— 157 —
Sonne Morgens und Abends am Rande des Horizontes (Winkel
von 180), so fallen die Strahlen sehr schräg auf die Erde und werden
durch besonders zahlreich in der Luft befindliche Dunstbläschen so verändert,
daß der gesammte umgebende Himmel roth gefärbt erscheint.
Morgen= und Abendröthe beweisen einen großen Wassergehalt
der Luft und lassen, wenn sich kältere Winde aufmachen, auf
Regen schließen.
Die Höfe (Ringe) um den Mond, wie auch die selteneren Höfe
um die Sonne erklärt man durch die Beugung der Strahlen an den
in der Höhe der Atmosphäre befindlichen Dunstkügelchen und Eiskrystallen;
sie stellen ebenfalls, wenn Abkühlung eintritt, Regen in
Aussicht.
8 109.
Iuftbewegung.
Die Luftbewegung entsteht durch ungleiche Erwärmung und dadurch
bedingte ungleiche Dichtigkeit oder Schwere der Luftschichten.
So entsteht durch das Abfließen der kalten schweren Luftschichten
nach dem Aequator der Polarstrom und von diesem zurück durch das
Abfließen der warmen leichten Luft nach den Polen der Aegquatorialstrom.
Durch die Drehung der Erde von Westen nach Osten um die
eigene Achse (in 24 Stunden, wodurch die Länge des Tages bestimmt
ist) wird der erste zum Nordost-, der zweite zum Südwestwind abgelenkt.
Da nun mit der allmählichen Abkühlung des Aegquatorialstromes ein
Sinken in höheren Breiten verbunden ist, so kommt er naturgemäß
mit dem Polarstrom häufig in Conflict, und solche Länder, die in diesen
Breiten liegen, wie z. B. Deutschland und die angrenzenden Länder,
haben unter dem Kampfe der südwestlichen und nordöstlichen Luftströmungen
zu leiden. Daher ist es bei uns viel windiger und regnerischer
als im Süden oder Norden.
Außer diesen großen Weltwinden giebt es noch viele Lokalwinde,
die durch die Verschiedenheit der Bodengestaltung, durch den Wechsel
von Berg und Thal, von Wasser und Land, hervorgerufen werden.
Ist die Luftbewegung eine besonders heftige, so nennen wir sie Sturm;
Stürme entstehen am häufigsten bei schroffem Temperaturwechsel, also
im Frühling und Herbst, vo Sommer und Winter um die Herrschaft
kämpfen. Sie sind dem Walde immer verderblich, namentlich wenn sie bei
großer Feuchtigkeit und damit verbundener Lockerheit des Bodens auftreten.