Full text : Leitfaden für das Preußische Jäger- und Förster-Examen.

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Sonne  Morgens  und  Abends  am  Rande  des  Horizontes  (Winkel
von  180),  so  fallen  die  Strahlen  sehr  schräg  auf  die  Erde  und  werden
durch  besonders  zahlreich  in  der  Luft  befindliche  Dunstbläschen  so  verändert,
  daß  der  gesammte  umgebende  Himmel  roth  gefärbt  erscheint.

Morgen=  und  Abendröthe  beweisen  einen  großen  Wassergehalt
  der  Luft  und  lassen,  wenn  sich  kältere  Winde  aufmachen,  auf
Regen  schließen.

Die  Höfe  (Ringe)  um  den  Mond,  wie  auch  die  selteneren  Höfe
um  die  Sonne  erklärt  man  durch  die  Beugung  der  Strahlen  an  den
in  der  Höhe  der  Atmosphäre  befindlichen  Dunstkügelchen  und  Eiskrystallen;
  sie  stellen  ebenfalls,  wenn  Abkühlung  eintritt,  Regen  in
Aussicht.

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Iuftbewegung.

Die  Luftbewegung  entsteht  durch  ungleiche  Erwärmung  und  dadurch
bedingte  ungleiche  Dichtigkeit  oder  Schwere  der  Luftschichten.

So  entsteht  durch  das  Abfließen  der  kalten  schweren  Luftschichten
nach  dem  Aequator  der  Polarstrom  und  von  diesem  zurück  durch  das
Abfließen  der  warmen  leichten  Luft  nach  den  Polen  der  Aegquatorialstrom.
  Durch  die  Drehung  der  Erde  von  Westen  nach  Osten  um  die
eigene  Achse  (in  24  Stunden,  wodurch  die  Länge  des  Tages  bestimmt
ist)  wird  der  erste  zum  Nordost-,  der  zweite  zum  Südwestwind  abgelenkt.
Da  nun  mit  der  allmählichen  Abkühlung  des  Aegquatorialstromes  ein
Sinken  in  höheren  Breiten  verbunden  ist,  so  kommt  er  naturgemäß
mit  dem  Polarstrom  häufig  in  Conflict,  und  solche  Länder,  die  in  diesen
Breiten  liegen,  wie  z.  B.  Deutschland  und  die  angrenzenden  Länder,
haben  unter  dem  Kampfe  der  südwestlichen  und  nordöstlichen  Luftströmungen
  zu  leiden.  Daher  ist  es  bei  uns  viel  windiger  und  regnerischer
  als  im  Süden  oder  Norden.

Außer  diesen  großen  Weltwinden  giebt  es  noch  viele  Lokalwinde,
die  durch  die  Verschiedenheit  der  Bodengestaltung,  durch  den  Wechsel
von  Berg  und  Thal,  von  Wasser  und  Land,  hervorgerufen  werden.
Ist  die  Luftbewegung  eine  besonders  heftige,  so  nennen  wir  sie  Sturm;
Stürme  entstehen  am  häufigsten  bei  schroffem  Temperaturwechsel,  also
im  Frühling  und  Herbst,  vo  Sommer  und  Winter  um  die  Herrschaft
kämpfen.  Sie  sind  dem  Walde  immer  verderblich,  namentlich  wenn  sie  bei
großer  Feuchtigkeit  und  damit  verbundener  Lockerheit  des  Bodens  auftreten.