Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

den  Zeppelinaugtiff  auf  London.

Die  englische  Regierung  bemüht  sich  —  offenbar
  durch  Beeinflussung  der  Presse  —  die  Wirlungen
  des  letzten  Zeppelinangriffes  auf  London
  als  harmlos  hinzustellen.  Im  „Daily  Telegraph“
  hat  Archibald  Hurch  die  Krone  in
der  Verdrehung  der  Tatsachen  davongetragen.
Behauptet  er  doch,  dah  die  Deutschen  angesichts
der  „Ergebnislosigkeit"  der  Zeppelinangriffe
den  Wunsch  äußern,  daß  Graf  Zeppelin  nie
hätte  geboren  werden  sollen,  oder  daß  ihn  seine
Ammo  gleich  nach  der  Geburt  im  nächsten  Fluß
ertränkt  hätte.  Dabei  wissen  wir  jetzt,  daß  der
-geppelinangriff  auf  London  am  13.  und
Oktober  geradezu  gewaltige  Verheerungen  in
der  englischen  Hauptstadt  angerichtet  hat.  Es
wurden  erfolgreich  beworfen:

Die  Londoner  Hafenanlagen  und  ihre  anliegenden
  Stadtteile.  In  den  Eeast  India  Docks
brannte  ein  großer  Schuppen,  der  zum  Teil
Munition  und  anderes  Kriegsmaterial  enthielt,
vollständig  nieder.  In  den  Londoner  Docks
wurden  die  Kaimanern  und  Lagerhäuser  auf
weite  Strecken  niedergelegt.  Mehrere  Schiffe
wurden  getrofsen,  zum  Teil  völlig  vernichtet.
In  den  Victoria  Docks  geriet  ein  großer  Baumwollspeicher
  in  Brand  und  wurde  völlig  zerstört.
Die  in  der  Nähe  der  Docks  gelegenen  Straßen,
inobesondere  die  St.  George  Street  und  die
Leman  Street,  haben  schwer  gelitten.

Die  Cily  und  das  Zeitungsviertel  sind  mit
lesonders  gutem  Erfolge  angegrifsen  worden.
Inobesondere  murden  mit  Bomben  belegt  der
mil  Geschützen  versehene  Tower  nebst  Towerbrucke,
  die  Chancery  Lane,  die  Liverpool  Street,
die  Morgate  Strect,  die  Bishopsgate,  die  Allgate,
  die  Minories.  In  diesen  Straßen  sind
zahlreiche  Häuser  zerstört  vorden,  zum  Teil
ganze  Häuserklod-.

Die  South  Western  Bank  brannte  bis  auf
die  Grundmauern  nieder.  Erhebliche  Summen
an  Geld  und  Wertrapieren  sollen  vernichtet
rerden  sein.  Unter  den  Trümmern  wurde  noch
lag.,  ang  nach  Geld  und  Papieren  gesucht.  Auch
cine  Filiale  der  LonLoner  Bank  wurde  eingeaschert.
  Im  Jgeitungsviertel  wurde  das  Geläude
  der  Morningp.ost  besonders  schwer  beschädigt.
  Der  Untergrund-  und  Eisenbahnbekrieb
  durch  London  mußte  infolge  von  Zerstörungen
  teilweise  eingestellt  werden.

1

In  den  Vororten  von  London  wurden  folgende
  Zerslörungen  angerichtet:  Im  Arsenal
von  Woolwich  sind  schwere  Beschädigungen  angerichtet
  worden.  Ein  Teil  ganz  neuer  Maschinen
  und  Einrichtungen  ist  vernichtet  worden.
In  Enfield  wurde  eine  Batterie  mit  Scheinwerfern,
  von  der  die  Luftschiffe  heftiges  Feuer
lekommen  hatten,  mit  Bomben  belegt  und  zum
Schweigen  gebracht.  In  Hampton  wurde  die
Pumx-,  und  Kraftstation  beworfen.  Bei  der
guten  Beobachtungsmöglichkeit  wurden  gute
Treffergebnisse  festgestellt.  In  Croydor  wurde
eine  Reihe  großer  Fabrikanlagen  beworfen  und
mehrere  große  Brände  beobachtet.  In  Kentislomn,
  im  Norden  Londons,  wurde  eine  besonders
  starke  Scheinwerferbatterie  ausgiebig  mit
Bomben  belegt  und  zahlreiche  Treffer  beobachtet.
  In  Westllam  und  Eastham  wurden  große
Zabril  und  Eisenbahnanlagen  beworsen.  Es
lonnte  sehr  guter  Erfolg  sestgestellt  werden.  In
Irswich  wurde  eine  Batterie  beworfen,  deren
Feuer  nach  wenigen  Vombenwürfen  merklich
schwächer  wurde.

