Volltext: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Streitigkeiten in der Nordmark. 461 
seine Macht auszudehnen. Nachdem er eine Nichte des mächtigen Philipp 
von Köln geheiratet und sich dessen Unterstützung versichert hatte, trieb er alle 
Oppositionselemente in seinem Lande, den Landesältesten Markrad und 
viele andere hinweg, bemächtigte sich Dithmarschens und nahm dem Herzog 
Bernhard gegenüber eine völlig unabhängige Stellung ein. Als dessen 
Bruder Erzbischof Sigfried von Bremen ihm Dithmarschen als ein Lehen der 
Bremer Kirche abnehmen wollte, wies er ihn mit Waffengewalt zurück. End- 
lich geriet der Askanier auch mit den Grafen Bernhard von Ratzeburg und 
Gunzelin von Schwerin in Streit, die mit Adolfs III. Hilfe Lauenburg und 
JIlow zerstörten"). Zu gleicher Zeit begann im Slawenlande zwischen 
Borwin, dem Sohne des Pribislaw von Polabien, der später Mathilde, die 
natürliche Tochter des Herzogs Heinrichs des Löwen, ehelichte, und Niklot, 
dem Sohne Wratislaws von Obotritien, ein harter Streit. Der erstere wurde 
mit Hilfe der aufständischen drei Grafen an Stelle Niklots zum Fürsten von 
Obotritien eingesetzt und bemächtigte sich in der Tat Jlows, Rostocks und 
Mecklenburgs. Niklot aber entfloh zu dem Gegner der drei Grafen, zum Her- 
zoge Bernhard von Sachsen, und dieser vermittelte es, daß sein Bruder, 
Markgraf Otto von Brandenburg, jenem Havelberg, in der Nähe der mecklen- 
burgischen Grenze, als Aufenthalt anwies. Von hier aus machte Niklot 
häufige Einfälle in das obotritische Gebiet. Der Kampf nahm immer weiteren 
Umfang an. Den Borwin unterstützte der Pommerherzog Boguslaw, wäh- 
rend dem Niklot sich der Fürst der Rügier, Germar, anschloß. Dieser war, 
nachdem durch den Sturz Heinrichs des Löwen dessen Mitoberherrschaft über 
Rügen beendet worden war, ausschließlich Lehnsmann der dänischen Krone 
geworden. So erhielt Dänemark erwünschte Gelegenheit, sich in die slawischen 
Streitigkeiten zu mischen. 
König Waldemar I. war nicht mehr. Dieser Fürst, der trotz mancher 
Schwächen und kleinlichen Eigenschaften doch zuerst wieder Dänemark aus 
dem Zustande tiefster Zerrüttung zu Einigkeit und Kraft hinübergeführt hat, 
war 6. Mai 1182 gestorben. Sein Sohn Knut VI. bestieg nach ihm den Thron. 
Dieser junge, erst 19 Jahre zählende Fürst war ein bei weitem bedeutenderer 
Mann als sein Vater, ebenso kühn im Felde, wie geschickt und entschlossen im 
Rat; die weitaussehendsten Pläne zur Vergrößerung Dänemarks bewegten 
seinen Geist. Auch fühlte er sich auf dem Throne weit sicherer, als sein Vater 
bei dem Beginne seiner Regierung je imstande gewesen war, und so war er 
nicht im mindesten gewillt, die Krone des erstarkten Reiches von dem Kaiser 
zu Lehen zu nehmen. Noch mehr wurde er gegen Friedrich durch seine Ge- 
mahlin Gertrud, die Tochter Heinrichs des Löwen, mit der er sich vor zehn 
Jahren vermählt hattes), erbittert; auch zürnte er dem Kaiser, weil dieser 
den Pommernherzog Boguslaw als deutschen Reichsfürsten angenommen 
hatte. Soschlug er das Verlangen Friedrichs, von ihm sich die Lehnshuldigung 
·Z Arnoll. Lub. III, 1, 4. 
*) Seite 383. 
  
6. Mai 
1182