Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfzehnter Band. (15)

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Kirche  z.  B.  hat  eine  gewisse  natürliche  Tendenz  zum  Menschenhaß,
  zur  Intoleranz;  daraus  läßt  sich  aber  nichts  iwes
niger  schließen,  als  daß  Jeder,  der  jeue  Lehre  annimmt,
auch  von  diesen  Fehlern  befallen  sey,  sondern,  wie  die  Erfahrung
  lehrt,  im  einzelnen  Menschen  hebt  sich  oft  eine  solche
Tendenz,  wird  durch  andkre  Eigenschaften  des  Gemüths  oder
Verstandes  paralpsirt.  Aber  deßhalb  ist  doch  jin  Beziehung
auf  politische  Verhältnisse  eine  solche  Meinung  forgfältig
unter  dem  Auge  zu  behalten,  weil  man  fast  sicher  annehmen
  kann,  daß  bei'm  grohen  Volkshaufen  diese  Tendenz
wirklich  auch  praktische  Kraft  gewinne.,  Dagegen  wenn  die
religidsen  Ansichten  an  sich  noch  so  unvernünftig  sind,  es
läßt  sich  aber  jene  praktische  Wirksamkeit  nicht  nachweisen,
so  hat  sich  der  Staat  auch  nichts  um  sie  zu  bekümmern.
2)  Da  keine  Religion  blos  aus  Meinungen  besteht,  sondern
sich  in  Handlungen  äußert,  die  eine  schrbare  gemeinschaftliche
  Gottesverehrung  zum  Zweck  haben,  so  ist  ein  weiterer
Gegenstand  der  Obhut  des.  Staats:  die  Art  und  Weise,
wie  jede  Parthie  ihren  Gottesdienst  halte,  oder
in  welchen  dußeren  Ceremonien  sie  ihre  Religion  ausübe.
Es  ist  in  dieser  Räücksicht  die  Haupt-Aufmerksamkeit  auf  die
religibösen  Versammlungen  zu  richten.  Convente  haben  die
Religions-Partheien  alle,  aber  es  ist  ein  großer  Unterschied
unter  denselben;  ob  Belehrung  der  Hauptzweck  der  Zusammenkunft
  ist,  ob  Erbauung,  ob  das  Ceremonielle,  ob  Letzteres
  mit  großem  Grpränge  verbunden  ist,  ob  namentlich
Prozessionen,  Wallfahrten  dabei  üblich  sind  —  in  welchen
Beziehungen  allen,  dem  Staat  schädliche  Mißbräuche  aufkommen
  konnen.  Nur  ist  auch  hier  wieder  wohl  zu  beachten,
daß  um  das  Widersinnigscheinende  der  Gebräuche  der  Staat
sich  nichts  zu  bekümmern  hat,  sondern  blos  um  das  Voer-