lich laufen. Aber am Tage vor der Abreise schlug mir die Gutmüthigkeit
durch, und ich führte eine offne und wie ich glaubte
herzliche Aussprache herbei, nach der er sich gegen Münster „ganz
gerührt“ über mich geäußert und gesagt hat, es sei alles vergessen
und vergeben. Und nun lügt er so hämisch auf meine Rechnung
in der Welt umher! Grade so hatte er bis dahin Werther
verklatscht, gegen mich selbst und gegen jeden Russen hier. Es
ist ein falscher Doppelsachse. Mit Schlözer?) stehe ich schließlich
sehr gut, nachdem er selbst eingesehn, daß der Dienst hier unter
Werther und seit Rochow 3) her verloddert war. Ich habe mir
seit s Jahren den Ruf eines liebenswürdigen Vorgesetzten erworben,
und W. seit ebenso lange den eines unleidlichen Untergebnen.
Die östreichischen Soldaten thun mir ehrlich leid, mit ihrem
Unglück; aber für das „Tabinet“ wird die Lection kaum stark
genug sein, um es zu einer ehrlichern Holitik gegen uns zu vermögen
als bisher. Mit der Mobilmachung haben wir uns eine
barte Last aufgebunden, da wir zum KLriege doch wohl sobald
nicht kommen werden, vielleicht garnicht; wir metzeln die 40
Millionen nieder, und sind um eine Erfahrung reicher. Ich boffe
im ersten Drittel July Urlaub zu bekommen, und dann erst nach
Berlin, und hoffentlich über Kröchlendorf nach Dommern zu gehn.
Leb wohl, mein Engel, ich muß mich anziehn. Serzliche Grüße an
Oecar. Dein treuer Bruder
v. B.
!) Rurd von Schlözer, geb. 6. Januar 1822, gest. 13. Mai 1394, damals
Legationssekretär.
:) Theodor Heinrich Nochus v. Nochow, geb. 21. April 1794, gest. 13. Mai
1264, Dorgänger Werthers.
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