717] Das englische Gefängniß-System. 135
daß man beim Essen von fettem Hammelfleisch aufstehen mußte, um eine
Dofis Ricinusöl einzunehmen! Man denke sich, Jemand, der an einem
heftigen Katarrh leidet, wird in einem zugigen Durchgang ausgezogen und
muß zwei Stunden auf den Arzt warten.“ Der „Spectator“ faßt das
jetzige englische Gefängniß = System mit den Worten zusammen: „Unser
Gefängniß-System irrt weniger aus Grausamkeit als aus Dummheit. Denn
es ist dumm, einen Mann von dem humanisirenden Einfluß, der im Briefwechsel
mit seiner Frau und seinem Freunde liegt, auszuschließen. Es ist
dumm, einen Menschen, der freigelassen werden soll, mit Handschellen per
Bahn nach London zu bringen, so daß er Gefahr läuft erkannt zu werden,
wenn er in Freiheit gesetzt wird und ihn aufs Geradewohl mit Gefängnißkleidern
in die Welt zu setzen, die ihn sofort als Sträfling kennzeichnen.
Es ist dumm, schlechtbesoldete, unwissende, gewissenlose Wärter anzustellen.
Es ist mehr wie dumm, diejenigen, welche zum ersten Mal sitzen müssen,
mit verhärteten, wiederholt Bestraften zusammenzubringen.“
Diese Kritik des Spectator ist von Wichtigkeit. Insbesondere sind
eine sorgfältigere Auswahl und Aussicht der Wärter, eine durchgreifendere
Klassifikation und Trennung der Gefangenen in den Zuchthäusern und eine
Umänderung der üblichen hohen Strafmaße dringend nöthige Verbefserungen.
In Bezug auf die Grasschafts= und Stadtgefängnisse thut Folgendes
besonders noth (und sollte bei Einführung neuer Einrichtungen vorgesehen
werden): Eine durchgreifende Reduktion kleiner, unnützer Gefängnisse, eine
starke Vermehrung lohnender, neuer Beschäftigungsarten, eine Fortführung
und sogar Ausdehnung der Trennung der Gefangenen von einander und
Vorkehrungen zu noch effektiverem, religiösem und weltlichem Unterricht,
sowohl durch die Beamten als durch verständige freiwillige Besucher.
Die nächsten Jahre werden durch die Operation der Boards of Comissioners,
welche die neuen Gefängnißgesetze in Anwendung bringen sollen,
zeigen, ob wirklich ein erheblicher Fortschritt in diesen und ähnlichen Resormen
gemacht ist. Betreffs der Zuchthäuser wird die Ernennung einer
königlichen Untersuchungskommission für die Wirkung des Strafgesetzbuchs
(unter der Präsidentschaft des Earl of Kimberley) hoffentlich wenigstens zu
einigen Verbesserungen führen, die ja in der Einrichtung gemeinsamer Arbeit
so dringend nöthig fsind, wie dies auch von einigen der Hauptbeamten in
ihren Jahresberichten an die Regierung geltend gemacht wird.