den Zeppelinaugtiff auf London.
Die englische Regierung bemüht sich — offenbar
durch Beeinflussung der Presse — die Wirlungen
des letzten Zeppelinangriffes auf London
als harmlos hinzustellen. Im „Daily Telegraph“
hat Archibald Hurch die Krone in
der Verdrehung der Tatsachen davongetragen.
Behauptet er doch, dah die Deutschen angesichts
der „Ergebnislosigkeit" der Zeppelinangriffe
den Wunsch äußern, daß Graf Zeppelin nie
hätte geboren werden sollen, oder daß ihn seine
Ammo gleich nach der Geburt im nächsten Fluß
ertränkt hätte. Dabei wissen wir jetzt, daß der
-geppelinangriff auf London am 13. und
Oktober geradezu gewaltige Verheerungen in
der englischen Hauptstadt angerichtet hat. Es
wurden erfolgreich beworfen:
Die Londoner Hafenanlagen und ihre anliegenden
Stadtteile. In den Eeast India Docks
brannte ein großer Schuppen, der zum Teil
Munition und anderes Kriegsmaterial enthielt,
vollständig nieder. In den Londoner Docks
wurden die Kaimanern und Lagerhäuser auf
weite Strecken niedergelegt. Mehrere Schiffe
wurden getrofsen, zum Teil völlig vernichtet.
In den Victoria Docks geriet ein großer Baumwollspeicher
in Brand und wurde völlig zerstört.
Die in der Nähe der Docks gelegenen Straßen,
inobesondere die St. George Street und die
Leman Street, haben schwer gelitten.
Die Cily und das Zeitungsviertel sind mit
lesonders gutem Erfolge angegrifsen worden.
Inobesondere murden mit Bomben belegt der
mil Geschützen versehene Tower nebst Towerbrucke,
die Chancery Lane, die Liverpool Street,
die Morgate Strect, die Bishopsgate, die Allgate,
die Minories. In diesen Straßen sind
zahlreiche Häuser zerstört vorden, zum Teil
ganze Häuserklod-.
Die South Western Bank brannte bis auf
die Grundmauern nieder. Erhebliche Summen
an Geld und Wertrapieren sollen vernichtet
rerden sein. Unter den Trümmern wurde noch
lag., ang nach Geld und Papieren gesucht. Auch
cine Filiale der LonLoner Bank wurde eingeaschert.
Im Jgeitungsviertel wurde das Geläude
der Morningp.ost besonders schwer beschädigt.
Der Untergrund- und Eisenbahnbekrieb
durch London mußte infolge von Zerstörungen
teilweise eingestellt werden.
1
In den Vororten von London wurden folgende
Zerslörungen angerichtet: Im Arsenal
von Woolwich sind schwere Beschädigungen angerichtet
worden. Ein Teil ganz neuer Maschinen
und Einrichtungen ist vernichtet worden.
In Enfield wurde eine Batterie mit Scheinwerfern,
von der die Luftschiffe heftiges Feuer
lekommen hatten, mit Bomben belegt und zum
Schweigen gebracht. In Hampton wurde die
Pumx-, und Kraftstation beworfen. Bei der
guten Beobachtungsmöglichkeit wurden gute
Treffergebnisse festgestellt. In Croydor wurde
eine Reihe großer Fabrikanlagen beworfen und
mehrere große Brände beobachtet. In Kentislomn,
im Norden Londons, wurde eine besonders
starke Scheinwerferbatterie ausgiebig mit
Bomben belegt und zahlreiche Treffer beobachtet.
In Westllam und Eastham wurden große
Zabril und Eisenbahnanlagen beworsen. Es
lonnte sehr guter Erfolg sestgestellt werden. In
Irswich wurde eine Batterie beworfen, deren
Feuer nach wenigen Vombenwürfen merklich
schwächer wurde.
Unfere Luftschisse uurden während des ganzen
Angriffs hefig beschossen. Aus allen Teilen
Londons hagelte es Schrapnells und Sprenggranaten.
