Volltext : Handwörterbuch des Sächsischen Verwaltungsrechts. Zweiter Band (L-Z). (2)

Zustellung  443

kirchliche  Angelegenheiten  (VO.  vom  29.  Nov.  1902,  Kons.  B.  131,
SWB.  1903  S.  4).  «

1.  Allgemeines.  Die  Z.  kann  hiernach  erfolgen:  durch  Post,
durch  verpflichtete  Boten  oder  öffentliche  Bekanntmachung.  Durch  die
Post  erfolgt  sie  an  Personen,  die  außerhalb  des  Sitzes,  bei  den  Unter—
behörden  außerhalb  des  Verwaltungsbezirks,  wohnen.  Die  Z.  kann
an  jedem  Orte  bewirkt  werden,  wo  der  Adressat  angetroffen  wird,
außerhalb  der  Wohnung  und  des  Geschäftslokals  jedoch  nur,  wenn
die  Annahme  nicht  verweigert  wird.  Ist  die  Z.  hiernach  nicht  ausführbar,
  so  erfolgt  Aiederlegung  bei  der  Post  oder  der  Gemeindebehörde
  unter  gleichzeitigem  Anschlag  an  der  Tür  der  Wohnung.  Bei
grundloser  Weigerung  ist  das  Schriftstück  am  Zustellungsorte  zurüchzulassen
  (s.  insbes.  §  18).  Bei  der  die  Regel  bildenden  vereinfachten  3.
sind  die  blauen  Zustellungsurkunden  zu  benutzen  (MVO.  vom
26.  Febr.  1900,  SWB.  70).  Die  Zustellungsgebühr  ist  in  dem  Bauschbetrag
  inbegriffen  (s.  Gebühren  II  1).  Die  Verwendung  von  Tintenstiften
  zur  Beurkundung  der  3Z.  ist  zulässig  (M.MO.  vom  9.  Jan.  1903,
WB.  29).

2.  Z.  von  befristeten  Zufertigungen.  Hängt  von  der  gehörigen
Z.  der  Eintritt  eines  Rechtsnachteils  für  den  Fall  des  Ungehorsams
ab,  so  hat  sie  mittels  Zustellungsurkunde  zu  erfolgen,  die  jedoch  durch
Berichtsniederschrift,  eingeschriebenen  Brief  oder  in  anderer  Weise  geführten
  Aachweis  ersetzt  werden  kann  (VO.  vom  3.  Sept.  1888  88  13
bis  16  und  vom  25.  Jan.  1902  S.  5,  MEntsch.  vom  19.  Nov.  1901,
W.  1902  S.  7).  JIst  nicht  in  Gemäßheit  vorstehender  Bestimmungen
zugestellt,  so  Kann  die  4  wöchige  Frist  für  den  Ausschluß  der  Anfechtungsklage
  nicht  zu  laufen  beginnen  (OVS.  16.  März  1901  1  S  17,  Jahrb.
1  26).  Im  Verkehr  zwischen  amtlichen  Stellen  genügt  als  Zustellungsnachweis
  die  pflichtmäßige  Eingangsbemerkung  (VO.  vom  25.  Jan.
1902  S.  5  Ziff.  III,  O#.  4.  Sept.  1901  1  8  169).  Eine  mündliche
Eröffnung  genügt  bei  zweitinstanzlichen  Entscheidungen  nur  dann,  wenn
der  Berechtigte  auf  schriftliche  Zufertigung  verzichtet  hat  (OVC.  7.  Mai
1902  1  S  32,  Jahrb.  II  333),  bei  erstinstanzlichen  Entscheidungen  dann,
wenn  gesetzlich  nichts  anderes  vorgeschrieben  ist  (OB.  31.  Dez.  1902
1  8  270).  Vach  Befinden  kann  auch  die  Aktennotiz  über  Postnachnahme
als  Zustellungsnachweis  dienen  (O.  5.  Juli  1902  I  S  144,  Jahrb.
III  76).  Uber  die  Zustellung  kostenpflichtiger  Entscheidungen  s.  MW.
vom  16.  Nov.  1900,  SWB.  281.

II.  Z.  bei  den  übrigen  Behörden.  In  Einkommen=  und
Ergänzungssteuersachen  gelten  rücksichtlich  des  Orts  und  der  Person
die  Vorschriften  der  CPO.  (A##.  vom  25.  Juli  1900  S.  589  §  2  und
2.  Febr.  1903  S.  259  §  1).  Das  Verfahren  vor  den  Gewerbegerichten
  wird  nach  §88  32—34  des  BEes.  vom  29.  Sept.  1901
S.  353  zugestellt  (s.  auch  MWVO.  vom  20.  Jan.  1892,  Fischer  XIII  230).
Für  die  Verwaltungsgerichte  gilt  das  Verfahren  unter  I  (Ges.  vom