436 Versammlungsbericht.
Die Debatte, die sich an die Referate der Herren Landesgewerberat
Kühne, Syndikus Wilden und Ingenieur Frölich anschloß,
war verhältnismäßig kurz. Das, was sie vortrugen, wurde von allen
Anwesenden als berechtigt anerkannt. Desto mehr Widerspruch haben
die Ausführungen des Herrn Assistenten der Handelskammer in
Braunschweig hervorgerufen.
Sehr erfreut hat mich in dem Referate des Herrn Syndikus
Wilden, daß er soweit gehen zu sollen glaubte, sogar für Handwerkslehrlinge:
eine Mittelschulbildung zu fordern. Wenn das auch
vielleicht noch ein sehr fernes Ideal ist, so soll man ja gerade auch
hohen und fernen Idealen zustreben. Um so betrübender war es,
daß der letzte Herr Referent die Anforderungen so gering hinstellte.
Nun hat er ja vielleicht sehr wahre Beobachtungen ausgeführt,
an deren Richtigkeit nicht im mindesten zu zweifeln ist. Man kann
ohne weiteres sich anheischig machen, einen guten Bureaubeamten
heranzuziehen, wenn man Genügend Fleiß, Zeit und Sorgfalt darauf
verwendet. Man kann aber nicht einen Kaufmann erziehen. Das
ist selbstverständlich; kaufmännischen Geist kann man jemandem, der
ihn nicht von Natur hat, nicht einpfropfen. Darüber bedürfte es gar
keiner vielen Worte. Aber das schließt doch nicht aus, daß man in
ganz anderer Weise um die Vorbildung und um die Ausbildung der
kaufmännischen Angestellten bemüht sein sollte.
Als ich den ersten Teil des Referats gehört hatte, hatte ich den
Eindruck, daß der Schluß kommen würde, daß die Fortbildungsschule
eigentlich für die kaufmännischen Angestellten ziemlich überflüssig sei.
Das ist ja vielleicht etwas kraß ausgedrückt, aber es gibt meinem
innersten Empfinden Ausdruck.
Nun muß ich sagen, daß auch die Anforderungen, die an die
Schulbildung gestellt werden, zu niedrig sind. Die Zwangsfortbildungsschule
in Stettin ist verhältnismäßig neuen Datums:
sie ist übrigens sofort, wie ich den Vertretern der weiblichen Handlungsgehilfen
hierbei bemerken darf, auch für das weibliche Geschlecht
eingeführt worden. Die Klagen sind aber allgemein gewesen in der
Kaufnannschaft daß die Vorbildung, die die Volksschule witgibt,
für den Detaillisten im allgemeinen zu gering ist, und dazu
komnt eben noch, daß immerhin eine Anzahl auch von jungen Kaufmannslehrlingen
die Volksschule gar nicht einmal bis zu Ende besucht
hat. Das liegt daran, daß die Eltern vielfach aus kleinen Orten
oder vielleicht vom Lande in die Städte gezogen sind, oder an sonstigen
persönlichen Gründen, denen ich nicht nachgehen kann. Jedenfall
die Tatsache steht fest, daß ein gewisser Teil nicht einmal die as.
sühuse absolviert hat.
habe nun einmal eine Aufnahmeprüfung in größerem um
fange in der Fortbildungsschule veranstalten lassen, um das Maß der
Kenntnisse festzustellen. Da war doch nur ein kleiner Bruchteil vorhanden,
der ein ganz fehlerfreies Diktat schreiben konnte. Ein
gröberr= Teil schrieb leidlich fehlerlos, so mit sechs, sieben Fehlern auf
r Seite. Jedenfalls genügt diese Leistung nach meiner Ansicht auch
fü#- einen Detaillisten nicht. Auch ein Detaillist muß von seinem
.