Vier Flugzeuge bemühten sich, die
Alwehr der Luftschifse zu unterstütgen. Zahllose
Scheinwerser beleuchteten die Luftschiffe
wurde’ unter dem Schuße einer solchen Schiffsbeianung
muß man sich ja doppelt sicher
suhlen.“
Aber Erika antwortete ihr nicht, sondern
mit merkwürdig ernstem Gesicht wandte sie sich
an Holmsteiten:
„Sind Sie nicht der nämliche Herr, der
mir vor einigen Tagen erllärte, Heinz Burkhardr
zu heißen?“
„Allerdings. mein gnädiges Fräulein! Aber
jener Name war eben nur ein Pseudonym.“
„Ah so! — Und jetzt — jegt sind Sie
zweiter Steuermann auf der Jacht meines Großbaters?“
Heinz begriff ja gut genug, wie ungeheuerlich
und wie unglaublich ihr diese Metamorphose
erscheinen mußte. Aber diesmal durfte er sich
durch ihr Erstaunen nicht aus der Fassung
bringen lassen. Er war sich keines Unrechts
bewußt., und er hatte den Wunsch, sich die
Achtung des jungen Mädchens zurückzugewinnen.
Sicherlich aber wäre es der schlechteste Weg zu
diesem Ziele gewesen, wenn er durch unmännluhe
Verlegenheit ihrem nach Lage der Dinge
lehr berechtigten Mißtrauen neue Nahrung gegeben
hätte.
So sah
er c&derie
„Ich habe mich nicht um diesen Posten beworben,
Fräulein von Solvander! Der Herr
Garon de Veauregard machte mir den Antrag,
ihn zu übernehmen.“
„Vermutlich doch wohl, ohne zu wissen, von
welcher Art Ihre frühere Tätigkeit und Ihre
Stellungnahme zu der Person meines Großdater?
gewelen war?“
„„Sic hatte die letzten Worte leise, belnahe
Hüsternd gesprochen, damit sie für niemanden
er ihr frei in die Augen, während
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Mittwoch, 10. November 1913
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taghell. Eins der Lustichifse nahm sich die Zeit,
die Scheinwerfer zu zählen, es zählte über 26.
Die Engländer werden also nicht ableugnen können,
daß wir London als einen außerordentlich
gut befestigten Platz ansehen und dementsprechend
behandeln lönnen. (3.1
2
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1
— —— sitiet.
Die Spionage in Belgien.
Brüssel, 3. Nov. Durch feldgerichtliches
Urteil wurden negen Eisenbahnspionage drei
Belgier zum Tode und ein Belgier zu zwölf
Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Verurteilten
haben seit Anfang Februar 1915 an zwei Eisenbahnlinien
die sämtlichen zur Front gehenden
und von dort zurücktommenden Eisenbahntransrorte
für den feindlichen Nachrichtendienst notiert
und diesem übermittelt. Das Urteil wurde
bestätigt und bereits vollstreckt.
Französische Unterschleife.
Marseille, 8. Nov. (Agence Havas., Das
Kriegsgericht verurteilte wegen Unterschlagung
im Truppenlager Marseille einen Verwaltungsoffizier
zu 5 Jahren Einzelhaft 1500 Francs
Geldbuße und Degradation, den Soldaten Gouril
zu 5 Jahren Einzelhaft und Degradation
und wegen Mittaäterschaft einen Zivilisten zu
10 Jahren Einzelhaft und 29000 Frcs. Geldbuße
und zwei andere Zivilisten zu 5 Jahren
Gefängnis. Ein weiterer Zivilist wurde zu
Jahr Gefängnis verurteilt. (Z.)
Kitchener.
London, 8. Nov. Lord Kitchener ist gestern
aus Paris abgereist, wo er sich kurze Zeit
aufgehalten hat. Er hatte mit Briand und
Joffre verschiedene Fragen, die den nahen Osten
betrasen, besprochen. Aus den Unterredungen
ergab sich, daß zrischen beiden Regierungen
Uebereinstimmung herrscht. (Z. — „Uebereinstimmung“
ist immerhin etwas, man weiß nur
nicht worüber. Sind sie einig. Serbien im Stich
zu lassen, wie es der englische Minister Lord
Lansdomne angekündigt hat, oder sind sie einig,
Serbien zu „befreien“, wie es der französische
Minister Briand proklamiert hat? Stimmen sie
überein in dem Vorsatz, die Neutralität Griechenlands
weiler mit Füßen zu treien, oder wollen
sie nun gemeinsam an einem anderen Punkie
des nahen Orients neue Lorbeeren pflücken?
Die Flucht vor der Wehrpflicht
in England.
London, 8. Nov. (Neutermeldung.) Die
Cunardlinie teilte gestern mit, daß sie keine
englischen Reisenden annehmen könne, die im
militärpflichtigen Alter siehen. Die Verfügung
gab Anlaß zu aufgeregten Szenen in Liverpool,
als irische Ausmanderer, die im Begriffe waren,
abzureisen, an Bord des Dampfers „Sakonia“
gehen wollten. Die Anwerbungsagenten begannen
ihre Arbeit. Die Volksmenge pfiff die Irländer
aus. Die Heizer der „Saronia“ kamen
an Land und erklärten den Beamten der Cunardlinie,
daß sie sich weigern würden zu sahren,
wenn die Irländer die Erlaubnis belämen, an
Bord zu gehen. Die GCesellschaft weigerte sich
schließlich, die Irländer mitzunehmen. (3.1) —
Englische Mache! Da England bis jetzt keine
Militärpflicht hat, gibt es auch kein militärpflichtiges
Alter.
