehmen  ihren  Aufenthalt  nach  freier  Wahl  außerhalb  des  Königreichs
Hannover.  Sr.  Majestät  Privatvermögen  bleibt  zu  dessen  Verfügung.
b)  Offiziere  und  Beamte  der  hannover'schen  Armee  versprechen  auf  Ehrenwort,
  gegen  Preußen  nicht  zu  dienen,  behalten  Waffen,  Gepäck  und  Pferde,
sowie  demnächst  Gehalt  und  Competenzen,  und  treten  der  preußischen  Administration
  des  Königreichs  Hannover  gegenüber  in  dieselben  Rechte  und  Ansprüche,
  welche  ihnen  bisher  der  keäl.  hannover'schen  Regierung  gegenüber  zustanden.
  c)  Unteroffiziere  und  Gemeine  in  der  kgl.  hannover'schen  Armee
liefern  Waffen,  Pferde  und  Munition  an  die  von  Sr.  Maj.  dem  Könige  von
Hannover  zu  bestimmenden  Offiziere  und  Beamten  und  begeben  sich  in  den
von  Preußen  zu  bestimmenden  Echelons  mittels  Eisenbahn  in  ihre  Heimath
mit  dem  Versprechen,  gegen  Preußen  nicht  zu  dienen.  d)  Waffen,  Pferde
und  sonstiges  Kriegsmaterial  der  hannover'schen  Armee  werden  von  besagten
Offizieren  und  Beamten  an  preußische  Commissäre  übergeben.“

Proclamation  des  Königs:  „Nachdem  am  gestrigen  Tage,  den
27.  Juni,  meine  ruhmreiche  Armee  ein  neues  unverwelkliches  Reis  in  den
Lorbeerkranz  geflochten,  welcher  ihre  Fahne  schmückt,  hat  mir  der  commandirende
  Gencral,  Generallieutenant  v.  Arentsschildt,  und  mit  ihm  die  sämmtlichen
  Brigadiers  auf  ihre  militärische  Ehre  und  ihr  Gewissen  erklärt,  daß
meine  sämmtlichen  Truppen  wegen  der  gehabten  Anstrengungen  und  wegen
der  verschossenen  Munition  nicht  mehr  kampffähig,  ja  daß  dieselben  wegen
der  Erschöpfung  ihrer  Kräfte  nicht  mehr  im  Stande  seien,  zu  marschiren.
Zu  gleicher  Zeit  haben  der  Generallientenant  v.  Arentsschildt  und  sämmtliche
Brigadiers  mir  erklärt,  daß  es  unmöglich  sei,  Lebensmittel  für  die  Truppen
auf  länger  als  einen  Tag  herbeizuschaffen.  Da  nun  heute  der  commandirende
Gen.-Lieut.  v.  Arentsschildt  ferner  die  Anzeige  gemacht  hat,  er  habe  sich  überzeugt,
  daß  von  allen  Seiten  sehr  bedeutende  und  meiner  Armee  bei  Weitem
überlegene  Truppenmassen  heranrückten,  so  habe  ich  in  landesväterlicher  Sorge
für  meine  in  der  Armce  die  Waffen  tragenden  Landeskinder  es  nicht  verantworten
  zu  können  geglaubt,  das  Blut  meiner  treuen  und  tapferen  Soldaten
in  einem  Kampse  vergießen  zu  lassen,  der  nach  der  auf  Ehre  und  Gewissen
erklärten  Ueberzeugung  meiner  Generale  im  gegenwärtigen  Augenblicke  ein
völlig  erfolgloser  sein  müßte.  Ich  habe  deßhalb  den  General-Lieutenant
v.  Arentsschildt  beanftragt,  eine  militärische  Capitulation  abzuschließen,  indem
  eine  überwältigende  Uebermacht  sich  gegenüber  befindet.  Schwere  Tage
hat  die  unersorschliche  Zulassung  Gottes  wie  über  mich,  mein  Haus  und
mein  Königreich,  so  auch  über  meine  Armee  verhängt.  Die  Gerechtigkeit  des
Allmächtigen  bleibt  unsere  Hoffnung,  und.  mit  Stolz  kann  jeder  meiner
Krieger  auf  die  Tage  des  Unglücks  zurückblicken;  denn  um  so  heller  strahlt
in  ihnen  die  Ehre  und  der  Ruhm  der  hannover'schen  Waffen.  Ich  babe
mit  meinem  theueren  Sohne,  dem  Kronprinzen,  bis  zum  letzten  Augenblick
das  Loos  meiner  Armee  getheilt  und  werde  stets  bezeugen  und  nie  vergessen,
daß  sie  des  Ruhmes  der  Vergangenheit  sich  auch  in  der  Gegenwart  werth
gezeigt  hat.  Die  Zukunft  besihie  ich  voll  gläubiger  Zuversicht    in  die  Hand
des  Allmächtigen.“