III. Die Intervention in Frankreich. 303
Gemäßigten noch einmal ans Ruder kamen. Am 25. Jannar
hatte die Nationalversammlung, echt französisch, vom Kaiser
eine demütigende Bekräftigung seiner friedlichen Absichten ver-
langt. Seine vornehme, ruhige und sachlich schlagende Ant-
wort vom 17. Februar machte Eindruck. Am 1. März wurde
sie ausdrücklich als friedlich anerkannt: die Kriegsgefahr schien
beseitigt. Zu derselben Zeit aber, wo dies in Paris geschah,
erlag in Wien Leopold II. einem Schlagfluß. Gerade in dem
kritischsten Augenblick wurde der Mann abberufen, dessen Um-
sicht, Besonnenheit und mit Thatkraft gepaarte Mäßigung die
kriegerischen Elemente zurückgehalten und damit auch von Lud-
wig XVI. das Aeußerste noch abgewandt hatte.
Sein Nachfolger Franz II. dachte ganz anders. Ebenso
beschränkt wie anspruchsvoll, durchdrungen von dem Glauben
an Oesterreichs Zukunft, aber ohne staatsmännische und mili-
tärische Begabung, ein Pedant ohne Ideen und ohne Ideale,
eine subalterne Natur mit der Schen einer solchen vor allen
reicher beanlagten und höher strebenden Geistern, dachte er von
dem Recht der Herrscher und des Absolutismus wie die Emi-
granten. So wurde er, wofür man seinen Vater fälschlich
ausgegeben, das Haupt der bisher zurückgedrängten Kriegs-
partei, zumal in Paris die Girondisten, die den Krieg aus
Gründen der inneren Politik wollten, durch Dumouriez' Schlag-
wort von Frankreichs natürlichen Grenzen die Leidenschaften
vollends erhitzten. Auch in Berlin drangen die Fürsprecher
nachsichtigen Zuwartens nun nicht mehr durch, und Friedrich
Wilhelm steuerte, ohne seine amtlichen Berater zu befragen,
unter dem Einfluß Bischoffswerders ganz in das kriegerische
Fahrwasser. Deshalb schätzte man in Wien seine Freundschaft
jetzt auch höher. Kaunitz, der aus Mißtrauen gegen Preußen
den Krieg scheute, verlor an Einfluß. Doch auch ihm ließ die
Verblendung der Girondisten schließlich keine Wahl. Im
März 1792 forderte eine französische Note von Franz II. Auf-
lösung der gegen Frankreich geschlossenen Verträge und Zurück-
ziehung der in den Grenzlanden gesammelten Truppen. Die
Gegenforderung — endliche Entschädigung der in Elsaß und
Lothringen benachteiligten deutschen Fürsten und Herstellung