Die Forderungen der italienischen
Interventionisten.
Lugano, 8. Nov. Die Interrenlionistenliga
nahm gestern in Rom und Mailand eine
Resolution an, worin die Kriegserklärung an
Deutschland, die Unterschrift des Londoner Sonderfriedenspaktes
und die Knebelung des Parlaments
verlangt wird. (3Z.)
Japan und England.
Köln, 8. Nov. Die „Kölnische Qeitung““
schreibt: Japan zieht sich von England immer
augenscheinlicher zurück. Eine Kommission führender
japanischer Finanz= und Banklleute
stimmte den Ausführungen des Finanzministers
zu. Das Gold in London sei zu unsicher und
dürse nicht an einem Platze bleiben, mit dem
die Verbindung durch den Krieg so gesährdet
sei. Es wurde beschlossen, sofort 40 Millionen
Mark Gold von London nach Tokio zu schafsen
und Rußland anzuweisen, seine Zahlungen
für Kriegelieserungen nicht mehr in London,
sondern in Tokio oder Neunork zu leisten. (.3.
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· Versenkt. «
London, 8. Nov. Llonds meldet: Der
Dampfer „Woolwich“ aus London k# verienkt
worden. Die Besatzung wurde gerettet. Der
englische Postdampfer „Alastair“ ist versenkt
worden, drei Mann der Besatzung sind gerettet
und die Leiche eines Steuermannes ,
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*. *
—i
Der Verteidiger von Kovwno.
Christiania, B. Nov. „Aften Posten“ melden
aus Petersburg: Der frühere Kommandant
der Feitung Kouno, General Gregoriew, wurde
vom Kriegsgericht zu 15 Monaten verschärftem
Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung
wir angeführt, daß der General Maßnahmen
zur Verteidigung gegen die anrückenden
Deutschen unterließ, außerdem die Festung verlassen
hätite. Mehrere Generalstabsoffiziere, die
mit ihm aus der Festung geflohen waren, sehen
ihrer Verurteilung noch enigegen. (Z.)
Die russischen Staatsschulden.
Stockholm, 8. Nov. Nach der „irsch.
Wiedomosti“ haben sich die russischen Staatsschulden
um 6 Milliarden und 322 Millionen
Rubel vermehrt. Sie betrugen am Ende des
ersten Kriegsjahres 16 Milliarden und 795 Millionen
Rubel. (kJ.,
Die amerikanischen Kriegslieferungen
für Rußland.
Kopenhagen, 7. Nov. „Berlingske Tidende“
meldet aus Petersburg: „Die Vereinigung
zur Förderung der russisch-amerikanischen
Beziehungen“ hielt am J. November ihre erste
Sipung ab. Dabei hielt Miljukow einen Vortrag,
in dem er sagte, Amerika habe bisher für
11= Milliarden Rubel Kriegslieferungen für
Rußland ausgeführt und Bestellungen für weitere
41: Milliarden noch auszuführen.
F 1 1 n n n ) „ s-
msiurvotxnncticnucrunndltkywurcskDcrllms
stand, daß Fran von Henden durch eine Frage
ihrer niediichen Zose genötigt worden war, ihre
Aufmerksamleit vorubergehend wieder dem
Gepäck zuzuwenden, gewährte den beiden
anderen die Möglichkeit, wenigstens für die
Dauer einiger Sekunden wie unter vier Augen
miteinander zu reden.
„Ich denke, gnädiges Fräulein, daß der
Herr Baron über die eine wie über die andere
unterrichtet war,“ gab Heinz mit ebenso vorsichtig
gedämpfter Stimme zurück.
sollte gewußt haben. daß Sie der
Verfasser jenes beleidigenden Artikels waren ?“
„Ja. Aber er wußte auch, daß ich dabei
das Opser einer Töuschung geworden war, und
daß ich gelan hatte, was in meinen Kräften
stand, um das begangene Unrecht wieder gutzumachen.“
Er glaubte zu sehen, daß es wie Geringschätung
oder Jronie um Enkas Mundwinkel
äuckte
„Nachdem Sie durch meinen Besuch dazu
veranlaßt worden waren.“ sagte sie mit einer
nicht mißguverstehenden Betonung. Aber als
ie bemerkte, daß Heinz eine Erwiderung auf
den Lippen hatte, sügie sie, wie um jede weitere
Unterhaltung abzuschneiden, mit einem kleinen,
bochmütigen Zurückwersen ihres Köpschens
„Nun, ich habe mich ja nicht um die Maßnahmen
des Herrn Barons zu kümmern.