Unfere  Luftschisse  uurden  während  des  ganzen
  Angriffs  hefig  beschossen.  Aus  allen  Teilen
Londons  hagelte  es  Schrapnells  und  Sprenggranaten.
  Vier  Flugzeuge  bemühten  sich,  die
Alwehr  der  Luftschifse  zu  unterstütgen.  Zahllose
  Scheinwerser  beleuchteten  die  Luftschiffe

wurde’  unter  dem  Schuße  einer  solchen  Schiffsbeianung
  muß  man  sich  ja  doppelt  sicher
suhlen.“

Aber  Erika  antwortete  ihr  nicht,  sondern
mit  merkwürdig  ernstem  Gesicht  wandte  sie  sich
an  Holmsteiten:

„Sind  Sie  nicht  der  nämliche  Herr,  der
mir  vor  einigen  Tagen  erllärte,  Heinz  Burkhardr
  zu  heißen?“

„Allerdings.  mein  gnädiges  Fräulein!  Aber
jener  Name  war  eben  nur  ein  Pseudonym.“

„Ah  so!  —  Und  jetzt  —  jegt  sind  Sie
zweiter  Steuermann  auf  der  Jacht  meines  Großbaters?“


Heinz  begriff  ja  gut  genug,  wie  ungeheuerlich
und  wie  unglaublich  ihr  diese  Metamorphose
erscheinen  mußte.  Aber  diesmal  durfte  er  sich
durch  ihr  Erstaunen  nicht  aus  der  Fassung
bringen  lassen.  Er  war  sich  keines  Unrechts
bewußt.,  und  er  hatte  den  Wunsch,  sich  die
Achtung  des  jungen  Mädchens  zurückzugewinnen.
Sicherlich  aber  wäre  es  der  schlechteste  Weg  zu
diesem  Ziele  gewesen,  wenn  er  durch  unmännluhe
  Verlegenheit  ihrem  nach  Lage  der  Dinge
lehr  berechtigten  Mißtrauen  neue  Nahrung  gegeben
  hätte.

So  sah
er  c&derie

„Ich  habe  mich  nicht  um  diesen  Posten  beworben,
  Fräulein  von  Solvander!  Der  Herr
Garon  de  Veauregard  machte  mir  den  Antrag,
ihn  zu  übernehmen.“

„Vermutlich  doch  wohl,  ohne  zu  wissen,  von
welcher  Art  Ihre  frühere  Tätigkeit  und  Ihre
Stellungnahme  zu  der  Person  meines  Großdater?
  gewelen  war?“

„„Sic  hatte  die  letzten  Worte  leise,  belnahe
Hüsternd  gesprochen,  damit  sie  für  niemanden

er  ihr  frei  in  die  Augen,  während

 

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Mittwoch,  10.  November  1913

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taghell.  Eins  der  Lustichifse  nahm  sich  die  Zeit,
die  Scheinwerfer  zu  zählen,  es  zählte  über  26.
Die  Engländer  werden  also  nicht  ableugnen  können,
  daß  wir  London  als  einen  außerordentlich
gut  befestigten  Platz  ansehen  und  dementsprechend
  behandeln  lönnen.  (3.1

2

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1
—  ——  sitiet.
Die  Spionage  in  Belgien.
Brüssel,  3.  Nov.  Durch  feldgerichtliches
Urteil  wurden  negen  Eisenbahnspionage  drei
Belgier  zum  Tode  und  ein  Belgier  zu  zwölf
Jahren  Zuchthaus  verurteilt.  Die  Verurteilten
haben  seit  Anfang  Februar  1915  an  zwei  Eisenbahnlinien
  die  sämtlichen  zur  Front  gehenden
und  von  dort  zurücktommenden  Eisenbahntransrorte
  für  den  feindlichen  Nachrichtendienst  notiert

  und  diesem  übermittelt.  Das  Urteil  wurde
bestätigt  und  bereits  vollstreckt.
Französische  Unterschleife.
Marseille,  8.  Nov.  (Agence  Havas.,  Das
Kriegsgericht  verurteilte  wegen  Unterschlagung
im  Truppenlager  Marseille  einen  Verwaltungsoffizier
  zu  5  Jahren  Einzelhaft  1500  Francs
Geldbuße  und  Degradation,  den  Soldaten  Gouril
  zu  5  Jahren  Einzelhaft  und  Degradation
und  wegen  Mittaäterschaft  einen  Zivilisten  zu
10  Jahren  Einzelhaft  und  29000  Frcs.  Geldbuße
  und  zwei  andere  Zivilisten  zu  5  Jahren
Gefängnis.  Ein  weiterer  Zivilist  wurde  zu
Jahr  Gefängnis  verurteilt.  (Z.)
Kitchener.

