Full text : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

II.  Die  Erwerbung  des  Kaiserkums.  1867—1871.

„Preußen  geht  hinfort  in  Deutschland  auf,“  hatte  Friedrich
Wilhelm  IV.  erklärt,  als  er  im  März  1848  versuchte,  die
Wogen  der  preußischen  Frage,  die  über  ihm  zusammenzuschlagen
drohten  (S.  253),  zu  beschwichtigen,  indem  er  das  schwankende
Staatsschiff  auf  das  noch  unbekanntere,  stürmischere  und  klippenreichere
  Meer  der  deutschen  Frage  hinaussteuerte,  ein  Wagnis,
das  mit  einem  Schiffbruch  enden  mußte.  Wollte  man  in  diesem
Wort  mehr  sehen  als  eine  von  den  wohltönenden  Phrasen,  die
dem  geistvollen  und  beredten  König  besonders  daun  zur  Verfügung
  standen,  wenn  es  seine  Unklarheit  und  Unentschlossenheit
  zu  beschönigen  und  ihn  und  andere  über  den  Ernst  der
Lage  hinwegzutäuschen  galt,  so  würde  es  doch  nur  von  neuem
zeigen,  wie  wenig  dieser  Hohenzoller  die  Geschichte  seines  Hauses
und  Staates  richtig  ersaßt  und  den  Beruf  Preußens  wahrhaft
begriffen  hatte.  Sollte  die  gewaltige  historische  Arbeit,  die
Fürst  und  Volk  hier  in  zwei  Jahrhunderten  geleistet  hatten,
nur  vollbracht  sein,  um  einem  unbekannten,  schemenhaften
Deutschland  der  Zukunft  hingegeben  zu  werden,  von  dem,  wie
man  es  sich  auch  denken  mochte,  doch  nur  das  eine  feststand,
daß  Bayern,  Württemberger,  Hessen,  Hannoveraner  und  Sachsen
seine  berufenen  Träger  zu  sein  glaubten,  und  das  demnach  im
Grunde  nur  unpreußisch,  ja  antipreußisch  sein  konnte?  Seitdem
war  doch  in  immer  weiteren  Kreisen  die  für  viele  recht  unbehagliche
  und  drückende  Erkenntnis  durchgedrungen,  zur  Gesundung
Deutschlands  werde  vielmehr  umgekehrt  das  übrige  Deutschland
  gewissermaßen  in  Preußen  aufgehen  müssen.

Dieser  Prozeß  begann  1866.  Sein  Fortgang  bildet  den
Inhalt  der  preußischen  und  der  deutschen  Geschichte  des  nächsten
Lustrums,  und  mit  der  Erhebung  König  Wilhelms  zum

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Prutz,  Preußische  Geschichte.  IV.  28