Er selbst hat die Berantwortung für seine
Handlungen meinem Großvater gegenüber zu
tragen. Und er wird hoffentlich imstande sein,
dies seltsame Engagement zu rechtfertigen,
wenn es eines Tages von ihm verlangt werden
o 1L.“
Damit kehrte sie dem zweiten Steuermann
den Rücken, um sich wieder an Frau von Henden
zZu wenden. Auf die Frage aber, die sie an
die schöne Frau gerichtet hatte. erhielt sie keine
Antwort, denn das Interesse der eleganten
Dame wurde in diesem Augenblick ganz und
gar durch einen Depeschenboten in Aunspruch
dgenammen, der im raschenen Tempo auf dem
Hafendamm dahbergeradelt kam, und der gerade
vor der nach der „Aphrodne" hinubergelegten
Laufbrücke von seinem Vicyele jprang.
9. Kapitel.
Mit der vuhigsten Selbstverständlichkeit von
der Welt hatte Frau von Heyden den höflich
herubergrüßenden Boten angerufen:
„Haben Sie eiwas für jemanden auf der
„Aphrodite“? BVielleicht für den Baron de
Beauregard oder Frau von Heyden?“
Und dann war sie dem jsungen Manne
um ein paar Schritte entgegengegangen, um
ihm das kleine blaue Kuvert abzunehmen, wie
wenn es außer ihr hier niemanden gabe, der
eine Legitimation dazu besaße. Mit einer Verbeugung
ha#tte der Bote der vornehm auesehenden
Damec, die ein so tadelloses Französisch
sprach, wirklich das Telegramm überreicht.
Frau von Henden aber, nachdem sie einen
Blick auf die Adresse geworsfen, rief mit einem
unverkennbaren Klana von Enttäuschun :!-„Die
Depesche ist für einen Herrn Heinz
von Holmstelten. An Bord der Jacht „Aphro-=dite“.
rseille... Gibt es denn auf dem
Schiffe einen Herrn dieses Namens, Herr
Kapitän?“
ohannes Stumpf, der sich noch im Ge-Kräsd
mit dem Geheimrat befand, schüttelte den
Kopf.
„Da weit it lur von. gnadige Frau! —
Unter meinen Leuten ist er jedenfalls nicht.“
Er hatte noch einen kleinen Wig auf der
Zunge, mit der Pointe, daß man immer noch
leichter einen adeligen Kellner als einen adeligen
Matrosen antrafe: aber er kam nicht über die
ersten. Worte hinaus, da in diesem Augenblick
die klangoolle ruhige Stimme des zweiten
Steuermanns ertonte:
„Das Telegramm ist an mich gerichtet.
Dari ich Sie darum bitten, gnädige Frau?“
Die Wirkung dieser Erklarung war augenscheinlich
eine hochst verblüffende auf alle, die
sie vernahmen. Kapitin Stumpf machte ein
Gesicht, wie wenn plöglich die sagenhafte Seeschlange
vor seinen Augen leibhaftig und lebendig
aus den Cluten getaucht wäre: Fräulein Erikas
Mienen waren sehr erust geworden und ihre
unverwandt auf Heinz gerichteten Augen schienen
großer als zuror. Frau von Heoyden aber war
die ein zige, die ihrem Crstaunen rückhaltlos
und unverblümt Auesdruck gab:
„Juhrten Sie ni vor ungesähr zwei
Minuten noch den Namen Heinrich König, mein
Herr? Oder sollte ich Sie trotz meines sonst
recht guten Gehors so arg mißverstanden haben?“
„Gnädige Frau haben mich keineswegs
mißverstanden. Und ich bin selbstverständlich
bereit, jedem, der ein Recht hat, sie von mir
zu fordern, Austklärung über die Namensänderung
zu geben. Hier auf dem Schiffe wünschte
ich im Einverständnis mit Herrn de Beauregard
allerdings Heinrich Konig zu heißen. Mein
richtiger Name aber ist Hein) Burkhardt von
Holmstetten.“
„Acußerst interessant!“ sagte die schöne
Witwe, indem sie ihm die Depesche überreichte.
Untere Reise sangt ja an wie cin Roman.“