London,  8.  Nov.  Lord  Kitchener  ist  gestern
  aus  Paris  abgereist,  wo  er  sich  kurze  Zeit
aufgehalten  hat.  Er  hatte  mit  Briand  und
Joffre  verschiedene  Fragen,  die  den  nahen  Osten
betrasen,  besprochen.  Aus  den  Unterredungen
ergab  sich,  daß  zrischen  beiden  Regierungen
Uebereinstimmung  herrscht.  (Z.  —  „Uebereinstimmung“
  ist  immerhin  etwas,  man  weiß  nur
nicht  worüber.  Sind  sie  einig.  Serbien  im  Stich
zu  lassen,  wie  es  der  englische  Minister  Lord
Lansdomne  angekündigt  hat,  oder  sind  sie  einig,
Serbien  zu  „befreien“,  wie  es  der  französische
Minister  Briand  proklamiert  hat?  Stimmen  sie
überein  in  dem  Vorsatz,  die  Neutralität  Griechenlands

  weiler  mit  Füßen  zu  treien,  oder  wollen
  sie  nun  gemeinsam  an  einem  anderen  Punkie
des  nahen  Orients  neue  Lorbeeren  pflücken?

Die  Flucht  vor  der  Wehrpflicht
in  England.

London,  8.  Nov.  (Neutermeldung.)  Die
Cunardlinie  teilte  gestern  mit,  daß  sie  keine
englischen  Reisenden  annehmen  könne,  die  im
militärpflichtigen  Alter  siehen.  Die  Verfügung
gab  Anlaß  zu  aufgeregten  Szenen  in  Liverpool,
als  irische  Ausmanderer,  die  im  Begriffe  waren,
abzureisen,  an  Bord  des  Dampfers  „Sakonia“
gehen  wollten.  Die  Anwerbungsagenten  begannen
  ihre  Arbeit.  Die  Volksmenge  pfiff  die  Irländer
  aus.  Die  Heizer  der  „Saronia“  kamen
an  Land  und  erklärten  den  Beamten  der  Cunardlinie,
  daß  sie  sich  weigern  würden  zu  sahren,
wenn  die  Irländer  die  Erlaubnis  belämen,  an
Bord  zu  gehen.  Die  GCesellschaft  weigerte  sich
schließlich,  die  Irländer  mitzunehmen.  (3.1)  —
Englische  Mache!  Da  England  bis  jetzt  keine
Militärpflicht  hat,  gibt  es  auch  kein  militärpflichtiges
  Alter.

Die  Forderungen  der  italienischen
Interventionisten.

Lugano,  8.  Nov.  Die  Interrenlionistenliga
  nahm  gestern  in  Rom  und  Mailand  eine
Resolution  an,  worin  die  Kriegserklärung  an
Deutschland,  die  Unterschrift  des  Londoner  Sonderfriedenspaktes
  und  die  Knebelung  des  Parlaments
  verlangt  wird.  (3Z.)

Japan  und  England.

Köln,  8.  Nov.  Die  „Kölnische  Qeitung““
schreibt:  Japan  zieht  sich  von  England  immer
augenscheinlicher  zurück.  Eine  Kommission  führender
  japanischer  Finanz=  und  Banklleute
stimmte  den  Ausführungen  des  Finanzministers
zu.  Das  Gold  in  London  sei  zu  unsicher  und
dürse  nicht  an  einem  Platze  bleiben,  mit  dem
die  Verbindung  durch  den  Krieg  so  gesährdet
sei.  Es  wurde  beschlossen,  sofort  40  Millionen
Mark  Gold  von  London  nach  Tokio  zu  schafsen
  und  Rußland  anzuweisen,  seine  Zahlungen
für  Kriegelieserungen  nicht  mehr  in  London,
sondern  in  Tokio  oder  Neunork  zu  leisten.  (.3.
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·  Versenkt.  «

London,  8.  Nov.  Llonds  meldet:  Der
Dampfer  „Woolwich“  aus  London  k#  verienkt
worden.  Die  Besatzung  wurde  gerettet.  Der
englische  Postdampfer  „Alastair“  ist  versenkt
worden,  drei  Mann  der  Besatzung  sind  gerettet
und  die  Leiche  eines  Steuermannes  ,
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Der  Verteidiger  von  Kovwno.

Christiania,  B.  Nov.  „Aften  Posten“  melden
  aus  Petersburg:  Der  frühere  Kommandant
der  Feitung  Kouno,  General  Gregoriew,  wurde
vom  Kriegsgericht  zu  15  Monaten  verschärftem
Gefängnis  verurteilt.  In  der  Urteilsbegründung
  wir  angeführt,  daß  der  General  Maßnahmen
  zur  Verteidigung  gegen  die  anrückenden
Deutschen  unterließ,  außerdem  die  Festung  verlassen
  hätite.  Mehrere  Generalstabsoffiziere,  die
mit  ihm  aus  der  Festung  geflohen  waren,  sehen
ihrer  Verurteilung  noch  enigegen.  (Z.)

Die  russischen  Staatsschulden.

Stockholm,  8.  Nov.  Nach  der  „irsch.
Wiedomosti“  haben  sich  die  russischen  Staatsschulden
  um  6  Milliarden  und  322  Millionen
Rubel  vermehrt.  Sie  betrugen  am  Ende  des
ersten  Kriegsjahres  16  Milliarden  und  795  Millionen
  Rubel.  (kJ.,

Die  amerikanischen  Kriegslieferungen

  für  Rußland.

Kopenhagen,  7.  Nov.  „Berlingske  Tidende“
  meldet  aus  Petersburg:  „Die  Vereinigung
  zur  Förderung  der  russisch-amerikanischen
Beziehungen“  hielt  am  J.  November  ihre  erste
Sipung  ab.  Dabei  hielt  Miljukow  einen  Vortrag,
  in  dem  er  sagte,  Amerika  habe  bisher  für
11=  Milliarden  Rubel  Kriegslieferungen  für
Rußland  ausgeführt  und  Bestellungen  für  weitere
  41:  Milliarden  noch  auszuführen.

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stand,  daß  Fran  von  Henden  durch  eine  Frage
ihrer  niediichen  Zose  genötigt  worden  war,  ihre
Aufmerksamleit  vorubergehend  wieder  dem
Gepäck  zuzuwenden,  gewährte  den  beiden
anderen  die  Möglichkeit,  wenigstens  für  die
Dauer  einiger  Sekunden  wie  unter  vier  Augen
miteinander  zu  reden.

„Ich  denke,  gnädiges  Fräulein,  daß  der
Herr  Baron  über  die  eine  wie  über  die  andere
unterrichtet  war,“  gab  Heinz  mit  ebenso  vorsichtig
  gedämpfter  Stimme  zurück.

sollte  gewußt  haben.  daß  Sie  der
Verfasser  jenes  beleidigenden  Artikels  waren  ?“

„Ja.  Aber  er  wußte  auch,  daß  ich  dabei
das  Opser  einer  Töuschung  geworden  war,  und
daß  ich  gelan  hatte,  was  in  meinen  Kräften
stand,  um  das  begangene  Unrecht  wieder  gutzumachen.“


Er  glaubte  zu  sehen,  daß  es  wie  Geringschätung
  oder  Jronie  um  Enkas  Mundwinkel
äuckte

„Nachdem  Sie  durch  meinen  Besuch  dazu
veranlaßt  worden  waren.“  sagte  sie  mit  einer
nicht  mißguverstehenden  Betonung.  Aber  als
ie  bemerkte,  daß  Heinz  eine  Erwiderung  auf
den  Lippen  hatte,  sügie  sie,  wie  um  jede  weitere
Unterhaltung  abzuschneiden,  mit  einem  kleinen,
bochmütigen  Zurückwersen  ihres  Köpschens

 

„Nun,  ich  habe  mich  ja  nicht  um  die  Maßnahmen
  des  Herrn  Barons  zu  kümmern.
Er  selbst  hat  die  Berantwortung  für  seine
Handlungen  meinem  Großvater  gegenüber  zu
tragen.  Und  er  wird  hoffentlich  imstande  sein,
dies  seltsame  Engagement  zu  rechtfertigen,
wenn  es  eines  Tages  von  ihm  verlangt  werden
o  1L.“

 

Damit  kehrte  sie  dem  zweiten  Steuermann
den  Rücken,  um  sich  wieder  an  Frau  von  Henden
zZu  wenden.  Auf  die  Frage  aber,  die  sie  an
die  schöne  Frau  gerichtet  hatte.  erhielt  sie  keine
Antwort,  denn  das  Interesse  der  eleganten
Dame  wurde  in  diesem  Augenblick  ganz  und
gar  durch  einen  Depeschenboten  in  Aunspruch
dgenammen,  der  im  raschenen  Tempo  auf  dem
Hafendamm  dahbergeradelt  kam,  und  der  gerade
vor  der  nach  der  „Aphrodne"  hinubergelegten
Laufbrücke  von  seinem  Vicyele  jprang.

9.  Kapitel.

Mit  der  vuhigsten  Selbstverständlichkeit  von
der  Welt  hatte  Frau  von  Heyden  den  höflich
herubergrüßenden  Boten  angerufen:

„Haben  Sie  eiwas  für  jemanden  auf  der
„Aphrodite“?  BVielleicht  für  den  Baron  de
Beauregard  oder  Frau  von  Heyden?“

Und  dann  war  sie  dem  jsungen  Manne
um  ein  paar  Schritte  entgegengegangen,  um
ihm  das  kleine  blaue  Kuvert  abzunehmen,  wie
wenn  es  außer  ihr  hier  niemanden  gabe,  der
eine  Legitimation  dazu  besaße.  Mit  einer  Verbeugung
  ha#tte  der  Bote  der  vornehm  auesehenden
  Damec,  die  ein  so  tadelloses  Französisch
sprach,  wirklich  das  Telegramm  überreicht.
Frau  von  Henden  aber,  nachdem  sie  einen
Blick  auf  die  Adresse  geworsfen,  rief  mit  einem
unverkennbaren  Klana  von  Enttäuschun  :!-„Die

  Depesche  ist  für  einen  Herrn  Heinz
von  Holmstelten.  An  Bord  der  Jacht  „Aphro-=dite“.

  rseille...  Gibt  es  denn  auf  dem
Schiffe  einen  Herrn  dieses  Namens,  Herr
Kapitän?“

ohannes  Stumpf,  der  sich  noch  im  Ge-Kräsd
  mit  dem  Geheimrat  befand,  schüttelte  den
Kopf.

 

„Da  weit  it  lur  von.  gnadige  Frau!  —
Unter  meinen  Leuten  ist  er  jedenfalls  nicht.“

Er  hatte  noch  einen  kleinen  Wig  auf  der
Zunge,  mit  der  Pointe,  daß  man  immer  noch
leichter  einen  adeligen  Kellner  als  einen  adeligen
Matrosen  antrafe:  aber  er  kam  nicht  über  die
ersten.  Worte  hinaus,  da  in  diesem  Augenblick
die  klangoolle  ruhige  Stimme  des  zweiten
Steuermanns  ertonte:

„Das  Telegramm  ist  an  mich  gerichtet.
Dari  ich  Sie  darum  bitten,  gnädige  Frau?“

Die  Wirkung  dieser  Erklarung  war  augenscheinlich
  eine  hochst  verblüffende  auf  alle,  die
sie  vernahmen.  Kapitin  Stumpf  machte  ein
Gesicht,  wie  wenn  plöglich  die  sagenhafte  Seeschlange
  vor  seinen  Augen  leibhaftig  und  lebendig
aus  den  Cluten  getaucht  wäre:  Fräulein  Erikas
Mienen  waren  sehr  erust  geworden  und  ihre
unverwandt  auf  Heinz  gerichteten  Augen  schienen
großer  als  zuror.  Frau  von  Heoyden  aber  war
die  ein  zige,  die  ihrem  Crstaunen  rückhaltlos
und  unverblümt  Auesdruck  gab:

„Juhrten  Sie  ni  vor  ungesähr  zwei
Minuten  noch  den  Namen  Heinrich  König,  mein
Herr?  Oder  sollte  ich  Sie  trotz  meines  sonst
recht  guten  Gehors  so  arg  mißverstanden  haben?“

„Gnädige  Frau  haben  mich  keineswegs
mißverstanden.  Und  ich  bin  selbstverständlich
bereit,  jedem,  der  ein  Recht  hat,  sie  von  mir
zu  fordern,  Austklärung  über  die  Namensänderung
  zu  geben.  Hier  auf  dem  Schiffe  wünschte
ich  im  Einverständnis  mit  Herrn  de  Beauregard
allerdings  Heinrich  Konig  zu  heißen.  Mein
richtiger  Name  aber  ist  Hein)  Burkhardt  von
Holmstetten.“

„Acußerst  interessant!“  sagte  die  schöne
Witwe,  indem  sie  ihm  die  Depesche  überreichte.

Untere  Reise  sangt  ja  an  wie  cin  Roman.“